Freitag der 15. Woche im Jahreskreis (Mt 12,1-8)
1In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen deshalb Ähren ab und aßen davon. 2Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist.
3Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren – 4wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die heiligen Brote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften?
5Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? 6Ich sage euch: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel.
7Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt; 8denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.
„Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt“ (Mt 12,7)
Ich fühlte mich wegen der Beraubungen meines süßen Jesus ganz bedrückt. O Gott, welches Leid ohne Erbarmen, ohne Erleichterung, ohne Unterstützung!
Fehlt Jesus, dann fehlt alles, und man spürt, dass das Leben Dessen fehlt, der Leben geben kann. Es ist ein Schmerz, der das arme menschliche Wesen ganz in Stimmen verwandelt, die nach Dem rufen, der ihm das Leben geben kann, ein Schmerz gleichsam aus Licht, der mit größerer Klarheit enthüllt, wer Jesus ist.
Doch als ich in dieser harten Pein seiner Beraubung schwamm, kam noch eine weitere dazu, die meinen armen Geist quälte: man hatte mir von Zweifeln an meinen Schriften berichtet, weil dort geschrieben stand, dass Jesus mich geküsst und umarmt hatte und fast täglich zu mir gekommen war.
Mein armer Geist hielt dem nicht stand, und ich sprach Albernheiten: ‘Du siehst, meine Liebe, was dabei herauskommt, wenn Du Dich nicht allen zeigst und kundtust.
Tätest Du das, dann würden sie sich so verstricken, dass sie nicht ohne Dich sein könnten, und auch Dich so einwickeln, dass Du nicht ohne sie sein kannst.’ Ich fühlte mich von Zweifeln und Ängsten gemartert, die ich nicht aufschreiben brauche. Da sprach Jesus, der Mitleid mit mir hatte, voller Güte zu mir:
„Meine Tochter, beruhige dich, beruhige dich. Du weißt, dass Ich niemals Zweifel und Ängste in dir duldete, die alte Lumpen des menschlichen Willens sind.
Wo mein Göttliches Fiat regiert, erlaubt Es diese Armseligkeiten nicht, da Es von Natur aus Friede und Sicherheit ist, und macht die Seele, die sich unter die Herrschaft seines Lichtes stellt, ebenso [friedlich].
Daher wünsche Ich von dir nur, dass dein Atem, dein Herzschlag und dein ganzes Wesen nichts anderes als mein Wille und Liebe sei. Liebe und Göttlicher Wille stellen zusammen die größte Opfergabe und die schönste Huldigung dar, die das Geschöpf seinem Schöpfer darbringen kann, den Akt, der unserem Akt am ähnlichsten ist.
Bleiben wir daher dabei, einander stets zu lieben und unsere Liebe nie zu unterbrechen. Es gibt im Himmel und auf Erden nichts Größeres als einen Göttlichen Willen, der stets vollbracht, und eine Liebe, die nie unterbrochen wird.
Dies ist allein die Eigenschaft unser Göttlichen Wesens und der Seele, die sich in die Gewalt unseres Willens begibt. Warum, meine Tochter, bist du zudem wegen ihrer Worte so betrübt?
Ich bin der Urheber der Gesetze, und niemand kann Mich einem Gesetz unterstellen, daher tue Ich, was Ich will und was Mir am meisten wohlgefällt. Über die Seelen zu verfügen, und dieser Person diesen Plan, jener anderen einen anderen Plan von Mir anzuvertrauen – dies ist ein Recht, das Ich Mir selbst vorbehalten habe. Und überdies, was wiegt schwerer?
Dass sie Mich täglich im Sakrament empfangen, dass Ich durch ihren Mund eingehe und in den Magen hinabsteige – vielleicht sogar in Seelen, die voller Leidenschaften sind, um ihnen mein Leben mitzuteilen und mein Blut mit ihrem Blut zu vermischen – oder einer Seele einen Kuss und eine Umarmung zu geben, die Mich liebt und nur für Mich lebt?
O wie wahr ist es, dass die menschliche Sichtweise kurz[sichtig] ist und dass sie Großes klein und Kleines groß machen, bloß weil dies nicht allen geläufig ist.
