Samstag nach Aschermittwoch (Lk 5,27-32)
27In jener Zeit sah Jesus einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! 28Da stand Levi auf, verließ alles und folgte ihm.
29Und er gab für Jesus in seinem Haus ein großes Festmahl. Viele Zöllner und andere Gäste waren mit ihnen bei Tisch. 30Da sagten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten voll Unwillen zu seinen Jüngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken?
31Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. 32Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten.
„Folge mir nach!” (LK 5, 27)
Die Beraubungen von Jesus werden länger, und da ich mich Seiner beraubt sehe, tue ich nichts anderes, als den Himmel zu ersehnen. O Himmel, wann wirst du mir die Pforten öffnen? Wann wirst du Mitleid mit mir haben? Wann wirst du die kleine Verbannte in ihr Vaterland zurückholen?
Ach ja, nur dort werde ich meinen Jesus nicht mehr vermissen! [Denn hier auf der Erde ist es so:] Wenn Er sich zeigt, entflieht Er wie ein Blitz, während man Ihn zu besitzen glaubt, und man muss eine lange Etappe ohne Ihn durchstehen.
Und ohne Jesus verwandeln sich alle Dinge in Schmerz, sogar die heiligen Dinge selbst: die Gebete und Sakramente sind ein Martyrium ohne Ihn. Daher dachte ich mir: „Wozu hat Jesus erlaubt, dass ich seinem Tabernakel der Liebe nahekomme, wenn Wir dort in stummem Schweigen verharren?
Mir scheint sogar, dass Er sich noch mehr verborgen hat, weil Er mir keine Lehren über sein Göttliches FIAT mehr gibt. Es schien, als hätte Er seinen Lehrstuhl am Grund meines Inneren und wusste stets etwas zu sagen.
Jetzt vernehme ich nichts anderes als tiefes Schweigen – ich höre in mir bloß das ständige Gemurmel des Meeres des Lichtes des Ewigen Willens, das immer Liebe, Anbetung, Herrlichkeit murmelt und alles und alle umfängt.“ Doch als ich darüber nachdachte, zeigte sich mein süßer Jesus kurz in meinem Inneren und sagte zu mir:
“Mut, meine Tochter! Ich bin es, Der auf dem Grunde deiner Seele die Wellen des Meeres des Lichtes meines Göttlichen Willens bewegt und immer, immer murmelt, um meinem Vater im Himmel das Reich meines Willens auf Erden zu entreißen. Du tust nichts anderes, als Mir zu folgen.
Wenn du Mir nicht folgen würdest, würde Ich es allein machen; doch du wirst Mich nicht allein lassen, da mein eigenes FIAT dich in Sich versenkt hält. Ach, weißt du nicht, dass du der Tabernakel meines Göttlichen Willens bist? Wie viele Arbeiten habe Ich nicht in dir verrichtet?
Wie viele Gnaden habe Ich nicht in dich gegossen, um Mir diesen Tabernakel zu errichten, den Ich als einzigartig auf der Welt bezeichnen könnte – denn eucharistische Tabernakel habe Ich in großer Zahl.
In diesem Tabernakel meines Göttlichen FIAT [aber] fühle Ich Mich nicht als Gefangener, sondern besitze die endlosen Ausdehnungen meines Willens, Ich fühle Mich auch nicht allein, da Ich jene habe, die Mir immerwährende Gesellschaft leistet.
Bald unterweise Ich dich als Lehrer über meine himmlischen Lehren, bald gieße Ich meine Liebe und meinen Schmerz aus, bald feiere Ich ein Fest, dass Ich sogar mit dir spiele. Wenn Ich also bete, leide, weine und feiere, bin Ich nie allein, sondern habe die kleine Tochter meines Göttlichen Wollens zusammen mit Mir.
