18In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. 19Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. 20Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
21Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben! 22Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!

„Der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8, 20)

Während ich meinen Rundgang im Göttlichen Willen fortsetze, ergießt sich seine sanfte Herrschaft, seine unwiderstehliche Kraft, seine Liebe und sein unauslöschliches Licht über meine Kleinheit, die wie hingerissen im Meer des Göttlichen Willens ist. Welch süße Überraschungen, seine stets neuen Weisen, seine entzückende Schönheit und Unermesslichkeit, die alle und alles gleichsam in seinem Schoß trägt! Doch was noch mehr berührt, ist seine Liebe zum Menschen: Er scheint ganz Auge, ihn anzusehen, ganz Herz, ihn zu lieben, ganz Hand und Fuß, ihn an seine Brust zu drücken und ihm die Schritte zu verleihen.
O, wie sehnt Er sich danach, dem Geschöpf sein Leben zu geben, damit es vom Leben meines Willens lebe. Er scheint danach zu schmachten, Er hat sich gleichsam dazu verpflichtet, es ist wie ein Sieg, den Er um jeden Preis erringen will: dass sein Leben das Leben der Seele heranbilde. So ging mein Geist in diesem Schauspiel der Liebe des Göttlichen Willens auf, und mein guter Jesus sprach voller Zärtlichkeit zu mir:
„Meine Tochter, der Mensch büßte mit dem Tun des eigenen Willens das Haupt, den göttlichen Verstand, die Regelung und Ordnung seines Schöpfers ein. Da er das Haupt verloren hat, wollten alle Glieder als Kopf handeln, doch weil es nicht Aufgabe der Glieder war, wie das Haupt zur Handlung befähigt zu sein, vermochten sie weder System noch Ordnung untereinander zu wahren. Ein Glied stellte sich gegen das andere, sie wurden untereinander gespalten und blieben ohne die Einheit des Hauptes wie zerstreute Glieder. Doch unser Höchstes Wesen liebte den Menschen. Es schmerze Uns, ihn ohne Haupt zu sehen, und es war auch die größte Schmach für unser Schöpfungswerk. Auch konnten Wir eine solche Zerfleischung in jenem nicht dulden, den Wir so sehr liebten.
So setzte sich unser Göttlicher Wille bei Uns durch, und unsere Liebe besiegte Uns, ließ Mich vom Himmel auf die Erde herabkommen und setzte Mich als Haupt des Menschen ein und vereinte von neuem alle zerstreuten Glieder unter meinem Haupt. Die Glieder aber erwarben das System, die Ordnung, Einheit und den Adel des Hauptes. So waren meine Menschwerdung, Taten und Leiden und selbst mein Tod nichts anderes als Wege, die Ich auf der Suche nach diesen zerstreuten Gliedern beschritt. Ich wollte kraft meines Göttlichen Hauptes Leben, Wärme und Auferstehung in die toten Glieder strömen lassen, um aus allen Menschengeschlechtern unter meinem Göttlichen Haupt einen einzigen Leib zu machen. Wie viel kostete Mich dies! Aber meine Liebe ließ Mich alles überwinden, Mich allen Leiden stellen und über alles triumphieren.
Nun, meine Tochter, du siehst, was es heißt, nicht meinen Willen zu tun: das Haupt zu verwirken, sich von meinem Leib zu trennen und als getrennte Glieder mühsam und tastend hier unten wie Ungeheuer dahin zu wandern, dass es Mitleid erregt. Alles Gute des Menschen ist in meinem Göttlichen Willen konzentriert, Er ist unsere Glorie und die der Menschheit. Daher also unsere Sehnsucht und unser Engagement: Wir möchten mittels Liebe und unerhörter Opfer siegreich sein, damit der Mensch in unserem Willen lebe. Sei also aufmerksam und stelle deinen Jesus zufrieden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 33; 24. Februar 1934)

„Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!“ (Mt 8,22)