Überdies war alles, was sich zwischen dir und Mir ereignete, die vielen Vertraulichkeiten, meine übergroße Liebe und meine wiederholten Besuche, für die Gabe meines Göttlichen Willens notwendig, den Ich durch dich bekannt machen sollte.
Wäre Ich nicht so oft gekommen, wie hätte Ich dir so viel über meinen Göttlichen Willen mitteilen können? Hätte Ich nicht meinen Wohnsitz in deinem Herzen als meinen lebenden Tempel aufgeschlagen, wären meine Unterweisungen nicht so anhaltend gewesen.
Deshalb sollten sie verstehen, dass alles, was Ich an deiner Seele tat, meinem Göttlichen Willen dienen musste, Der alles verdient.
So sollten sie, wenn sie von meinen vielen liebevollen Herablassungen hören, begreifen, wie sehr Ich den Menschen liebe und ihn lieben kann, um ihn zu meiner reinen Liebe zu erheben und zum vollen Vertrauen, das er seinem liebenden Schöpfer entgegenbringen muss…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 28; 2. Juni 1930)
“Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat“ (Mt 12,7)
Jesu Beraubungen dauern an, Er erscheint höchstens wie ein flüchtiger Blitz, und während man glaubt, es wird hell, bleibt man in noch mehr Dunkelheit als zuvor.
Nun, inmitten dieser Bitterkeit seiner Beraubung, zeigte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren, wie Er ganz mit Schreiben beschäftigt war – nicht mit einer Feder, sondern mit seinem Finger, der Lichtstrahlen aussandte; dieses Licht diente Ihm als Feder, um auf dem Grund meiner Seele zu schreiben.
Ich wollte Ihm alles Mögliche über meine arme Seele erzählen, doch Er legte seinen Finger an die Lippen und deutete mir zu schweigen, da Er nicht abgelenkt werden wollte. Als Er dann fertig war, sagte Er zu mir:
„Tochter meines Höchsten Wollens, Ich schreibe in deine Seele das Gesetz meines Willens und das Gute, das Er bringt. Zuerst möchte Ich es in deine Seele einschreiben, und dann werde Ich es dir nach und nach erklären.”
Und ich: „Mein Jesus, ich möchte Dir über den Zustand meiner Seele berichten – o, wie schlecht fühle ich mich! Sag mir, warum verlässt Du mich? Was soll ich tun, um Dich nicht zu verlieren?”
Und Jesus: „Betrübe dich nicht, meine Tochter. Du musst wissen, als Ich auf die Erde kam, wollte Ich die alten Gesetze abschaffen und andere vervollkommnen.
Doch obwohl Ich sie abschaffte, nahm Ich Mich nicht davon aus, jene Gesetze zu beobachten, sondern Ich beobachtete sie auf vollkommenere Weise als die anderen.
Doch da Ich in Mir das alte und das neue [Gesetz] vereinigen sollte, wollte Ich sie beobachten, um den alten Gesetzen ihre Erfüllung zu geben und ihnen das Siegel der Abschaffung aufzuprägen.
Ich wollte dem neuen Gesetz den Anfang geben, für dessen Einsetzung Ich auf die Erde kam – ein Gesetz der Gnade und der Liebe – wodurch Ich alle Opfer in Mir einschloss, da Ich der wahre und einzige Geopferte sein sollte. So waren alle anderen Opfer nicht mehr notwendig, denn da Ich Mensch und Gott war, war dies mehr als ausreichend, um für alle Genüge zu tun.
Nun, meine geliebte Tochter, da Ich aus dir ein vollkommeneres Abbild von Mir machen und eine so edle und göttliche Heiligkeit begründen möchte, nämlich das „FIAT VOLUNTAS TUA wie im Himmel so auf Erden“, so will Ich in dir alle Seelenzustände konzentrieren, die es bisher auf dem Weg der Heiligkeit gegeben hat, und [im Maß,] wie du diese [aszetischen Praktiken dieser Seelenzustände] erleidest und zugleich deine Akte in meinem Willen tust, verleihe Ich ihnen die Erfüllung, die Krone, Ich verschönere sie und drücke mein Siegel darauf.
