1In jener Zeit stieg Jesus in das Boot, fuhr über den See und kam in seine Stadt. 2Da brachte man auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
3Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lästert Gott. 4Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen?
5Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? 6Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause!
7Und der Mann stand auf und ging heim. 8Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat.

„Da brachte man auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm“ (Mt 9,2)

Ich fühlte mich sehr bedrückt, doch ganz hingegeben in die Arme Jesu; ich betete, dass Er sich meiner erbarme, da fühlte ich meine Sinne schwinden und sah, wie ein kleines Mädchen aus mir heraustrat, schwach, blass, und ganz versunken in eine tiefe Traurigkeit.
Der gebenedeite Jesus kam auf sie zu, nahm sie in seine Arme und drückte sie, von Mitleid bewegt, an sein Herz; Er berührte mit seinen Händen ihre Stirn und bezeichnete ihre Augen, die Lippen, die Brust und alle Glieder mit dem Kreuzzeichen.
Da wurde sie gestärkt, gewann die Farbe zurück und raffte sich aus dem Zustand der Traurigkeit auf, und als Jesus sah, dass sie die Kraft zurückgewann, drückte Er sie zur größeren Stärkung noch fester ans Herz und sprach zu ihr: „Arme Kleine, in welchem Zustand bist du! Doch fürchte dich nicht, dein Jesus wird dich aus diesem Zustand befreien.”
Währenddessen dachte ich mir: „Wer wird dieses Mädchen sein, das aus mir heraustrat und das Jesus so liebt?” Da sprach mein süßer Jesus: „Meine Tochter, dieses Mädchen ist deine Seele – bist du selbst – und Ich liebe sie so sehr, dass Ich es nicht ertrage, dich so traurig und schwach zu sehen.
Daher bin Ich gekommen, um dir neues Leben einzugießen und neue Kraft.” Als ich dies hörte, sprach ich weinend zu Ihm: „Jesus, meine Liebe und mein Leben, wie sehr fürchte ich, dass Du mich verlässt!
Was mache ich ohne Dich? Wie kann ich weiterleben, in welch beklagenswerten Zustand wird meine arme Seele geraten? Wie schrecklich quält mich der Gedanke, dass Du mich verlassen könntest!
Es ist ein Schmerz, der mich zerfleischt, mir den Frieden raubt und die Hölle in mein Herz bringt! Jesus, hab Mitleid, Barmherzigkeit und Erbarmen mit mir, dem kleinen Mädchen! Ich habe niemanden, wenn Du mich verlässt, ist alles zu Ende für mich!”
Da nahm Jesus seine Rede wieder auf und erwiderte: „Meine Tochter, beruhige dich, fürchte dich nicht, dein Jesus verlässt dich nicht. Ich bin eifersüchtig auf dein Vertrauen, und wünsche nicht, dass du Mir nur im Geringsten misstraust.
Siehst du, Ich liebe es so sehr, dass die Seelen ein volles Vertrauen zu Mir haben, so dass Ich ihnen oftmals einige ihrer Fehler oder Unvollkommenheiten verberge, oder manchen Mangel an Entsprechung gegen meine Gnade, um ihnen keinen Vorwand (keine Gelegenheit) zu geben, nicht volles Vertrauen zu Mir zu haben; wenn nämlich die Seele das Vertrauen verliert, bleibt sie wie getrennt von Mir und ganz in sich selbst verkapselt.
Sie begibt sich in eine angemessene Distanz zu Mir und ist in ihrem Liebeselan wie gelähmt und somit auch in ihrer Opferbereitschaft für Mich gelähmt. O, welchen Schaden richtet das Misstrauen an!
Man könnte sagen, es ist wie der Frost im Frühling, der die pflanzliche Vegetation zum Stillstand bringt, und sie oftmals – wenn er stark ist – auch absterben lässt.
So unterbricht auch das Misstrauen, noch mehr als der Frost, die Entfaltung der Tugenden und legt gleichsam Eiseskälte auf die brennendste Liebe…. O, wie oft hat der Mangel an Vertrauen meine Pläne und die größte Heiligkeit verhindert! Deshalb dulde Ich eher einige Fehler als das Misstrauen, denn diese können nie so viel Schaden anrichten….
Und wie könnte Ich dich zudem verlassen, da Ich so viel in deiner Seele gewirkt habe? Schau doch, wie viel Ich arbeiten musste.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 2. September 1924)

