22In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. 23Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
24Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 25Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?

„Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten“ (Lk 9,23+24)

Ich war weiter in meinem gewohnten Zustand und betete gerade; und während ich betete, machte ich die Meinung, in den Göttlichen Willen einzutreten; und dort machte ich mir alles zu eigen, was in Ihm existiert. Ihm entgeht ja nichts an Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem.
Und ich machte mich zur Krone von allem und brachte im Namen aller, meine Huldigung, meine Liebe, meine Genugtuung usw. vor die Göttliche Majestät.
Da bewegte sich mein stets liebenswürdiger Jesus in meinem Inneren und sprach zu mir: „Meine Tochter, das wahre Leben der Seele in meinem Willen, ist nichts anderes als die Gestaltung ihres Lebens in dem meinigen; es bedeutet, all dem, was sie tut, meine eigene Form zu verleihen. Ich tat nichts anderes als alle meine inneren und äußeren Akte in meinem Göttlichen Willen fliegen zu lassen.
Ich schickte jeden Gedanken meines Verstandes auf Reisen, damit er über jedem Gedanken aller Geschöpfe, die schon in meinem Willen existierten, schwebe; und mein Gedanke – der über allen schwebte – machte sich gleichsam zur Krone eines jeden menschlichen Intellekts und brachte der Majestät des Vaters die Huldigung, Anbetung, Verherrlichung, Liebe und Sühne jedes erschaffenen Gedankens dar.
Und so tat Ich es mit meinen Blicken, meinen Worten, meinen Bewegungen, meinen Herzschlägen und meinen Schritten. Wenn die Seele nun in meinem Willen leben will, muss sie ihrem Verstand die Gestalt des Meinen geben, ihre Blicke in die Form der Meinen umgestalten, ihre Worte, Bewegungen, Herzschläge und Schritte in die Gestalt der Meinen formen.
Indem sie so tut, verliert die Seele ihre eigene Form und erwirbt die Meine. Sie tut nichts anderes, als dem menschlichen Sein beständig den Todesstoß zu versetzen und dem Göttlichen Willen andauernd Leben zu spenden.
So wird die Seele fähig sein, das göttliche Leben meines Willens in sich selbst zu vervollständigen; andernfalls wird dieses Wunder nie völlig verwirklicht und diese Gestalt nie ganz nach der meinen modelliert sein.
Es ist allein mein ewiger, unermesslicher Wille, der die Seele alles vorfinden lässt. Das Vergangene und Zukünftige reduziert Er auf einen einzigen Punkt, und in diesem einen Punkt findet sie alle schlagenden Herzen, jeden Verstand, der tätig ist und mein ganzes Wirken in andauernder Tätigkeit.
Und die Seele, die sich diesen meinen Willen zu eigen macht, tut alles, sühnt für alle, liebt für alle und tut allen und einem jeden Gutes, als ob alle ein einziger wären. Wer kann dies je erreichen?
Keine Tugend, kein Heroismus, nicht einmal das Martyrium kann vor meinem Willen bestehen: alles, alles bleibt zurück hinter dem Wirken in meinem Willen. Sei daher aufmerksam und handle so, dass die Mission meines Willens in dir seine Erfüllung finde.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 5. Januar 1921)

———————-

Ich fühlte mich vernichtet wegen des Kummers über seine Beraubung und dachte voll Trauer daran, dass Jesus nicht mehr kommen würde. O, welch durchbohrender Gedanke – Den nicht mehr zu sehen, der mein ganzes Leben war, meine Seligkeit, mein ganzes Gut!
Während dieser Gedanken bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, wie kann Ich dich verlassen, wenn in deiner Seele mein Wille gefangen ist, und, indem Er all deinen Akten Leben gibt, sein Leben wie in seiner eigenen Mitte führt?
So gibt es also auf einem Ort der Erde mein Leben. Ach, wäre dieses mein Leben nicht auf der Erde, so würde sich meine Gerechtigkeit mit solcher Heftigkeit ausgießen, dass sie die Erde vernichten würde!”
Als ich dies hörte, sagte ich: „Mein Jesus, dein Wille ist doch überall, es gibt keinen Ort, wo er sich nicht befindet, und Du sagst, dass Er in mir gefangen sei?” Und Jesus: „Sicher ist Er mit seiner Unermesslichkeit, Allsicht und Macht überall.
Als König unterwirft Er Sich alles und lässt niemanden seiner Herrschaft entkommen – doch als Leben, in dem das Geschöpf das seine bildet, um das seine im Leben meines Willens zu führen und um das Leben des Göttlichen Willens auf der Erde zu bilden, gibt es Ihn nicht.
Für viele, die Ihn nicht tun, ist es, als würde Er nicht existieren. Es ist, als hätte jemand das Wasser im eigenen Zimmer und trinkt es nicht, als hätte er Feuer und geht nicht hin, um sich zu wärmen, als hätte er Brot und isst es nicht.
Obwohl der Mensch alle diese lebensspendenden Elemente bei sich hat, könnte er doch, wenn er sie nicht zu sich nimmt, vor Durst, Kälte und Hunger sterben. Andere gebrauchen sie spärlich, und sind schwach und krank, wieder andere jeden Tag, und diese sind gesund und robust.
Wenn daher jemand ein Gut besitzt, kommt alles darauf an, ob der menschliche Wille dieses Gut annehmen will, und die Art, wie er es nehmen will. Je nachdem, wie er dieses Gut gebraucht, empfängt er dessen Wirkungen.
So ist es mit meinem Willen: damit Er zum Leben der Seele werde, muss sie ihren eigenen Willen in Meinem verschwinden lassen, ihr eigenes Wollen darf nicht mehr existieren.
Mein Wille muss als primärer Akt alle ihre Akte übernehmen, und Er wird sich der Seele bald als Wasser geben, um ihren Durst mit seinen göttlichen und himmlischen Wassern zu löschen; bald als Feuer, nicht nur, um sie zu wärmen, sondern um das [ungeordnet] Menschliche in ihr zu vernichten, und in ihr das Leben meines Willens wieder aufzubauen, bald als Speise, um sie zu nähren und sie stark und robust zu machen.
O, wie schwierig ist es, ein Geschöpf zu finden, das alle seine Rechte abtritt, um meinem Willen allein das Herrschaftsrecht zu übergeben! Beinahe alle wollen sich etwas vom eigenen Willen zurückbehalten, und daher kann mein Wille, da Er nicht vollständig in ihnen regiert, sein Leben nicht in allen Geschöpfen bilden.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 4. Oktober 1923)