Alles muss in meinem Willen vollendet werden, und wo die anderen Heiligkeiten aufhören, hat die Heiligkeit meines Willens, da sie edel und göttlich ist, ihren Anfang und hält alle anderen Heiligkeiten als ihren Fußschemel. Lass Mich deshalb machen, lass Mich mein Leben und das, was Ich mit so viel Liebe bei der Erlösung gewirkt habe, wiederholen.
Nun will Ich es mit noch größerer Liebe in dir wiederholen, um [in dir] den Anfang der Gabe des Lebens in meinem Willen zu begründen, sodass seine Gesetze bekannt werden; doch wünsche Ich, dass dein Wille mit dem Meinen vereint und in Ihn versenkt sei.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 8. November 1923)
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… „Dies war die Substanz, die Frucht der Schöpfung: unser Wille sollte in der Seele des Menschen unser Leben heranbilden. Mit diesem Leben schenkten Wir dem Menschen alles, es gab nichts, was er noch gebraucht hätte, das er nicht in diesem unseren Willen finden hätte können.
Man kann sagen, dass der Mensch alles zur Verfügung gehabt hätte, was er nur wollte: Hilfe, Kraft, Heiligkeit, Licht, alles wurde in seine Macht gegeben. Mein Wille übernahm die Verpflichtung, ihm alles zu gewähren, was er wollte, solange der Mensch Ihm nur die Herrschaft überließe und in seiner Seele eine Wohnung gäbe.
Daher war es nicht notwendig, Sakramente einzusetzen, als der Mensch erschaffen wurde, da dieser in meinem Willen den Ursprung und das Leben aller Güter besaß; somit hatten die Sakramente als Hilfsmittel, Heilmittel und Mittel zur Vergebung keine Daseinsberechtigung.
Doch als der Mensch diesen unseren Willen zurückwies, zog sich Dieser zurück, und der Mensch blieb ohne göttliches Leben und dessen nährende Kraft, ohne den kontinuierlichen Akt, mit dem er stets neues und anwachsendes Leben empfing.
Wenn er nicht gänzlich starb, dann aufgrund der Wirkungen, die ihm mein Göttlicher Wille je nach seiner Disposition, den Umständen und Zeiten schenkte. Da nun unsere Vatergüte sah, dass der Mensch immer tiefer stürzte, gab Er ihm als Unterstützung und Hilfe das Gesetz als Richtschnur für sein Leben.
Bei seiner Erschaffung hatte Er ihm nämlich weder Gesetze noch etwas anderes gegeben, nur meinen Göttlichen Willen, der ihm beständig Leben spendete und ihm somit unser göttliches Gesetz in sein Wesen legte.
Dies sollte der Mensch in sich selbst als eigenes Leben wahrnehmen, ohne dass Wir ihm etwas sagen oder befehlen mussten, umso mehr als es dort, wo mein Wille regiert, weder Gesetze noch Befehle gibt.
Gesetze sind für Diener und Rebellen, nicht für die Kinder. Zwischen Uns und denen, die in unserem Willen leben, regelt sich alles in Liebe. Doch trotz des ganzen Gesetzeswerkes wurde der Mensch nicht erneuert.
Da aber unser Ideal in der Schöpfung der Mensch war, und nur für ihn alles geschaffen wurde, wollte Ich mitten unter sie auf die Erde kommen.
Um ihnen noch wirksamere Hilfen, noch heilsamere Medizin, sicherere Mittel, machtvollere Hilfen zu geben, setzte Ich die Heiligen Sakramente ein.
Diese sind zu bestimmten Zeiten und Umständen wirksam, je nach der Disposition der Seelen, als Wirkungen und Werke meines Göttlichen Willens.
Doch wenn die Seele trotz all dieser großen Güter nicht den Göttlichen Willen als Leben in sich eintreten lässt, wird sie stets ihre Armseligkeiten haben, ein mittelmäßiges Leben führen und lebhaft ihre Leidenschaften verspüren.
