4In jener Zeit als die Leute aus allen Städten zusammenströmten und sich viele Menschen um Jesus versammelten, erzählte er ihnen dieses Gleichnis: 5Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg; sie wurden zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen sie.
6Ein anderer Teil fiel auf Felsen, und als die Saat aufging, verdorrte sie, weil es ihr an Feuchtigkeit fehlte. 7Wieder ein anderer Teil fiel mitten in die Dornen, und die Dornen wuchsen zusammen mit der Saat hoch und erstickten sie.
8Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. Als Jesus das gesagt hatte, rief er: Wer Ohren hat zum Hören, der höre! 9Seine Jünger fragten ihn, was das Gleichnis bedeute.
10Da sagte er: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Zu den anderen Menschen aber wird nur in Gleichnissen geredet; denn sie sollen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen. 11Das ist der Sinn des Gleichnisses: Der Samen ist das Wort Gottes.
12Auf den Weg ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, denen es aber der Teufel dann aus dem Herzen reißt, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden. 13Auf den Felsen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort freudig aufnehmen, wenn sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln: Eine Zeitlang glauben sie, doch in der Zeit der Prüfung werden sie abtrünnig.
14Unter die Dornen ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort zwar hören, dann aber weggehen und in den Sorgen, dem Reichtum und den Genüssen des Lebens ersticken, deren Frucht also nicht reift. 15Auf guten Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.

„Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen“ (Lk 8,5)

Ich fühlte mich bedrückt und ganz in mir selbst vernichtet, zu nichts nütze. Die Beraubungen meines liebenswürdigen Jesus sind sehr häufig und machen mich zu allem unfähig.
Während ich sie einerseits so lebhaft fühle, dass sie meine arme Seele zerreißen, machen sie mich andererseits benommen und versteinert, als hätte ich kein Leben mehr; oder ich fühle das Leben nur, damit ich mich wie zum Sterben fühle. O Gott, welche Leiden, die kein Erbarmen und kein Mitleid kennen.
Ich lebe unter dem Alpdruck einer Pein, die mir ein unendliches Gewicht auflastet, das unermesslich und ewig ist! Ich weiß nicht, wohin ich gehen, noch was ich tun soll, um die enorme Last dieser erschütternden Pein nicht zu spüren.
Da dachte ich bei mir: „Ich bin zu nichts mehr nütze, als die ganze Last meines großen Unglücks zu fühlen, Dessen beraubt zu sein, Den alle anderen zu besitzen scheinen. Nur mich trifft diese so qualvolle Pein, mein Leben, mein Alles, meinen Jesus nicht zu besitzen.
Ach, Jesus, kehr zu jener zurück, die Du verwundet und dem Schmerz jener Wunde ausgeliefert hast, die Du selbst ihr zugefügt hast! Was nützt es zudem, mich am Leben zu lassen, wenn ich zu nichts mehr gut bin?“
Doch als ich meinen Schmerz ergoss, bewegte sich mein höchstes Gut in meinem Inneren, drückte mich ganz an sich und sagte zu mir: „Meine Tochter, die von Gott fruchtbar und schön erschaffene Erde, mit einer ganz strahlenden Sonne, die sie erleuchtet und erfreut, wurde wegen der Sünde voller Dornen und ganz steinig.
Der menschliche Wille vertrieb die Sonne meines Willens und dichte Finsternis bedeckt sie. Ich halte dich am Leben, weil du alle Steine von der Erde beseitigen und sie von neuem fruchtbar machen sollst. Jeder Akt des menschlichen Willens war ein Stein, der die schöne, von Mir erschaffene Erde bedeckte.
Jede lässliche Sünde war ein Dorn, jede schwere Sünde war ein Gift. Und alles außerhalb meines Willens vollbrachte Gute war wie auf dem Erdboden ausgestreuter Sand, der sie überschwemmte und das Wachstum selbst der kleinsten Pflanze und des Grashalms, der unter den Steinen hervorsprießen konnte, verhinderte.