Zudem habe Ich die große Ehre und die schönste Eroberung, die Mir am meisten gefällt, nämlich einen menschlichen Willen, der ganz für Mich geopfert und ein Fußschemel für meinen Göttlichen Willen ist. Ich könnte diese Seele meinen bevorzugten Tabernakel nennen, in dem Ich solchen Gefallen finde, dass Ich ihn nicht gegen meine eucharistischen Tabernakel eintauschen möchte, denn in ihnen bin Ich allein.
Außerdem gibt Mir die Hostie auch nicht einen Göttlichen Willen, wie Ich Ihn in dir finde, Der Sich Selbst bilokiert, und den Ich, während Ich Ihn in Mir habe, auch in dir finde. Die Hostie jedoch ist weder fähig, Ihn zu besitzen, noch begleitet sie Mich in meinen Akten.
Ich bin immer allein, alles ist Kälte um Mich herum, der Tabernakel, die Pyxis, die Hostie sind ohne Leben, daher ohne Gesellschaft. Deshalb hatte Ich so große Freude, in der Nähe meines eucharistischen Tabernakels den [Tabernakel] meines Göttlichen Willens zu haben, den Ich in dir gebildet habe.
Wenn Ich dich bloß ansehe, fühle Ich, wie meine Einsamkeit unterbrochen wird, und Ich empfinde die reinen Freuden, die eine Seele Mir geben kann, die meinen Göttlichen Willen in sich herrschen lässt.
Das ist also der Grund, warum alle meine Absichten, Vorkehrungen und Interessen darauf hinzielen, meinen Göttlichen Willen bekannt zu machen und Ihn unter den Völkern zur Herrschaft zu bringen. Dann wird jede Seele ein lebender Tabernakel für Mich sein, der nicht stumm ist, sondern spricht.
Ich werde nicht mehr allein sein, sondern meine immerwährende Gesellschaft haben, und mit meinem in ihnen bilokierten Göttlichen Willen werde Ich meine Göttliche Gesellschaft im Geschöpf haben.
So werde Ich in jedem von ihnen meinen Himmel haben, weil der Tabernakel meines Göttlichen Willens meinen Himmel auf Erden besitzt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 25; 2. Dezember 1928)
„Da stand Levi auf, verließ alles und folgte ihm“ (Lk 5,28)
„Meine Tochter, wenn jemand alles verlässt und für Mich wirkt und auf ganz göttliche Weise liebt, dann stehen alle Dinge zu seiner Verfügung. Und das Kennzeichen, ob jemand alles für Mich verlassen und den Punkt erreicht hat, auf ganz göttliche Weise zu wirken und zu lieben, ist dies, dass er bei allem, beim Wirken, Sprechen und Beten, keinerlei Hindernisse, Missfallen, Widersprüche und Gegensätze mehr findet, denn angesichts jener Macht dieses ganz göttlichen Handelns und Liebens, beugen alle [diese Widersprüche usw.] ihr Haupt und wagen nicht einmal zu atmen.
Denn Ich wache als gütiger Vater immer über das menschliche Herz, und wenn Ich bemerke, dass es Mir entgleitet, d.h., dass es auf [rein] menschliche Weise wirkt und liebt, dann lege Ich Dornen, Missfallen und Bitterkeit hinein, die dieses menschliche Werk und die menschliche Liebe stechen und bitter machen. Wenn die Seele gestochen wird, erkennt sie, dass ihre Handlungsweise nicht göttlich ist, so kehrt sie in sich selbst ein und handelt auf andere Weise; die Stiche sind nämlich Wächter des menschlichen Herzens und verleihen ihm die Augen, um zu sehen, wer es ist, der die Seele bewegt, Gott oder das Geschöpf.
Wenn die Seele hingegen alles zurücklässt und auf ganz göttliche Weise handelt und liebt, erfreut sie sich meines Friedens, und anstatt dass sie als Wächter und Augen jene Stiche hat, ist der Friede ihr Wächter, der alles, was sie beunruhigen könnte, von ihr abwendet, und jene Augen der Liebe, welche alle in die Flucht schlagen und verbrennen, die sie stören wollen. Deshalb bleiben diese [Wächter] im Hinblick auf diese Seele in Frieden, sie lassen sie in Ruhe und stellen sich ihr zur Verfügung.
