HOCHFEST VERKÜNDIGUNG DES HERRN (Lk 1,26-38)
26In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. 32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. 34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. 37Denn für Gott ist nichts unmöglich. 38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
„In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria“ (Lk 1,26+27)
Ich fühlte meinen armen Geist im unermesslichen Meer des Göttlichen Willens versenkt; überall erblickte ich den Stempel des Fiat. Ich sah ihn in der Sonne, und es schien mir, dass das Echo des Fiat in der Sonne mir die göttliche Liebe brachte, die mich mit Pfeilen beschoss und verwundet. Und ich stieg auf den Flügeln des Fiat der Sonne hinauf bis zum Ewigen und brachte Ihm im Namen der ganzen Menschheitsfamilie, die Liebe, die die Göttliche Majestät durchbohrt und verwundete und mit Pfeilen traf, und ich sagte: ‚In Deinem Fiat hast du mir all diese Liebe geschenkt, und nur im Fiat kann ich sie Dir zurückgeben.‘
Ich betrachtete die Sterne und sah dort das Fiat, und dieses Fiat brachte mir in ihrem sanften und milden Funkeln die friedvolle Liebe, die sanfte Liebe, die verborgene Liebe, die mitleidsvolle Liebe selbst in der Nacht der Schuld.
Und ich brachte im Fiat der Sterne im Namen aller, die friedvolle Liebe vor den Thron des Ewigen, um Frieden zwischen Himmel und Erde zu stiften, die süße Liebe der liebenden Seelen, die verborgene Liebe so vieler anderer, und die Liebe der Geschöpfe, wenn sie nach der Sünde zu Gott zurückkehren. Aber wer kann alles aufzählen, was ich verstand und mit den vielen Fiat tat, die in der ganzen Schöpfung verstreut waren? Es wäre zu lang, daher mache ich Schluss.
Danach nahm mein süßer Jesus meine Hände in die Seinen, drückte sie stark und sagte: „Meine Tochter, das Fiat ist voller Leben, ja es ist das Leben selbst, und daher entspringen aus dem Inneren des Fiat alles Leben und alle Dinge. Aus meinem Fiat ging die Schöpfung hervor, deshalb ist in jedem geschaffenen Ding der Stempel des Fiat zu erkennen.
Vom „Fiat mihi“ meiner lieben Mutter, das sie in meinem Willen ausgesprochen hat, und das die gleiche Macht wie mein erschaffendes Fiat hatte, ging die Erlösung hervor, sodass es nichts in der Erlösung gibt, das nicht den Stempel des „Fiat mihi“ meiner Mutter tragen würde: auch meine Menschheit selbst, meine Schritte, die Werke und Worte wurden mit ihrem Fiat mihi versiegelt; meine Leiden, die Wunden, die Dornen, das Kreuz und mein Blut tragen die Prägung ihres Fiat mihi, weil die Dinge die Spur des Ursprungs tragen, von dem sie ausgegangen sind.
Mein Ursprung in der Zeit lag im Fiat mihi meiner Unbefleckten Mutter, deshalb trägt all mein Werk das Zeichen ihres Fiat mihi. Also ist in jeder konsekrierten Hostie ihr Fiat mihi; wenn der Mensch von der Schuld aufersteht, wenn die Neugeborenen getauft werden, wenn der Himmel sich öffnet, um die Seelen in Empfang zu nehmen, so ist es das Fiat mihi meiner Mutter, das alles bezeichnet, allem folgt und allem vorangeht.
O Macht des Fiat! Es entsteht in jedem Augenblick, vervielfältigt sich und macht sich zum Leben aller Güter. Jetzt will Ich dir sagen, warum Ich dein Fiat verlangt habe, dein ‚Ja‘ in meinem Wollen: Ich will, dass mein Gebet, das Ich gelehrt habe, das ‚Fiat Voluntas Tua sicut in Coelo et in terra – Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden’, dass dieses Gebet nach so vielen Jahrhunderten und Generationen seine Erhörung und Erfüllung finde.
Deshalb wollte ich ein weiteres Ja in meinem Wollen, ein weiteres Fiat, das in sich die schöpferische Macht einschließt. Ich will das Fiat, das in jedem Augenblick ersteht, das sich in allen vervielfältigt; Ich wünsche, dass in einer Seele mein eigenes Fiat bis zu meinem Thron aufsteigt, und mit seiner schöpferischen Kraft der Erde das Leben des Fiat „wie im Himmel so auf Erden“ bringt.
Überrascht und vernichtet, als ich das hörte, sagte ich: „Jesus, was sagst Du? Du weißt doch, wie schlecht und unfähig ich zu allem bin.“
Und Er: „Meine Tochter, gewöhnlich wähle Ich die am meisten verachteten, die unfähigsten und ärmsten Seelen für meine größten Werke aus. An meiner Mutter selbst war nichts Außergewöhnliches in ihrem äußeren Leben; es gab keine Wunder, keine Zeichen, die sie von den anderen Frauen unterschieden hätten. Ihr einziges Unterscheidungsmerkmal war ihre vollkommene Tugend, auf die fast niemand achtete.
Und wenn Ich anderen Heiligen als Besonderheit die Wundergabe verlieh, und wieder anderen meine Wundmale einprägte – meiner Mutter nichts, gar nichts. Und doch war sie das Wunder aller Wunder, die wahre und vollkommene Gekreuzigte, niemand anderer ist ihr ähnlich.
