Donnerstag der 3. Adventswoche (Lk 7,24-30)
24Als die Boten des Johannes weggegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? 25Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die vornehm gekleidet sind und üppig leben, findet man in den Palästen der Könige.
26Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. 27Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.
28Ich sage euch: Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes; doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er. 29Das ganze Volk, das Johannes hörte, selbst die Zöllner, sie alle haben den Willen Gottes anerkannt und sich von Johannes taufen lassen.
30Doch die Pharisäer und die Gesetzeslehrer haben den Willen Gottes missachtet und sich von Johannes nicht taufen lassen.
„Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?“ (Lk 7,24)
… „Außer der unaufhörlichen Liebe gibt es ein anderes Zeichen dafür, ob die Seele in meinem Willen lebt und mein Wille in ihr herrscht, und dies ist die Unwandelbarkeit. Sich niemals vom Guten zum Bösen zu verändern, das kann nur von Gott sein.
Nur eine göttliche Geduld kann einen festen, beständigen Charakter haben und die Haltung, nicht leicht die Handlungsweise zu ändern. Die Beständigkeit, stets einen Akt auszuführen, ohne je darin müde zu werden, ohne je Überdruss und Bedauern zu empfinden, das gibt es nur bei Gott.
Wer nun in unserem Fiat lebt, empfindet Dessen Unwandelbarkeit und fühlt sich von solcher Standhaftigkeit erfüllt, dass er weder für den Himmel noch um der Erde willen seine Handlungsweise ändern würde. Er würde lieber sterben, als davon abzulassen, beständig zu wiederholen, was er gerade tut, zumal er das, was er mit beständigem, unveränderlichen Sinn tut, Gott den Herrn als [Grund]Prinzip hatte.
So spürt die Seele Gott in ihrem Akt und fühlt bei der Wiederholung des Aktes Gott in sich strömen, und wie Gott selbst ihre Handlung beseelt. Wie kann sie je aufhören das zu wiederholen, was sie gemeinsam mit unserem Höchsten Sein begonnen hat? Sie müsste aus unserem Willen hinaustreten, um anders zu handeln.
Unser Wille ist unveränderlich in seinem Wirken, und solcherart macht Er auch den, der in seinem Willen lebt. O, wie erkennt man doch sogleich, wenn jemand nicht in Ihm lebt: heute möchte er dies, morgen jenes tun. Einmal gefällt es ihm, ein Opfer zu bringen, ein andermal scheut er es.
Man kann sich nicht auf ihn verlassen, er ist stets wie ein Rohr, das sich im Windhauch seiner Leidenschaften bewegt. Die Wandelbarkeit des menschlichen Willens ist so groß, dass sie das Geschöpf zum eigenen Gespött und vielleicht auch zu dem der Dämonen selbst macht.
Daher also berufe Ich die Seele zum Leben in unserem Willen, damit sie von Ihm unterstützt und gestärkt werde und somit unserem Schöpfungswerk Ehre bereite. In der Tat, nur der Mensch ist unbeständig, während sich alle unsere anderen Werke nie verändern.
Der Himmel steht immer fest und wird nie dessen überdrüssig, ausgespannt zu sein, die Sonne läuft stets ihre Bahn und tut nie etwas anderes, als ihr Licht zum Wohl der Erde auszuspenden. Die Luft ist immer dabei, sich einatmen zu lassen. Alle Dinge bleiben so, wie Wir sie erschufen und vollführen stets die gleiche Handlung.
Nur der Mensch ist, da er sich unserem Göttlichen Willen entzogen hat, mit der Art seines Schöpfers im Widerspruch. Er vermag seine Werke nicht zu Ende zu führen, versteht sie daher weder zu lieben noch zu schätzen noch das Verdienst seiner Werke zu erhalten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 25. April 1938)