Es scheint, dass die Seele sagen kann: ‚Niemand soll mich antasten, denn ich bin göttlich und gehöre ganz Jesus, meiner süßen Liebe. Niemand wage es, meine sanfte Ruhe mit meinem Höchsten Gut zu stören; wenn ihr es wagen solltet, werde ich euch mit der Macht Jesu, die mir gehört, in die Flucht schlagen‘.“(aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 10; 10. Februar 1912)
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Christus wird seiner Kleider beraubt und einer grausamen Züchtigung unterworfen. Sind auch wir von allem entäußert? Jesus ist an die Geißelsäule gebunden. Lassen auch wir uns von der Liebe fesseln? Jesus ist gebunden, während wir mit unserer sündhaften Anhänglichkeit bisweilen auch an gleichgültige oder an sich gute Dinge noch neue Fesseln hinzufügen. Inzwischen ruft uns Jesus mit seinem wehmütigen Blick zu, ihn der Bande zu entledigen.
Liegt in diesem Blick nicht auch ein Vorwurf für uns, die wir zu seiner Fesselung beigetragen haben? Um dem betrübten Jesus Trost zu bereiten, müssen wir uns zuerst der eigenen Fesseln entledigen, bevor wir dazu gelangen, anderen die Fesseln abzunehmen. Diese unsere mitunter dünnen Ketten sind nichts anderes als kleine Anhänglichkeiten an unseren eigenen Willen, an unsere etwas verletzte Eigenliebe, an unsere kleinen Eitelkeiten. Da diese kleinen Ketten ineinandergreifen, fesseln sie den liebenswürdigen Jesus auf schmerzhafte Weise. Jesus möchte schon auf Erden alle Menschen in seine Menschheit aufnehmen, damit sie würdig seien, einst im Himmel in seine Gottheit aufgenommen zu werden. Durch unsere ungeordnete Anhänglichkeit an Personen und nichtige oder sündhafte Dinge Aus Liebe zu unserer armen Seele will Jesus uns bisweilen diese Ketten selbst abnehmen, um sich die Erneuerung der schmerzlichen Fesselung zu ersparen.
Wenn wir aber in Klagen ausbrechen, weil wir nicht ausschließlich mit Jesus allein verbunden sein wollen, dann nötigen wir ihn, sich betrübt von uns zurückzuziehen. Während Jesus unter solchen Misshandlungen leidet, sühnt er unsere Sünden gegen die Schamhaftigkeit. Können wir sagen, dass wir züchtig sind im Geiste, in unseren Blicken, in unseren Worten und Regungen, so dass wir dem unschuldigen Leib Jesu nicht neue Schläge versetzen? Sind wir immer so mit Jesus verbunden, dass wir uns bereitfinden, ihn zu schützen, wenn die Menschen ihm mit ihren Vergehen Schläge versetzen?
Mein gefesselter Jesus! Deine Ketten seien die meinigen, so dass ich dich stets in mir wahrnehme und du mich in dir. (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 8 bis 9 Uhr: Jesus zu Pilatus zurückgekehrt, dem Barabbas wird der Verzug gegeben. Die Geißelung Jesu)
„Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ (Lk 5,31)
… „Meine Tochter, meine Erlösung kam als Heilmittel für den Menschen, und deshalb diente sie als Heilmittel, als Medizin, als Speise für die Kranken, die Blinden, die Stummen, für alle Arten von Krankheiten. Da es Kranke sind, können sie alle Heilmittel, die Ich ihnen zu ihrem Wohle brachte, weder verkosten noch deren ganze innewohnende Kraft empfangen.
Das Sakrament der Eucharistie hinterließ Ich ihnen als Speise, um ihnen vollkommene Gesundheit zu geben. Viele essen immer wieder davon, und sehen sich doch stets krank. Arme Speise meines eigenen Lebens, verborgen unter den Schleiern der Akzidenzien des Brotes! Wie viele verdorbene Gaumen, wie viele Mägen, die nicht verdauen und die Menschen daran hindern, den Geschmack meiner Speise zu kosten und die ganze Kraft meines sakramentalen Lebens zu verdauen, und so bleiben sie krank. Und da es Glieder sind, die vom Bösen fiebern, essen sie die Speise ohne Appetit.