Ich mache es für gewöhnlich wie ein Herr, der zwei Diener hat: der eine gleicht einem Riesen, ist kräftig, fähig zu allem; der andere ist klein, niedrig, untüchtig. Es scheint, dass er nichts versteht und keinen bedeutenden Dienst ausführen kann: wenn der Herr ihn anstellt, dann mehr aus Erbarmen und auch zum Spaß.
Wenn nun der Herr einen Millionen- oder Milliardenbetrag in eine andere Stadt schicken soll, was tut er? Er ruft den kleinen, unfähigen herbei, vertraut ihm die große Summe an und sagt sich: ‚Wenn ich sie dem Riesen anvertraue, so werden alle auf ihn aufmerksam.
Diebe werden ihn überfallen, können ihn ausrauben, und wenn er sich mit seinen Herkuleskräften zur Wehr setzt, könnte er verletzt werden. Ich weiß, dass er tapfer ist, aber ich will ihn verschonen, ich will ihn nicht der offensichtlichen Gefahr aussetzen. Niemand wird hingegen auf diesen Geringen achten, von dem man weiß, dass er untüchtig ist. Niemand wird vermuten können, dass ich ihm eine so bedeutende Summe anvertrauen könnte, und er wird heil und gesund zurückkehren.‘
Der arme, unfähige wundert sich, dass der Herr ihm dies anvertraut, während er sich des Riesen bedienen könnte. Und zitternd und voll Demut wird er die große Summe zustellen, ohne dass jemand sich herabgelassen hätte, ihn auch nur anzusehen; und gesund und heil wird er zu seinem Herrn zurückkehren, noch zitternder und demütiger als zuvor.
So handle Ich. Je größer das Werk ist, das Ich ausführen will, umso eher wähle Ich niedrige, arme und unwissende Seelen ohne jegliche äußere Erscheinung, die sie exponieren, auf sie hindeuten könnte. Das Niedrig- und Unbeachtetsein ist ein sicherer Schutz für mein Werk. Die Räuber des Eigendünkels und der Eigenliebe werden ihr keine Aufmerksamkeit widmen, da sie ihre Unfähigkeit kennt.
Und die Seele führt demütig und zitternd den Auftrag aus, den Ich ihr anvertraut habe, wohl wissend, dass nicht sie, sondern Ich alles in ihr vollbracht habe.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 17. Januar 1921)
„Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28)
… “Meine teure Tochter, heute erwarte ich dich mehr denn je; mein Mutterherz ist voll und ich fühle das Bedürfnis, die brennende Liebe meines Herzens bei meiner Tochter auszuschütten und dir zu sagen, dass ich Mutter Jesu bin. Meine Freuden sind unermesslich; Meere von Glückseligkeit überfluten mich; ich kann sagen: Ich bin die Mutter Jesu; seine Kreatur und seine Magd. Und das verdanke ich allein dem FIAT. Es machte mich voll der Gnaden und bereitete meinem Schöpfer die würdige Wohnung. Dem Höchsten FIAT sei immer Ruhm, Ehre und Dank. Höre mich, Tochter meines Herzens; kaum wurde durch die Macht des Höchsten FIAT die kleine Menschheit Jesu in meinem Schoß gebildet, nahm die Sonne des Ewigen Wortes Fleisch in Ihr an. Ich besaß meinen Himmel, vom FIAT gebildet, ganz von funkelnden Sternen übersät, die Freuden, Glückseligkeiten, und Harmonien von göttlicher Schönheit ausstrahlten.
In diesen Himmel kam die Sonne des Ewigen Wortes, blitzend in unzugänglichem Licht, ihren Platz einzunehmen, verborgen in seiner kleinen Menschheit, die ihn nicht umfassen konnte. Das Zentrum der Sonne war in seiner Menschheit, aber das Licht der Sonne strömte über und Himmel und Erde umfangend, gelangte es zu jedem Herzen und mit seinen Lichtstrahlen bestrahlte es jede Kreatur und sagte: „Meine Kinder, öffnet euch, schenkt mir den Platz in euren Herzen; ich bin vom Himmel herabgekommen, um in jedem von euch mein Leben heranzubilden; meine Mutter ist das Zentrum, wo ich wohne, und alle meine Kinder sind der Umkreis, wo ich so viele Meiner Leben bilden will, wie es Kinder gibt.“ Und das Licht strahlte neuerdings ohne Unterlass, und die kleine Menschheit Jesu zitterte, weinte, schmachtete, und in diesem Licht, das alle Herzen erreichte, ließ er seinen Tränen, seinen Seufzern und seinen Liebesqualen und Schmerzen freien Lauf.
Du sollst wissen, dass für deine Mutter ein neues Leben begann. Ich war mit all dem vertraut, was mein Sohn tat; ich sah ihn verzehrt von Meeren gewaltiger Liebesflammen; jeder seiner Herzschläge, Atemzüge und Leiden waren Meere von Liebe, mit denen er alle Kreaturen miteinbezog, um sie durch die Kraft der Liebe und des Schmerzes sein zu machen. Du sollst wissen, als seine kleine Menschheit empfangen wurde, wurden auch alle seine Schmerzen, die er bis ans Ende seines Lebens zu erleiden hatte, empfangen. Darin waren alle Leiden, die von den Seelen kommen, enthalten, denn als Gott konnte ihm nichts entgehen; seine Unendlichkeit umfasste alle Kreaturen, seine alles umfassende Weisheit ließ sie ihm alle gegenwärtig sein. Mein Jesus, mein Sohn fühlte die Last und Bürde aller Sünden jeder einzelnen Kreatur.