Nun, meine Tochter, jeder deiner in meinem Willen getanen Akte soll einen Stein entfernen. Wie vieler Akte bedarf es, um sie alle zu entfernen! Indem du nie deinem Willen Leben gibst, wirst du die glänzenden Strahlen der Sonne des Höchsten FIAT zurückrufen, um über dieser finsteren Erde zu leuchten.
Diese Strahlen werden den heftigen Wind der Gnade rufen, der mit Macht diesen ganzen Sand forttragen wird, d.h., alles Gute, das weder um meinen Willen zu erfüllen, noch in Ihm, noch aus Liebe zu Mir getan wurde, sondern um menschliches Ansehen, Ehre und Interesse zu erlangen. O, wie bedrückend ist dieses scheinbar Gute – mehr als Sand, der das Wachstum der Seelen behindert und sie so unfruchtbar macht, dass es Mitleid erregt!
Daher wird die Sonne meines Willens mit ihrer Fruchtbarkeit die Dornen in Blumen und Früchte verwandeln, und der Wind meiner Gnade wird das Gegenmittel sein und das Leben in die Seelen ausgießen. So musst du überzeugt sein, dass Ich dich noch am Leben lasse, um das Werk der Schöpfung neu zu ordnen.
Wie ein [einziger] menschlicher Wille, der aus dem Meinen heraustritt, alles in Unordnung bringt, sodass er schließlich sogar das Angesicht der Erde verändert, so muss ein anderer menschlicher Wille, der in den Meinen eintritt, und mit wiederholten und flehentlichen Akten, alles wieder ordnen und Mir den süßen Zauber, die Harmonie und Schönheit der ersten Zeiten der Schöpfung zurückgeben.
Fühlst du nicht, wie groß dein Betätigungsfeld ist? Indem Wir gleichsam in das irdische Eden zurückkehren, wo mein Göttlicher Wille mit den ersten Akten des Menschen festlich feierte, und Wir zusammen die fruchtbare und schöne Erde genossen, die Ich ihm gegeben hatte – so rufe Ich nun dich: du sollst jene ersten Akte verknüpfen und allen Landstrichen folgen, die vom menschlichen Willen überschwemmt sind.
Damit sollst du – alle Zeiten zugleich umfassend – mithelfen, die Steine, die Dornen und den Sand zu entfernen, womit der menschliche Wille dieses Land zu einem mitleiderregenden Zustand herabgewürdigt hat.“ … (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 22; 20. Juni 1927)

„Ein Sämann ging aufs Feld, um seinen Samen auszusäen“ (Lk 8, 5)

… „Du sollst wissen, dass man eine Wahrheit lieben muss, damit man sie erkennt. Die Liebe erzeugt den Appetit, der Appetit den Geschmack, und der Geschmack erweckt den Hunger, damit man sich an einer Speise, d.h. an meinen Wahrheiten, satt isst und deren Substanz gründlich zerkaut.
Das gute Zerkauen erleichtert die Verdauung, sodass man sich im Besitz der großen Wohltat fühlt, die meine Wahrheit in sich birgt und hervorbringt. Dann verschwinden die Zweifel, und die Schwierigkeiten lösen sich wie Schnee in der sengenden Sonne auf.
Nun, wenn sie die Wahrheiten kaum gestreift haben, ohne dass sie – durch ein gründliches Studium und eine Liebe, die den Appetit weckt – davon gegessen haben, so verwundert es nicht, dass sie Zweifel und Schwierigkeiten vorbringen!
O, viel besser wäre es, wenn sie, statt Urteile abzugeben, bekannt hätten: ‘Das ist keine Speise für uns, wir wollen sie nicht essen”! Doch man weiß ja, dass meine Wahrheiten mehr Platz in den einfachen, als in den gebildeten Herzen finden.
So war es auch bei meiner Erlösung: zu meinem Leidwesen folgte Mir nicht ein einziger von den Gelehrten, sondern meine Jünger waren alle arm, unwissend und einfach.