———————-

An diesem Morgen zeigt sich mein süßer Jesus in meinem Inneren, wie Er gerade die Arme in Kreuzesform ausstreckte, und ich war zugleich mit Ihm ausgestreckt; dann sagte Er zu mir: „Meine Tochter, der letzte Akt meines Lebens war, Mich am Kreuz auszustrecken und dort mit offenen Armen zu verbleiben, bis Ich starb; Ich konnte Mich weder bewegen, noch gegen das wehren, was sie Mir antun wollten.
Ich war das wahre Porträt, das lebendige Abbild dessen, der nicht im menschlichen, sondern im Göttlichen Willen lebt. Wie viel sagt doch diese Unfähigkeit aus, Mich zu bewegen, noch Mich wehren zu können, ein jedes Recht über Mich verloren zu haben, sowie die schreckliche Spannung meiner Arme! Während Ich meine Rechte verlor, erwarben die anderen mein Leben.
Das erste Recht hatte mein Höchster Wille, Der von seiner Unermesslichkeit und Allsicht Gebrauch machte, und alle Seelen sammelte, unschuldige und sündige, gute und heilige, und sie in meine offenen Arme legte, damit Ich sie in den Himmel bringe, und Ich wies niemanden ab; so gab der Göttliche Wille in meinen Armen allen einen Platz. Nun, der Höchste Wille ist ein kontinuierlicher, ununterbrochener Akt, und was Er einmal tut, tut Er unentwegt.
Obwohl sich meine Menschheit im Himmel befindet und keinem Leiden unterworfen ist, geht sie weiter auf die Suche nach Seelen, die nicht im menschlichen, sondern im Göttlichen Willen handeln und sich in nichts widersetzen; Seelen, die sich all ihrer Rechte entäußern, damit – wenn ihr eigenes Recht gänzlich in der Gewalt meines Willens bleibt – Dieser seinen Akt fortsetzen und alle Seelen, Sünder und Heilige, Unschuldige und Böse, in die Arme jener Seele legen mag, die sich anbietet, sich in meinem Willen auszustrecken, um das zu wiederholen und fortzusetzen, was meine am Kreuz ausgebreiteten Arme taten.
Daher habe Ich Mich in deinem Inneren ausgestreckt, damit der Höchste Wille weiterhin alle Seelen in meine Arme lege. Die Heiligkeit besteht nicht aus einem einzigen Akt, sondern aus vielen Akten zusammen.
Ein einziger Akt begründet weder Heiligkeit noch Schlechtigkeit, denn wenn keine andauernden Akte vollzogen werden, bleibt die „Heiligkeit“ farblos und ohne lebendige Nuancen und somit kann man weder der Heiligkeit noch der Perversität eine richtige Bedeutung noch einen Wert zumessen.
Was also die Heiligkeit erstrahlen lässt und das Siegel der Heiligkeit aufprägt, das sind die fortgesetzten guten Akte. Niemand kann behaupten, reich zu sein, weil er eine Münze besitzt, sondern nur wer ausgedehnte Besitzungen, Villen, Paläste usw. hat.
So ist es auch mit der Heiligkeit. Und wenn die Heiligkeit so viele gute Taten, Opfer und Heroismus erfordert, aber auch lückenhaft und diskontinuierlich sein kann, kennt die Heiligkeit in meinem Willen keine Phasen der Unregelmäßigkeit, sondern verknüpft sich mit dem kontinuierlichen Akt des Ewigen Willens, der niemals aufhört, sondern stets aktiv, immer am Werk ist, der immer triumphiert, stets liebt und nie anhält.
So verleiht die Heiligkeit in meinem Willen der Seele die Prägung des Wirkens ihres Schöpfers, d.h., seine ununterbrochene Liebe, die kontinuierliche Bewahrung all dessen, was Er geschaffen hat: Er ändert sich nie und ist unwandelbar.
Wer der Veränderlichkeit unterworfen ist, gehört der Erde an und nicht dem Himmel; wandelbar ist der menschliche Wille, nicht der Göttliche, etwas Gutes abzubrechen ist einem Geschöpf eigen, nicht dem Schöpfer; all dies würde sich für die Heiligkeit des Lebens in meinem Willen nicht schicken, da sie die Insignien und das Bild der Heiligkeit seines Schöpfers einschließt.
Sei daher aufmerksam, tritt all deine Rechte dem Höchsten Willen ab, und Ich werde in dir immer mehr die Heiligkeit des Lebens in meinem Willen heranbilden.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 25. Juli 1924)