Ich, deine Mutter, folgte ihm in allem und spürte in meinem Mutterherzen die neue Erzeugung der Leiden meines Jesus und die neue Generation aller Seelen, die ich als Mutter gemeinsam mit Jesus zum neuen Leben, zur Gnade, zum Licht zeugen sollte, das mein lieber Sohn auf die Erde gebracht hatte. Wisse, meine Tochter, dass ich dich seit meiner Empfängnis als Mutter liebte, dich in meinem Herzen trug, und vor Liebe zu dir brannte, aber ich wusste nicht den Grund dafür. Das Göttliche FIAT ließ mich handeln, hielt jedoch das Geheimnis verborgen. Aber kaum, dass er Fleisch geworden war, enthüllte Es mir das Geheimnis und dann verstand ich die Fruchtbarkeit meiner Mutterschaft; ich sollte nicht allein Mutter Jesu sein, sondern Mutter aller, und diese Mutterschaft sollte aus dem Glutofen des Schmerzes und der Liebe gebildet werden. Meine Tochter, wie sehr habe ich dich geliebt und liebe dich!
Jetzt verstehst du, mit welcher Macht eine Kreatur ausgestattet werden kann, die den Göttlichen Willen nicht daran hindert, frei sein wirkendes Leben in ihr zu verwirklichen. Dieses FIAT, das in seiner Wesenheit die erschaffende Kraft besitzt, schafft in der Kreatur alle Güter, macht sie fruchtbar und verleiht ihr die Mutterschaft über alle, über alle Güter und über Den, der sie erschaffen hat. Mutterschaft bedeutet wahre Liebe, heldenhafte Liebe, Liebe, die freudig ihr Leben dem schenkt, den sie gezeugt hat; wenn dies nicht zutrifft, ist das Wort Mutterschaft unfruchtbar, ist leer, es reduziert sich zu einem Wort ohne Taten. Wenn du die Erzeugung aller Güter willst, mache, dass das FIAT in dir das wirkende Leben werde; es wird dir die Mutterschaft verleihen, du wirst alles mit mütterlicher Liebe lieben, und ich, deine Mutter, werde dich die Art lehren, wie diese heilige und göttliche Mutterschaft fruchtbar zu machen.“ (aus „Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta: 20. Tag)
„Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden“ (Lk 1, 30)
… Ich meditierte weiter über den Höchsten Willen und dachte mir: „Wie kann es doch sein, dass ich von mir allein aus, diesem so kleinen, bedeutungslosen Wesen, die ich zu nichts nütze bin und weder Würde noch Autorität noch eine höhere Stellung besitze, sodass ich mich vielleicht durchsetzen könnte – mich ausbreiten und sprechen kann, um diese Sonne des Göttlichen Willens bekannt zu machen und so die Kinder seiner Generation bilden könne?“
Da unterbrach mein süßer Jesus meine Gedanken, trat aus meinem Inneren heraus und sagte zu mir: „Meine Tochter, es ist meine Angewohnheit, meine größten Werke zuerst auf du und du, in der Vertrautheit mit einer einzigen Seele, zu wirken.
Tatsächlich war meine Mutter [nur] eine, und mit Ihr allein führte Ich das ganze Werk und das große Wunder meiner Inkarnation aus. Niemand drang in unsere Geheimnisse ein, noch drangen sie in das Heiligtum unserer Wohnungen ein, um zu sehen, was zwischen Mir und der Himmlischen Herrin vorging.
Auch hatte Sie in der Welt weder eine hohe Stellung noch Autorität inne, denn Ich nehme bei meiner Auswahl nie auf Würde und höheren Rang Rücksicht, sondern Ich sehe auf das kleine Individuum, in dem Ich meinem Willen ins Angesicht sehen kann, der die größte Würde und Autorität ist.
Obwohl Sie keine Stellung noch Würde noch Überlegenheit in der Welt hier unten hatte, hingen von der Erhabenheit des kleinen jungen Mädchens von Nazareth, das meinen Willen besaß, Himmel und Erde ab.
In ihren Händen lag das Schicksal des Menschengeschlechts, lag das Los meiner ganzen Herrlichkeit, die Ich von der gesamten Schöpfung empfangen sollte. So genügte es, dass das Geheimnis der Inkarnation in der Einen, meiner Auserwählten, gebildet werde, damit die anderen das Gut der Erlösung empfangen konnten.
Eine war meine Menschheit, und aus ihr ging die Generation der Erlösten hervor. Daher genügt es, in einem Geschöpf das gesamte Gut zu bilden, das benötigt wird, um die Generation aus diesem Gut hervortreten zu lassen, wie ein Same genügt, um die Generation dieses Samens abertausendmal vervielfältigen zu können.
Darum liegt die ganze Macht, die Kraft, die Fähigkeit, die für eine schöpferische Kraft erforderlich ist, in der Bildung des ersten Samens.
Ist der erste gebildet, ist er wie die Hefe, um weitere Generationen zu bilden. So genügt Mir eine einzige Seele, damit Ich in ihr, wenn sie Mir die absolute Freiheit gibt, das Gut einschließe, das Ich will, und in ihr die Sonne des Höchsten FIAT bilde.
Diese Sonne wird mit ihren Strahlen auf die Oberfläche der Erde treffen und die Generation der Söhne und Töchter meines Willens heranbilden.