Deshalb ersehne Ich so sehr die Ankunft des Reiches des Höchsten FIAT, denn dann wird alles, was Ich tat, als Ich auf die Erde kam, denen als Speise dienen, die sich vollkommener Gesundheit erfreuen werden. Wie groß ist doch der Unterschied zwischen einem Kranken, der dieselbe Speise nimmt, und einem anderen, der vollkommene Gesundheit genießt! Der Kranke nimmt sie ohne Appetit zu sich, ohne Geschmack, und sie dient ihm dazu, sich aufrecht zu halten und nicht zu sterben. Der Gesunde verzehrt sie mit Appetit, und wie er davon kostet, nimmt er mehr davon und bewahrt sich stark und gesund.
Wie groß wird nicht mein Wohlgefallen sein, wenn Ich sehe, dass alles, was Ich tat, im Reich meines Willens nicht mehr als Speise für Kranke, sondern als Nahrung für die Kinder meines Reiches dienen wird, die alle voller Kraft und bei perfekter Gesundheit sein werden? Vielmehr werden sie mit dem Besitz meines Willens mein immerwährendes Leben in sich selbst besitzen, wie es die Seligen im Himmel besitzen. So wird mein Wille der Schleier sein, der mein Leben in ihnen verbergen wird.
Und wie es bei den Seligen ist, die Mich in ihrem Inneren wie das eigene Leben besitzen, und daher die Seligkeit, die sie ständig von der Gottheit empfangen, jener Seligkeit, die sie im Inneren besitzen, die Hand reicht und den Kuss gibt, und sie somit vollauf glücklich sind. So wird die Seele, die meinen Willen besitzt, mein immerwährendes Leben in sich haben. Es wird ihr als ständige Speise dienen, nicht [nur] einmal am Tag, wie die Speise meines sakramentalen Lebens. Denn mein Wille wird noch größeren Aufwand treiben und sich auch nicht damit zufriedengeben, sich einmal am Tag zu schenken – sondern Er wird sich ständig geben. Er weiß, dass sie reine Gaumen haben und starke Mägen, um in jedem Augenblick die Stärke, das Licht, das göttliche Leben und die Sakramente zu kosten und zu verdauen. Mein sakramentales Leben wird ihnen zur Nahrung und Wonne gereichen, als neue Seligkeit für das Leben des Höchsten FIAT, das sie besitzen werden.
Das Reich meines Willens wird der wahre Widerhall des himmlischen Vaterlandes sein. Während die Seligen ihren Gott als eigenes Leben besitzen, empfangen sie Ihn auch außerhalb von sich selbst. So besitzen sie innerhalb und außerhalb von sich göttliches Leben, und göttliches Leben empfangen sie. Wie groß wird also meine Seligkeit sein, mich sakramental den Kindern des ewigen FIAT zu schenken und in ihnen mein eigenes Leben zu finden? Dann wird mein sakramentales Leben die vollständige Frucht hervorbringen, und obwohl sich die Gestalten verzehren, werde Ich nicht mehr den Schmerz erleiden, meine Kinder ohne die Speise meines ständigen Lebens zurückzulassen. In der Tat, mein Wille wird, mehr als die sakramentalen Akzidenzien, sein göttliches Leben stets in seinem vollen Besitz bewahren. Im Reich meines Willens wird es weder Speisen noch Kommunionen geben, die unterbrochen werden – sondern immerwährende. Alles, was Ich in der Erlösung wirkte, wird ihnen nicht mehr als Heilmittel dienen, sondern zur Wonne, Freude, Seligkeit und als stets zunehmende Schönheit. So wird der Triumph des Höchsten FIAT dem Reich der Erlösung die vollständigen Früchte einbringen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 2. November 1926)