Du musst wissen, dass meine Wahrheiten wie Samen sind, die Ich, der Himmlische Landwirt, weiterhin in die Seelen ausstreue, und wenn Ich aussäe, wird es mit Sicherheit auch eine Ernte geben.
Oft gleiche Ich einem armen Sämann, der seinen Samen in die Erde streut, die aber wegen mangelnder Feuchtigkeit nicht die Kraft hat, den Samen aufzuzehren, um ihn abzubauen und in Erde zu verwandeln, und aus der aus dem Samen absorbierten Substanz dem armen Bauern das Zehn-, Zwanzigund Hundertfache der Saat zu schenken, die sie aufgenommen hat.
Ein andermal wird die Erde bei der Ausbringung der Saat wegen fehlendem Regen über dem Samen hart, und die Substanz des Samens, den die Erde einschließt, findet keinen Weg, den lebendigen Halm heraussprießen zu lassen – und so muss sich der arme Bauer in Geduld üben, bis er die Früchte seiner Samen ernten kann.
Mit der Aussaat hat er jedoch schon den ersten Schritt getan und kann darauf hoffen, dass vielleicht ein Regenguss kommt und der Erde Feuchtigkeit spendet; da die Erde die Substanz seiner Samen besitzt, wird sie die Saat aufsprießen lassen oder die harte Kruste durchbrechen und auflockern und so den Weg für die Reproduktion seines Samens bereiten.
Obwohl die Erde also nicht sofort das Vielfache der aufgenommenen Samen hervorbringt, kann dem Sämann je nach der Zeit, den Umständen, dem Regen dennoch eine überaus reichliche Ernte zuteilwerden, die seine Erwartungen übertrifft.
Wenn nun der Bauer trotz aller Schwierigkeiten mit der Erde auf eine überfließende Ernte hoffen kann, umso mehr dann Ich, der Himmlische Bauer, der Ich aus meinem Göttlichen Schoß so viele Samen himmlischer Wahrheiten auf den Grund deiner Seele gesät habe, mit deren Ernte Ich die ganze Welt anfüllen werde.
Glaubst du wirklich, dass Ich wegen der Zweifel und Schwierigkeiten einiger, die wie trockene, harte und unempfindliche Erde sind, nicht meine überreichliche Ernte einbringen soll?
Da irrst du dich, meine Tochter! Zeiten, Personen und Umstände ändern sich, und was heute schwarz scheint, kann morgen als weiß angesehen werden, denn oft erkennen diese armen, bemitleidenswerten Wesen nur entsprechend ihrer Veranlagung und gemäß ihrem weit- oder kurzsichtigen Intellekt.
Alles liegt aber darin beschlossen, dass Ich schon die Samen ausgesät habe – und das Notwendigste, Substantiellste und Interessanteste war die Offenbarung meiner Wahrheiten.
Habe Ich meine Arbeit getan, so ist der hauptsächliche Teil schon vollbracht; Ich habe die Erde deiner Seele für die Aussaat meines Samens gefunden, und das Restliche wird von selbst kommen.
Die Zweifel, Schwierigkeiten und Leiden gleichen dem Brennholz und dem Feuer, dessen sich der arme Bauer für die Zubereitung der geernteten Samen zu seinem Mahl bedient.
So können sie auch Mir und dir als Sonnen für die Heranreifung meiner Samen in den Herzen dienen, sowie als Brennholz und Feuer, um den Menschen meine Wahrheiten nicht bloß mit Worten, sondern mit Akten und dem Opfer des Feuers des eigenen Lebens zu schenken, um die Samen [der Wahrheiten] zu verkochen, in die köstlichste Speise zu verwandeln und die Menschen damit zu nähren.
Meine Tochter, hätte Ich auf das Gerede über Mich und auf die Widersprüche gegen meine Wahrheiten hören wollen, die Ich auf Erden offenbarte, so hätte Ich weder die Erlösung bewerkstelligt noch mein Evangelium verkündet.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 31; 24. Februar 1933)