Nun musst du wissen, dass alle unsere größten Werke in sich das Abbild der göttlichen Einheit tragen, und je mehr Gutes zu tun sie bestimmt sind, umso mehr Gutes schließen sie von dieser höchsten Einheit ein.
Siehst du, auch in der Schöpfung gibt es Gleichnisse dieser göttlichen Einheit, die, während es einzigartige Werke sind, so viel Gutes tun, wie es die ganze Vielfalt unserer anderen Werke zusammen nicht vollbringt.
Schau auf das Firmament, die Sonne ist eine, doch wie viele Güter enthält sie nicht? Wie viel Gutes bringt sie nicht der Erde? Man kann sagen, dass das Leben der Erde von der Sonne abhängt: während sie eine ist, umschließt sie mit ihrem Licht alle und alles, trägt alles in ihrem Schoß aus Licht und gibt jedem einen bestimmten Akt.
Je nach den verschiedenen Dingen, die sie erfüllt, teilt sie die Fruchtbarkeit mit, die Entfaltung, die Farbe, die Süßigkeit, die Schönheit. Dennoch ist die Sonne eine, während die Sterne viele sind, doch bewirken sie nicht so viel Gutes, wie es die Sonne der Erde erweist, obwohl sie [nur] eine ist.
Die Macht eines einzigen, von der schöpferischen Macht belebten Aktes, ist unbegreiflich. Es gibt kein Gut, das nicht aus diesem hervorgehen könnte.
Er kann das Angesicht der Erde verwandeln – von trockener, wüster Erde in einen blühenden Frühling. Der Himmel ist einer, und deshalb dehnt er sich überall aus.
Das Wasser ist eines, und obwohl es an verschiedenen Orten der Erde verteilt zu sein scheint, indem es Meere, Seen, Flüsse bildet, kommt es doch beim Herabsteigen vom Himmel in einer einzigen Form herunter, und es gibt keinen Ort auf der Erde, wo kein Wasser ist.
So sind die von Uns erschaffenen Dinge, die in sich das Abbild der göttlichen Einheit tragen, jene, die am meisten Gutes tun, es sind die notwendigsten, und ohne sie könnte die Erde kein Leben haben.
Glaube daher nicht, meine Tochter, dass du allein bist, es ist die Einheit eines großen Werkes, das Ich in dir entfalten muss, oder dass du keine äußere Würde und Autorität hast – das besagt nichts.
Mein Wille ist mehr als alles. Sein Licht scheint stumm zu sein, doch in seinem Schweigen erfüllt Er den Verstand der Menschen und lässt sie so beredt sprechen, dass Er die Gelehrtesten verwirrt und zum Schweigen bringt.
Das Licht spricht nicht, aber ermöglicht einen zu sehen, es macht die verborgensten Dinge bekannt. Das Licht spricht nicht, doch mit seiner milden und süßen Wärme erwärmt es, erweicht die härtesten Dinge, die verstocktesten Herzen.
Das Licht enthält keinen Samen, keinerlei Materie, alles ist rein in ihm, man sieht nichts anderes als eine Welle von strahlendem, silbrigem Licht, doch es versteht, derart einzudringen, dass es bewirkt, dass die unfruchtbarsten Dinge generieren, sich entwickeln und fruchtbar werden.
Wer kann der Kraft des Lichtes widerstehen? Niemand. Auch die Blinden – wenn sie es nicht sehen, so fühlen sie doch seine Wärme. Die Stummen und die Tauben fühlen und empfangen das Gut des Lichtes.
Nun, wer kann dem Licht meines ewigen FIAT widerstehen? Alle seine Kenntnisse werden mehr sein als die Strahlen des Lichtes meines Willens, welche die Erdoberfläche treffen, und in die Herzen eindringend werden sie das Gut bringen, welches das Licht meines Willens enthält und zu geben versteht.
Doch diese Strahlen müssen ihre eigene Sphäre haben, von der sie ausgehen, sie müssen in einem einzigen Punkt konzentriert sein, von dem sie zutage treten, um das Morgenrot, den Tag, den Mittag und den Sonnenuntergang in den Herzen zu bilden, um von neuem aufzugehen.
So bist du die Sphäre, dieser eine Punkt. Die in ihm konzentrierten Strahlen sind meine Kenntnisse, welche der Generation der Kinder des Reiches meines Willens die Fruchtbarkeit verleihen werden.
Deshalb rate Ich dir stets, aufmerksam zu sein, damit keine von meinen Kenntnissen verloren geht, sonst würdest du einen Strahl aus dem Inneren deiner Sphäre verloren gehen lassen, und du kannst nicht einmal alle Schätze begreifen, die er enthält.
Jeder Strahl enthält nämlich eine spezielle Wohltat, die er den Kindern meines Willens erweisen soll. Du würdest Mich der Glorie dieses Gutes für meine Kinder und auch dich selbst der Herrlichkeit berauben, einen weiteren Lichtstrahl aus deiner Sphäre zu verbreiten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 22. Dezember 1926)
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… „Kleine Tochter meines Willens, wisse dies: wenn Ich eine Wohltat oder Wahrheit offenbare, ist dies das sicherste Zeichen, dass Ich diese Wohltat oder eine meiner Wahrheiten dem Geschöpf zu Eigen geben möchte.
Sonst wäre dies eine Täuschung und Irreführung von meiner Seite, und die Seele würde in tausend nutzlosen Wünschen ihre Zeit verschwenden, ohne die Wohltat zu besitzen, die Ich ihr gezeigt habe.