Die Heiligkeit, ja selbst ihr Heil werden stets gefährdet sein, denn nur mein Wille, der sich als kontinuierliches Leben schenkt, bildet einen sanften Bann gegen Leidenschaften und Erbärmlichkeiten.
Er formt in der Seele die entgegengesetzten Akte der Heiligkeit, der Kraft, des Lichtes, der Liebe für die Übel der Seele, sodass der menschliche Wille den süßen Zauber wahrnimmt.
Dann fühlt dieser in seinen Übeln die Schönheit, Güte und Heiligkeit des kontinuierlichen Aktes des Lebens, das mein Wille der Seele unter seiner lieblichen und süßen Herrschaft gibt. Und sie lässt Ihn an sich tun, was Er will.
In der Tat, ein kontinuierlicher Akt, der immerwährendes Leben gibt, kann niemals von anderen Akten, Hilfen und Mitteln erreicht werden, wie stark und heilig sie auch seien, um das Gute zu tun, das ein kontinuierlicher Akt bewirken kann.
Darum kann die Seele sich selbst nichts Schlimmeres antun, noch unserer Vatergüte ein größeres Unrecht zufügen, als wenn sie unseren Willen nicht in sich herrschen lässt.
Stünde es in ihrer Macht, würde sie Uns dazu veranlassen, die ganze Schöpfung zu vernichten, weil der Mensch nämlich dazu geschaffen wurde, unsere Wohnstätte zu sein; und nicht nur er allein, sondern Wir haben das Recht, alle geschaffenen Dinge, Himmel, Sonne, Erde, alles – die ja alles Werke sind, die aus unserer Höchsten Erhabenheit hervorgegangen sind – zu bewohnen; indem Wir in ihnen leben, bewahren Wir diese Werke in schönem Schmuck und stets neu, als würden Wir sie gerade ins Dasein treten lassen.
Wenn nun der Mensch nicht unseren Willen tut, wirft er Uns aus unserer Wohnstätte hinaus. Wir gleichen einem reichen Herrn, der sich einen großen, schönen Palast bauen möchte.
Nach der Fertigstellung will er in ihn einziehen, doch man schlägt ihm die Türen vor der Nase zu und bewirft ihn mit Steinen, sodass er nicht einmal einen Fuß hinein setzen kann.
Da er nun unmöglich in dieser Residenz leben kann, die er sich errichtet hat, würde diese nicht verdienen, dass ihr Erbauer sie [wieder] zerstört? Doch er tut es nicht, weil er sein Werk liebt. Er wartet und wartet, ob er die Wohnstätte vielleicht in Liebe besiegen kann, und sie ihm von sich aus die Türen öffnet, damit er eintrete und frei darin wohne.
In eine solche Lage bringt Uns die Seele, die unseren Willen nicht in sich regieren lässt: sie schließt Uns die Türen vor der Nase zu und bewirft Uns mit den Steinen ihrer Schuld. Wir aber warten mit unbesiegter und göttlicher Geduld.
Und da die Seele unseren Willen nicht als Leben in sich will, spenden Wir ihr aus Vatergüte seine Wirkungen, das sind die Gesetze, die Sakramente, das Evangelium, die Hilfen meiner Beispiele und Gebete.
Doch keines dieser großen Wohltaten kann dem großen Gut gleichen, das mein Wille als unverlierbares Leben der Seele wirken kann, denn Er ist alles zugleich: Gesetze, Sakramente, Evangelium, Leben. Alles bedeutet, dass Er alles geben kann und alles besitzt.
Das genügt, um den großen Unterschied zwischen meinem Willen als ständigem Leben im Geschöpf und seinen Wirkungen zu begreifen, die Er selbst in den Sakramenten nicht fortwährend hervorbringen kann, sondern je nach Umständen und Zeiten.
Obwohl [auch] die Wirkungen große Wohltaten bewirken mögen, können sie doch nie an all jene Schätze heranreichen, die das Leben meines in der Seele regierenden und herrschenden Willens hervorbringen kann.
Sei daher aufmerksam, meine Tochter, und lass Ihn in heiliger Freiheit in deiner Seele tun, was Er will.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 30. Mai 1932)