———————-

Ich versenkte mich ganz in den Heiligen Willen Gottes, und mein süßer Jesus, Der sich in meinem Inneren bewegte, sprach zu mir:
„Meine Tochter, wie schön ist es, eine Seele zu sehen, die sich in meinen Willen versenkt! Sobald sie das tut, nimmt der geschaffene Herzschlag seinen Platz und sein Leben im unerschaffenen Herzschlag ein und bildet einen einzigen mit Ihm, und läuft und pulsiert gemeinsam mit dem ewigen Herzschlag.
Dieses Pulsieren im ewigen Schlag seines Schöpfers stellt die größte Seligkeit des Menschenherzens dar. Mein Wille lässt den menschlichen Herzschlag sich zum Flug erheben, und dieser schwingt sich auf zum Mittelpunkt seines Schöpfers.”
So fragte ich Ihn: „Sag mir, meine Liebe, wie oft kreist dein Wollen in allen Geschöpfen?” Und Jesus:
„Meine Tochter, mein Wille macht in jedem menschlichen Herzschlag seine vollständige Runde durch die ganze Schöpfung. Und wie das Herz im Geschöpf ständig schlägt, und wenn der Herzschlag endet, auch das Leben zu Ende geht – so kreist mein Wille, um den Geschöpfen göttliches Leben zu geben, mehr als der Herzschlag umher und bildet den Herzschlag meines Willens in jedem Herzen.
Du siehst also, wie mein Wille in jedem Geschöpf der primäre Herzschlag ist, und sein eigener ist [erst] der zweite; ja noch mehr, wenn der Mensch seinen Herzschlag spürt, so ist das kraft des Herzschlags meines Willens; ja dieser mein Wille erzeugt sogar zwei Herzschläge: einen im Herzen des Menschen für das körperliche Leben, und einen in der Seele für das Leben der Seele.
Doch möchtest du wissen, was dieser Herzschlag meines Willens im Menschen tut? Wenn er denkt, strömt und kreist mein Wille wie Blut in den Adern der Seele und gibt ihr göttliche Gedanken ein, damit sie die menschlichen Gedanken abtue und den Gedanken meines Willens den ersten Platz einräume.
Wenn sie spricht, beansprucht das Wort meines Willens seinen Platz. Wenn sie arbeitet, geht oder liebt, möchte mein Wille den Platz ihrer Aktivitäten, ihrer Schritte und ihrer Liebe.
Die Liebe und Eifersucht meines Willens im Geschöpf sind so groß, dass dies geschieht: wenn die Seele denken will, macht sich mein Wille in diesem seinem Herzschlag selbst zum Gedanken; wenn sie schauen will, macht Er sich zum Auge, wenn sie sprechen, arbeiten oder gehen möchte, macht Er sich zum Wort, zur Arbeit oder zum Fuß, wenn sie lieben will, macht Er sich zur Glut.
Mit einem Wort, Er fließt und kreist in jedem geschöpflichen Akt, um darin seinen ersten Platz einzunehmen, der Ihm zusteht. Doch zu unserem größten Kummer verweigert Ihm das Geschöpf diesen Ehrenplatz und weist seinem eigenen menschlichen Willen diesen Platz zu; daher ist mein Wille gezwungen, so im Geschöpf zu verbleiben, als hätte Er keinen Gedanken, kein Auge, kein Wort, keine Hände, keine Füße – und ohne dass Er sein Leben im Mittelpunkt der Seele des Menschen entfalten könnte.
Welch ein Schmerz! Welch höchste Undankbarkeit! Doch willst du wissen, wer Mir freie Hand lässt und meinen Willen als Herzschlag des Lebens in seiner Seele wirken lässt? Jene Seele, die in meinem Willen lebt…. O, wie gut kann mein Wille in ihr sein Leben entfalten und macht sich zum Gedanken ihres Gedankens, zum Auge ihres Auges, zum Wort ihres Mundes, zum Herzschlag ihres Herzens usw!
O wie schnell verstehen Wir Uns mit einem, der in meinem Willen lebt; mein Wille erreicht [in ihm] sein Ziel, dass Er nämlich sein Leben in der Seele des Menschen heranbilden kann!…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 6. Oktober 1924)