Ich kann aber niemanden täuschen oder nutzlose Dinge tun, sondern Ich beschließe zuerst, dieses Gut zu gewähren und dann gebe Ich dessen Wesen kund. Während Ich dieses Gut bekanntgebe, säe Ich schon den Samen auf den Grund der Seele, damit sie beginnt, den Keim des neuen Lebens jener Wohltat wahrzunehmen, die Ich ihr gezeigt habe.
Meine weiteren Offenbarungen an die Seele sollen den Samen keimen lassen, ihn benetzen und bewässern, damit sich das volle Leben der Gabe herausbildet, die Ich ihr schenken will.
Und das Zeichen, dass die Seele das neue Leben der Gabe angenommen und geschätzt hat, die Ich ihr schenken will, ist meine fortgesetzte Mitteilung der verschiedenen Eigenschaften, der schönen Vorrechte und des unermesslichen Wertes meiner Gabe.
Erst wenn Ich Mich versichert habe, dass sie schon das ganze, volle Leben der Gabe besitzt, die Ich ihr verleihen wollte, verkünde Ich ihr meine Absichten, sowie die Arbeit, die Ich in ihr ausgeführt habe und die Gabe, die sie schon besitzt.
Meine Weisheit ist unendlich, meine liebevolle Betriebsamkeit ohne Zahl. Zuerst schaffe Ich die Fakten und dann spreche Ich, um die Seele mit meinen Worten zu belehren, wie sie das Gut empfangen, bewahren und gebrauchen soll, das Ich ihr geschenkt und bekanntgemacht habe.
Etwas Gutes zu geben, ohne es bekanntzumachen ist so, als wollte man Toten etwas zu essen geben; Ich aber hatte es nie mit Toten zu tun, sondern mit Lebenden. Es bekanntzumachen und dann nicht zu geben, wäre ein Scherz und ist nicht die Art unserer Göttlichen Natur.
Meine Offenbarung so vieler Wahrheiten über meinen Göttlichen Willen an dich zeigt daher, dass Ich dir die Gabe seines in dir wirkenden Lebens schenken möchte, sonst hätte Ich dir nie so viel über Ihn mitgeteilt.
Meine bloßen Worte sind [bereits] Boten, Träger und Verwahrer der großen Gabe meines Göttlichen Willens – nicht nur für dich, sondern für die ganze Welt.
Sei daher achtsam, damit mein Same in dir zu Erde werde, bis er sich in [deine] Natur verwandelt, dann wirst du faktisch die wunderbare Herrschaft meines Willens in deiner Seele wahrnehmen. Handelte Ich nicht tatsächlich so auch an meiner Himmlischen Mutter?
Zuerst bildetet Ich Sie heran, bereitete Sie vor, stattete Sie aus, bereitete den Platz und breitete meinen Himmel in der Tiefe ihrer Seele aus. Ich ließ Sie viele Dinge wissen und machte Ihr dabei diese Dinge zugleich zum Geschenk.
Mutter und Sohn, Wir schufen sozusagen zuerst die Fakten. Als dann der Heiligkeit und Würde des neuen Himmels, den Ich auf Erden bewohnen sollte, nichts [mehr] fehlte, verkündete Ich Ihr das Geheimnis, dass Ich Sie bereits zu meiner Mutter erwählt hatte. Als Ich Ihr das Geheimnis offenbarte, fühlte Sie sich als Mutter ihres Schöpfers.
Du siehst also, dass Ich unbedingt meine Pläne mit dem Geschöpf mitteilen soll, damit Gott und die Seele dasselbe wollen; sogar meine Menschwerdung geschah nicht früher, sondern [erst] im selben Akt, als Sie wusste, dass Ich Sie schon als meine Mutter wünschte – dann willigte Sie in diese Rolle ein.
Daher braucht es große Aufmerksamkeit, wenn Ich ein Gut offenbare, das Ich den Menschen gewähren will: sie wissen nicht, wo meine Absichten hinzielen. Ich lege am Beginn nicht alles offen, sondern manifestiere und wirke schrittweise, um zum gewünschten Punkt zu kommen.
Ist der Mensch nicht aufmerksam und folgt er Mir nicht, könnte er auf halbem Weg stehenbleiben und Mir den Kummer bereiten, dass Ich meine Gaben nicht ausspenden und meine Pläne nicht vollenden kann.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 14. Mai 1933)
„Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben“ (Lk 1,31)
… „Geliebte Tochter meines Willens, wisse dies: wenn Ich große Werke tun will, an denen die ganze Menschheitsfamilie Anteil erhalten soll – immer vorausgesetzt, sie will es – ist es meine Gewohnheit, in einem einzigen Geschöpf alle Güter und Gaben zu konzentrieren, die dieses Werk einschließt, damit alle anderen wie aus einer Quelle so viel von diesen Schätzen schöpfen können, wie sie wollen.
Wenn Ich individuelle Werke vollbringe, gebe Ich begrenzte Dinge, wenn Ich indessen Werke tue, die dem allgemeinen Wohl dienen sollen, schenke Ich ohne Begrenzung, wie Ich es beim Erlösungswerk tat: Um eine Seele [so hoch] zu erheben, dass sie einen Menschen und Gott empfangen könne, musste Ich in ihr alle möglichen und vorstellbaren Güter konzentrieren und sie so hoch erheben, dass Ich den Samen der Väterlichen Fruchtbarkeit selbst in sie hineinlegen konnte; und wie mein Vater im Himmel, als Jungfräulicher, Mich in seinem Schoß mit dem jungfräulichen Samen seiner ewigen Fruchtbarkeit ohne Mitwirkung einer Frau zeugte, und aus demselben Samen der Heilige Geist hervorging, so empfing meine Himmlische Mutter mit diesem ewigen, ganz jungfräulichen Samen der väterlichen Fruchtbarkeit Mich in ihrem jungfräulichen Schoß, ohne Wirken eines Mannes.