——————-

… „Meine Tochter, wie der Körper schlechtes Blut enthält, welches das gute ansteckt, und es notwendig ist, Zugpflaster und Blutegel anzubringen und Aderlasse durchzuführen, um das schlechte Blut zu entfernen, weil man sonst Gefahr läuft, für das ganze Leben gelähmt zu bleiben, so ist es mit der Seele, der die ständige Speise meines Willens fehlt: sie enthält viele schlechte Säfte, und es ist nötig, Zugpflaster der Demütigungen anzubringen, um den schlechten Saft der Selbstschätzung zu entziehen, Stiche von Blutegeln, um den infizierten Saft der Geltungssucht des eigenen Ich zu entfernen, sofortige Aderlasse, um das schlechte Blut der kleinen Anhänglichkeiten zu blockieren und zu entziehen, die im eigenen Herzen aufkommen, an Personen, denen sich die Seele beim Gutestun nähert, ansonsten würden diese Säfte derart zunehmen, dass sie alles infizieren, was die Seele tut, auf eine Art, dass sie im Guten für ihr ganzes Leben gelähmt bliebe. Die Stiche nützen immer, es sind die Wächter des Herzens, die das Blut rein erhalten, d.h. die Absicht der Seele im Tun des Guten aufrichtig erhalten.
Würden also alle das Gute wirken, um allein meinen Willen zu erfüllen, so wären die Stiche nicht nötig, denn Er ist der Schutz vor allen schlechten Säften. So sind die Stiche auch Strafen für die, die nicht genügend Speise meines Willens aufnehmen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 18; 17. Oktober 1925)

——————-

… Danach verstummte Er, ganz betrübt wegen des großen Unglücks, das der menschliche Wille in den Geschöpfen verursacht und sogar Gottes schönes Abbild entstellt hatte, das Er ihnen bei der Erschaffung eingegossen hatte und fügte seufzend hinzu:
„Meine Tochter, der menschliche Wille lähmt das Leben der Seele.
Denn ohne meinen Willen kreist das göttliche Leben nicht in der Seele, das mehr als reines Blut die Bewegung, die Vitalität, den vollkommenen Gebrauch aller geistigen Fähigkeiten bewahrt, auf eine Art, dass diese gesund und heilig heranwächst und man in der Seele die Ähnlichkeit mit Uns erkennen kann.
Wie viele Seelen sind gelähmt ohne meinen Willen! Welch mitleiderregendes Schauspiel, die Menschengeschlechter fast alle in der Seele gelähmt zu sehen.
Daher sind sie unlogisch denkend, blind für das Gute, taub für die Wahrheit, stumm um sie zu lehren, träge zu heiligen Werken, unbeweglich, um den Weg des Himmels zu gehen, weil der menschliche Wille, der den Kreislauf meines Willens behindert, die allgemeine Lähmung in der Menschenseele bewirkt.
Es ist wie beim Leib, dessen Krankheiten zum Großteil, besonders die Lähmungen, wegen des mangelnden Blutkreislaufs verursacht sind. Wenn das Blut gut kreist, ist der Mensch robust und stark und erleidet keinerlei Unwohlsein.
Doch wenn der Blutkreislauf unregelmäßig wird, beginnen die Unpässlichkeiten, die Schwächen, die Schwindsucht, und wenn der Kreislauf sehr unregelmäßig wird, bleibt man gelähmt, weil das Blut, das nicht zirkuliert und schnell durch die Adern fließt, die großen Übel der menschlichen Natur bildet.
Was würden die Menschen nicht alles unternehmen, wenn sie wüssten, dass es eine Medizin für einen regelmäßigen Blutkreislauf gibt? Sie würden, wer weiß wohin gehen, um sie zu bekommen, damit ihnen kein Übel widerfahre.
Und doch gibt es das große Heilmittel meines Willens, um jegliches Übel der Seele zu vermeiden, um nicht im Guten gelähmt zu sein, sondern stark und kräftig in der Heiligkeit heranzuwachsen, aber wer ergreift es?
Es ist dies ein Heilmittel, das kostenlos gegeben wird, und die Menschen müssen auch nicht umherfahren, um es zu erhalten, sondern es ist im Gegenteil stets bereit, sich zu verschenken und sich zum geregelten Leben des Geschöpfs zu machen.
Welcher Schmerz, meine Tochter! Welcher Schmerz!“ Als Er dies gesagt hatte, verschwand Er. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 19; 31. August 1926)