… „Meine arme Kleine, was fürchtest du? Mut, Ich bin es, der alles in meiner kleinen Tochter tun wird. Du wirst nichts anderes tun, als Mir treu zu folgen, nicht wahr? Du hast recht, dass du zu klein bist und nichts kannst, doch Ich werde alles in dir tun. Siehst du nicht, wie Ich in dir bin und dass du nichts anderes bist als der Schatten, der Mich bedeckt?
Ich bin es, der in dir die ewigen und endlosen Grenzen meines Willens durchsegeln wird; Ich bin es, der alle Geschlechter umfangen wird, um sie zusammen mit deinem Schatten zu Füßen des Ewigen zu bringen, damit die beiden Willen, der menschliche und der Göttliche, einander küssen und zulächeln mögen und sich nicht mehr wie Fremde betrachten, in Spaltung und Feindschaft, sondern der eine mit dem anderen verschmelze und einen einzigen bilden.
Es ist die Macht deines Jesus, welche dies tun muss, du brauchst nichts anderes tun, als treu zuzustimmen. Ich weiß, Ich weiß, dass du nichts bist und nichts kannst, daher betrübst du dich, doch es ist die Macht meines Armes, der wirken will und wirken kann, und es gefällt Mir, große Dinge in den Kleinsten zu tun.
Zudem war das Leben meines Willens schon auf der Erde – es ist nicht ganz neu, obwohl es gleichsam wie vorübergehend war. Es existierte in meiner unzertrennlichen und teuren Mutter.
Wäre das Leben meines Willens nicht in ihr gewesen, so hätte Ich, das Ewige Wort, nicht vom Himmel herabsteigen können, Mir hätte der Weg gefehlt, auf dem Ich herabsteigen, der Raum, in den Ich eintreten, die Menschheit, die meine Gottheit bedecken, die Speise, die Mich nähren konnte – Mir hätte alles gefehlt, denn alles andere ist nicht angemessen für Mich.
Da Ich aber meinen Willen in meiner geliebten Mutter vorfand, fand Ich meinen eigenen Himmel, meine Freuden und meine Wonnen. Ich habe höchstens die Wohnung gewechselt, vom Himmel auf die Erde, doch was das Übrige betrifft – da habe Ich nichts verändert: was Ich im Himmel hatte, das fand Ich kraft meines Willens, den sie besaß, auf der Erde, und deshalb stieg Ich mit ganzer Liebe herab, um in ihr menschliches Fleisch anzunehmen.
Dann führte mein Wille sein Leben auf Erden in meiner Menschheit; kraft dieses meines Willens wirkte Ich nicht nur die Erlösung, sondern erstreckte Mich über das gesamte Wirken aller Menschengeschlechter, besiegelte es mit meinen göttlichen Akten, und erflehte von meinem Himmlischen Vater nicht nur die Erlösung des Menschen, sondern dass der Mensch zur gegebenen Zeit in die Gnade unseres Willens eintrete, wie damals, als er erschaffen wurde, um gemäß dem von Uns gewünschten Zweck zu leben: dass nämlich der Wille im Himmel und auf Erden nur „einer“ sei.
So wurde alles von Mir bewerkstelligt: die Ebene der Erlösung und jene des „FIAT VOLUNTAS TUA wie im Himmel so auf Erden”. Es wäre kein Werk gewesen, das Meiner würdig ist, wenn Ich den Menschen nicht in allem wiederhergestellt hätte, wie er geschaffen wurde.
Es wäre ein halbes, und kein vollständiges Werk gewesen, und dein Jesus vermag keine unvollständigen Werke zu tun; es kann höchstens sein, dass Ich Jahrhunderte lang abwarte, bevor Ich das vollständige Gut schenke, das Ich vorbereitet habe. Willst du also nicht mit Mir zusammen dem Menschen das Werk geben, das Ich mit meinem Kommen auf Erden vervollständigt habe?
Sei daher aufmerksam und treu und fürchte dich nicht, Ich werde dich immer klein halten, um meine Pläne mit dir im größten Maß vervollständigen zu können.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 10. November 1923)

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… „Meine Tochter, das Leben in meinem Willen bringt den Verlust eines jeglichen Rechtes auf den eigenen Willen mit sich: alle Rechte gehören dem Göttlichen Willen, und solange die Seele ihre eigenen Rechte nicht verliert, kann nicht von einem wahren Leben in meinem Willen die Rede sein, sondern höchstens davon, dass sie ergeben und meinem Willen gleichförmig ist; das Leben in meinem Willen heißt nämlich nicht, dass die Seele bloß gemäß meinem Willen handelt, sondern dass das ganze Innere der Seele weder einem Gefühl, noch einem Gedanken, noch einem Wunsch, nicht einmal einem einzigen Atemzug Raum gibt, wo mein Wille nicht seinen Platz hätte.
Mein Wille würde auch keine menschliche Anhänglichkeit dulden, dessen Leben nicht Er selbst wäre. Ihn würde davor ekeln, die Seele mit ihren eigenen Neigungen, Gedanken und anderem, was ein menschlicher Wille ohne den Göttlichen haben könnte, in meinem Willen leben zu lassen. Glaubst du, dass es leicht ist, dass eine Seele freiwillig auf ihre eigenen Rechte verzichtet? O, wie schwierig ist das!
Es gibt sogar Seelen, die, wenn sie soweit gelangen, alle Rechte über ihren Willen zu verlieren, sich zurückziehen und sich mit einem mittelmäßigen Leben begnügen, denn der Verlust der eigenen Rechte ist das größte Opfer, das eine Seele bringen kann, und doch ist es jenes, das meine Güte dazu bringt, ihr die Pforten meines Willens zu öffnen, sie in Ihm leben zu lassen und ihr dafür meine göttlichen Rechte zu geben. Sei deshalb aufmerksam, und verlasse nie die Grenzen meines Willens.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 22. September 1924)