Die Heiligste Dreifaltigkeit musste dieser göttlichen Jungfrau von dem Ihren geben, damit sie Mich, den Sohn Gottes empfangen könne. Meine Heilige Mutter hätte Mich nie empfangen können, weil sie keinen Samen hatte.
Da sie nun aus dem menschlichen Stamm war, verlieh ihr dieser Same der ewigen Fruchtbarkeit die Kraft, Mich als Menschen zu empfangen, und da dieser Same göttlich war, empfing sie Mich zugleich als Gott.
Und wie, als der Vater Mich zeugte, zur selben Zeit der Heilige Geist hervorging, so ging, als Ich im Schoß meiner Mutter gezeugt wurde, zugleich die Generation der Seelen hervor, sodass alles, was ab aeterno in der Heiligsten Dreifaltigkeit im Himmel geschah, sich im Schoß meiner teuren Mutter wiederholt.
Das Werk war überaus erhaben und unbegreiflich für einen geschaffenen Geist. Es musste alle Güter und auch Mich selbst [in sich] konzentrieren, damit alle das finden könnten, was sie wollten; da also das Erlösungswerk so groß sein sollte, dass es alle Generationen überwältigt, wünschte Ich so viele Jahrhunderte lang die Gebete, Seufzer, Tränen und Bußübungen der vielen Patriarchen und Propheten und des ganzen Volkes des Alten Testaments – und zwar um sie für den Empfang eines so großen Gutes zu disponieren und Mich zu bewegen, in diesem himmlischen Geschöpf alle Güter zu konzentrieren, die allen zum Nutzen gereichen sollten. Nun, was trieb dieses Volk zu Gebeten, Tränen usw. an?
Die Verheißung des zukünftigen Messias! Diese Verheißung war wie der Same aus so vielen Flehrufen und Tränen, sodass ohne diese Verheißung niemand an die Rettung gedacht noch auf sie gehofft hätte…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 15; 14. April 1923)
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Die Seele zu ihrer himmlischen Mutter: Heilige Mama, nun bin ich wieder auf deinen Knien; ich bin deine Tochter, die von deinem süßen Wort genährt werden will, das mir den Balsam bringt, um die Wunden meines armseligen menschlichen Willens zu heilen.
Sprich zu mir, meine Mama; deine machtvollen Worte mögen in mein Herz eindringen um dort eine neue Schöpfung zu bilden, und den Samen des Göttlichen Willens in meiner Seele zu formen.
Lektion der erhabenen Königin: Liebste Tochter, das ist das Ziel; ich liebe es sehr, dich in die himmlischen Mysterien des Göttlichen FIAT einzuweihen, und dich die Wunder begreifen zu lassen, die es wirken kann, wo der Göttliche Wille uneingeschränkt regiert, und das große Unheil des menschlichen Willens, damit du das Göttliche FIAT lieben kannst und ihm erlaubst, seinen Thron in dir zu bilden und du das menschliche Wollen verabscheust, um aus deinem Willen den Schemel des Göttlichen Willens zu machen, und ihn zu Füßen des Göttlichen Willens geopfert hältst.
Höre, meine Tochter; ich setzte mein Leben in Nazareth fort und das Göttliche FIAT breitete sein Reich immer mehr in mir aus und bediente sich meiner kleinsten Handlungen, auch der demütigsten, wie: Aufräumen im kleinen Häuschen, Feuermachen, Kehren, und alle Dienstleistungen, die in einer Familie nötig sind, um mich sein pochendes Leben im Feuer, im Wasser, in der Nahrung, in der Luft, die ich atmete, in allem, spüren zu lassen; der Göttliche Wille bildete über meinen kleinen Akten Meere von Licht, von Gnaden und von Heiligkeit.
Wo der Göttliche Wille regiert, da formt er in seiner Macht, angefangen von den kleinsten Nichts, neue Himmel von bezaubernder Schönheit; denn da er unendlich ist, macht er keine kleinen Sachen, und verleiht mit seiner Macht Wert dem Nichtigsten; indem er die größten Dinge bildet, verblüfft er Himmel und Erde.
Alles ist heilig, alles ist von unendlicher Würde für den, der im Göttlichen Willen lebt. Tochter meines Herzens, schenke mir Aufmerksamkeit und höre auf mich. Viele Tage, bevor das Wort auf die Erde kam, sah ich den Himmel offen und die Sonne des Göttlichen Wortes an seinen Pforten, als ob Es Ausschau hielte und nach der glücklichen Kreatur spähte, die ihren Schöpfer beherbergen sollte!
Die Allerheiligste Dreifaltigkeit betrachtete die Erde nicht mehr als fremd; denn dort war die kleine Maria, die den Göttlichen Willen besaß und das Reich Gottes gebildet hatte, wo das Wort unbehelligt herabsteigen konnte, als ob es sein eigener Wohnsitz wäre, in dem Es den Himmel finden würde und die vielen Sonnen, die von meiner Seele durch die vielen Akte im Göttlichen Willen geformt waren.