“Jesus wusste, was sie dachten“ (Mt 9,4)

… „Meine Tochter, von der verzehrenden Liebe schreite fort, meine tätige Liebe zu betrachten. Jede Seele brachte mir die Bürde ihrer Sünden, ihrer Schwächen und Leidenschaften, und meine Liebe trug mir auf, die Bürde einer jeder aufzunehmen, mit den Leiden und Genugtuungen, die jede von ihnen meinem himmlischen Vater geben sollte.
So wurde meine Passion gemeinsam mit mir empfangen. Schaue mich gut an im Schoß meiner himmlischen Mama! O, wie ist meine kleine Menschheit gequält!
Betrachte gut, wie mein kleines Köpfchen von einem Kranz aus Dornen umgeben ist, die, indem sie mir stark die Schläfen umwinden, mich Ströme von Tränen aus den Augen vergießen lassen, noch kann ich mich bewegen, um sie zu trocknen!…
Ach ich bitte dich, lasse dich zum Mitleid mit mir bewegen! Trockne mir die Augen von so vielen Tränen, du, die du die Arme frei hast, um mir das tun zu können!
Diese Dornen sind der Kranz von so vielen schlechten Gedanken, die sich im menschlichen Geist aufhäufen; o, wie stechen sie mich, mehr als die Dornen, die die Erde hervorbringt!
Aber betrachte auch die lange Kreuzigung von neun Monaten! Ich kann weder einen Finger, noch eine Hand, noch einen Fuß bewegen; hier bin ich immer unbeweglich, es ist kein Platz, um mich auch nur ein bisschen zu bewegen.
Welch harte und lange Kreuzigung, mit der zusätzlichen Bürde, dass alle schlechten Werke, die Form von Nägeln annehmend, mir wiederholt Hände und Füße durchbohren.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Weihnachtsnovene)

——————-

Jesus, ich betrachte dich in der konsekrierten Hostie, küsse im Geist deine Stirne, auf der die Majestät der Gottheit thront, fühle aber auch die Stiche deiner Dornenkrone.
O wie viele Seelen gibt es, die dir auch in der Hostie die Dornenstiche nicht ersparen! Statt dir die Huldigung guter Gedanken darzubringen, kommen sie mit bösen Gedanken.
Du neigst von Neuem dein Haupt wie bei deiner Passion, empfängst und erduldest die Stiche, welche die Dornen ihrer schlimmen Gedanken dir bereiten. Meine Liebe! Ich nähere mich dir, um deine Leiden zu teilen.
Nimm alle meine Gedanken in deinen Geist auf, um jene Dornen fernzuhalten, die dir so bitteren Schmerz bereiten. Jeder meiner Gedanken gehe in jeden deiner Gedanken über, um jeden bösen Gedanken zu sühnen und so dich zu trösten. (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von 20 bis 21 Uhr: Das eucharistische Mahl)