Die Gottheit strömte über vor Liebe, und indem sie den Mantel der Gerechtigkeit ablegte, den sie seit vielen Jahrhunderten gegen die Kreatur gerichtet hatte und sich mit dem Mantel der unendlichen Barmherzigkeit bedeckte, beschloss die Dreifaltigkeit das Kommen des Wortes, indem sie die Stunde der Erfüllung ankündigte.
Bei diesem Klang staunten Himmel und Erde auf und verblieben in freudiger Erwartung, um Zuseher einer überaus großen Torheit der Liebe und eines unglaublichen Wunders zu sein.
Deine Mama fühlte sich von Liebe entzündet, und als Echo auf die Liebe meines Schöpfers wollte ich ein einziges Meer der Liebe bilden, damit das Wort in ihm auf die Erde heruntersteige.
Meine Gebete waren unaufhörlich, und während ich in meinem Kämmerlein betete, kam ein Engel, vom Himmel gesandt als Bote des großen Königs; er stellte sich mir vor, und sich verbeugend grüßte er mich: Ave, o Maria, unsere Königin; das Göttliche FIAT hat dich mit Gnade erfüllt.
Das FIAT hat sich schon geäußert, dass Es herabkommen will, Es ist schon hinter meinen Schultern; aber Es braucht dein FIAT, um die Erfüllung seines FIAT bilden zu können.“ Bei einer so erhabenen Verkündigung, die ich so ersehnt hatte, wenn ich auch nie dachte, die Auserwählte zu sein, wunderte ich mich und zögerte einen Augenblick; der Engel des Herrn sagte zu mir: „Fürchte dich nicht, unsere Königin, du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du hast deinen Schöpfer besiegt, und um deinen Sieg zu vollenden, sprich dein FIAT aus.“ ich sprach das Fiat aus. O welch ein Wunder! Die zwei FIAT verschmolzen miteinander und das Göttliche Wort stieg in mich herab.
Mein FIAT, das durch denselben Wert des Göttlichen FIAT aufgewertet war, formte aus dem Keim meiner Menschheit die kleine Menschheit, die das Wort einschließen sollte, und so erfüllte sich das große Wunder der Menschwerdung.
O Macht des Höchsten FIAT! Du hast mich so hoch erhoben, mich fähig zu machen, um in mir jene Menschheit zu erschaffen, die das Ewige Wort einschließen sollte, Das Himmel und Erde nicht fassen konnten!
Die Himmel wurden erschüttert, und die ganze Schöpfung war im Festtaumel und jauchzte vor Freude um das Häuschen von Nazareth, um dem menschgewordenen Schöpfer zu huldigen; in ihrer stummen Sprache sagten sie: „O Wunder der Wunder, das nur ein Gott wirken kann!
Die Unermesslichkeit hat sich klein gemacht, die Allmacht hat sich machtlos gemacht, seine unerreichbare Größe hat sich erniedrigt bis in die Tiefe des Schoßes einer Jungfrau, und Gott blieb unendlich und klein, mächtig und machtlos, stark und schwach!“
Meine liebe Tochter, du kannst nicht begreifen, was deine Mutter im Augenblick der Fleischwerdung des Wortes empfand; alle priesen mich und erwarteten mein – ich könnte sagen – allmächtiges Fiat.
Meine Tochter, höre mich, wie sehr muss es dir am Herzen liegen, den Göttlichen Willen zu tun und in ihm zu leben.
Meine Macht besteht immer noch: Lass mich mein FIAT in deiner Seele aussprechen; um das zu tun, will ich dein FIAT, alleine kann man das wahre Gute nicht tun; immer braucht es zwei, um große Werke zu tun.
Gott selbst wollte nichts alleine tun, sondern wollte gemeinsam mit mir das große Wunder der Menschwerdung bilden.
In meinem FIAT und in seinem formte sich das Leben des Gottmenschen und das Los des Menschengeschlechtes wurde wiederhergestellt, der Himmel war nicht mehr verschlossen: Alle Güter wurden inmitten der zwei FIAT eingeschlossen.
Deshalb verkünden wir sie gemeinsam: „FIAT! FIAT!“, und meine mütterliche Liebe wird in dir das Leben des Göttlichen Willens einschließen. Jetzt ist es genug; morgen erwarte ich dich von Neuem, um dir Weiteres über die Menschwerdung zu erzählen.
Die Seele: Meine schöne Mama, ich staune über deine schönen Lehren. Ach, ich bitte dich, sprich dein FIAT über mich aus, und ich spreche das meine, damit jenes Fiat in mir empfangen werden kann, dessen Leben du so sehnsüchtig in mir herrschen sehen willst.
Tagesaufopferung: Um mich heute zu ehren, wirst du Jesus den ersten Kuss geben und ihm neunmal sagen, dass du seinen Willen tun willst, und ich werde das Wunder wiederholen, dass Jesus in deiner Seele empfangen wird.
Stoßgebet: Mächtige Königin, sprich dein Fiat aus und erschaffe in mir den Willen Gottes. (aus „Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta: 19. Tag)
„Maria sagte zu dem Engel: ‚Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?‘ “ (Lk 1, 34)
… „Meine liebste Tochter, o wie sehne ich mich danach, meine Geheimnisse meiner Tochter anzuvertrauen, Geheimnisse, die mir soviel Ruhm geben und jenes Göttliche FIAT verherrlichen werden, das die erste Ursache meiner Unbefleckten Empfängnis, meiner Heiligkeit, Herrscherwürde und Mutterschaft war; alles verdanke ich dem Göttlichen FIAT; ich kenne nichts anderes.
Alle meine erhabenen Vorrechte, mit denen die Heilige Kirche mich ehrt, sind nichts anderes als die Auswirkungen jenes Göttlichen Willens, der mich beherrschte, mich regierte und in mir lebte.
Deshalb seufze ich so sehr danach, dass man jenen kennt, der in mir so viele Privilegien und wunderbare Wirkungen hervorgebracht hat, um Himmel und Erde in Erstaunen zu setzen.
Nun höre mich an, liebe Tochter: Als der Allerhöchste meinen menschlichen Willen von mir verlangte, begriff ich das große Übel, das der menschliche Wille im Geschöpf anrichten kann, und wie er alles gefährdet, auch die schönsten Werke des Schöpfers.
Die Kreatur mit ihrem menschlichen Willen ist schwankend, schwach, unbeständig, ungeordnet. Als Gott sie schuf, hat er sie von Natur aus in Einheit mit seinem Göttlichen Willen erschaffen, der die Kraft, der erste Antrieb, die Stütze, die Nahrung und das Leben des menschlichen Willens sein sollte.
Wenn wir dem Göttlichen Willen kein Leben in unserem Willen gewähren, weisen wir die Güter zurück, die wir von Gott in der Schöpfung empfangen haben, und die Rechte, die wir von Natur aus im Augenblick unserer Erschaffung empfangen haben.
O! Als ich die schwere Beleidigung, die man Gott zufügt, verstand, und die Übel, die sich über die Kreatur ergießen, hatte ich eine solch große Abscheu und Angst, meinen Willen zu tun, den ich gerechterweise fürchtete, denn Adam, der von Gott unschuldig erschaffen worden war, hatte durch seinen Eigenwillen über sich und über alle Generationen alle Übel heraufbeschworen.
Ich, deine Mutter, schwor also, ergriffen von Schrecken und noch mehr von Liebe zu meinem Schöpfer, nie meinen Willen zu tun; um sicherer zu sein und noch stärker meine Opfergesinnung gegenüber dem zu bezeugen, der mich mit so vielen Meeren von Gnaden und Privilegien überhäuft hatte, nahm ich meinen menschlichen Willen und band ihn an den Füßen des Göttlichen Thrones, zur ständigen Huldigung der Liebe und der Opferbereitschaft, und schwor, nicht für einen Augenblick meines Lebens, meinen Willen zu gebrauchen, sondern immer den Göttlichen.
Meine Tochter, vielleicht scheint dir mein Opfer, ohne meinen Willen zu leben, nicht groß; ich sage dir aber, dass es kein ähnliches Opfer gibt wie meines, ja alle anderen Opfer der Weltgeschichte sind nur Schatten im Vergleich zu meinem; sich einen Tag aufzuopfern, einmal Ja und einmal Nein, ist leicht; sich jeden Moment aufzuopfern, in jedem Akt, im Guten, das man das ganze Leben hindurch machen will, ohne je den eigenen Willen aufkommen zu lassen, ist das Opfer der Opfer; das ist das größte Zeugnis und die reinste Liebe, vom Göttlichen Willen selbst durchdrungen, die unserem Schöpfer angeboten werden kann.
Dieses Opfer ist so groß, dass Gott nicht mehr von der Kreatur verlangen kann, noch könnte sie etwas finden, was ihr mehr Möglichkeit gäbe, sich für ihren Schöpfer zu opfern.
Meine liebste Tochter, als ich meinem Schöpfer das Geschenk meines Willens darbrachte, fühlte ich mich als Siegerin in der von mir gewollten Prüfung, und Gott fühlte sich als Sieger in meinem menschlichen Willen. Gott erwartete meine Prüfung, d.h. er wollte eine Seele, die ohne Willen lebte, um die Lage des menschlichen Geschlechts wieder in die rechte Bahn zu bringen und sich zur Milde und Barmherzigkeit bewegen zu lassen“. (aus „Die Königin des Himmels im Reich des Göttlichen Willens; 5. Tag)
„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38)
… „Das erste Ja in meinem Fiat habe Ich von meiner teuren Mutter verlangt. Und oh, welche Macht ihres Fiat in meinem Willen: Sobald sich das göttliche Fiat und das Fiat meiner Mutter begegnet sind, wurden sie zu einem einzigen; mein Fiat erhob sie, vergöttlichte sie, überschattete sie, und ohne menschliches Zutun empfing sie Mich, den Sohn Gottes.
Nur in meinem Fiat konnte sie Mich empfangen. Mein Fiat verlieh ihr die Unermesslichkeit, die Unendlichkeit und Fruchtbarkeit auf göttliche Weise, und daher konnte Ich, der Unermessliche, Ewige, Unendliche in ihr empfangen werden.
Sobald sie „Fiat Mihi“ sagte, nahm sie nicht nur Besitz von Mir, sondern verbarg [mit Mir] zusammen alle Geschöpfe [in sich], alle geschaffenen Dinge; sie fühlte alles Leben der Geschöpfe in sich, und seit damals begann sie sich als Mutter und Königin aller zu betätigen. Welche Wunder enthält dieses Ja meiner Mutter!
Wenn Ich alle aufzählen wollten, würdest du niemals mit dem Zuhören fertig werden…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 10. Januar 1921)


