Donnerstag der 8. Woche im Jahreskreis (Mk 10,46-52)
46In jener Zeit als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. 47Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!
48Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! 49Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.
50Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. 51Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. 52Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.
“Saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus” (Mk 10,46)
… So schwamm ich weiter im Lichtmeer des Göttlichen Fiat. Ich war gleichsam im Licht ertränkt, und seine Kenntnisse waren so zahlreich, dass ich wegen meiner Kleinheit nicht wusste, welche ich ergreifen oder wo ich sie hinlegen sollte, daher verschwanden sie im Licht selbst. Ich war überrascht und brachte kein Wort heraus; da fügte Jesus, mein guter Lehrer, hinzu:
„Meine Tochter, mein Wille sammelt alle seine Werke ein. In seinem Licht verbirgt und verteidigt Er all seine Werke und bringt sie in Sicherheit.
Wie viel tut dieses Licht nicht, um den Menschen, das schönste Werk unserer Schöpferhände in Sicherheit zu bringen, damit er wieder schön und bemerkenswert werde, wie Wir ihn hervorbrachten?
Er nimmt die Seele in seinen Lichtschoß auf und erfüllt sie mit so viel Licht, dass alle ihre Übel verschwinden. Ist sie blind, dann verleiht Er ihr die Sicht durch das Licht; ist sie stumm, schenkt Er ihr durch das Licht das Wort.
Das Licht erfasst die Seele von allen Seiten: es macht sie hörend, wenn sie taub ist, richtet sie auf, wenn sie hinkt, macht sie durch das Licht schön, wenn sie hässlich ist.
Keine Mutter tut so viel, wie mein Göttlicher Wille, um sein Geschöpf schön zu machen und wiederherzustellen. Seine Waffen sind aus Licht, da es keine Macht gibt, die das Licht nicht in sich birgt und kein Gut, das es nicht besitzt.
Was täte eine Mutter nicht alles, die ein schönes Kind zur Welt gebracht hat, das die Mutter mit seiner Schönheit entzückt und glücklich macht? Durch einen Unglücksfall wird nun der Sohn blind, stumm, taub und gelähmt.
Die arme Mutter sieht ihren Sohn an und erkennt ihn nicht mehr. Sein erloschenes Auge kann sie nicht mehr sehen, seine silberhelle Stimme, die sie vor Freude überraschte, wenn er Mama rief, hört sie nicht mehr.
Seine kleinen Füße, die in ihren Schoß eilten, kann er nur mühsam nachziehen. Dieser Sohn ist der durchbohrendste Schmerz für eine arme Mutter. Was würde sie nicht alles tun, wenn sie wüsste, dass ihr Kind wieder sein ursprüngliches Aussehen erhielte?
Sie würde die ganze Welt umrunden, wenn sie dies erlangen könnte und gäbe mit Freuden ihr eigenes Leben hin, wenn sie ihren Sohn nur wieder so schön sehen könnte, wie sie ihn geboren hatte.
Doch es liegt nicht in der Macht der armen Mutter, ihrem Sohn die erste Schönheit zurückzugeben, so wird er stets ihr Kummer und der stechendste Dorn ihres Mutterherzens bleiben.
Auch der Mensch wurde, als er seinen Willen tat, blind, stumm und lahm. Unser Wille beweint ihn mit den Tränen des brennenden Lichtes unserer Liebe.
Doch während die Mutter nichts für ihr verkrüppeltes Kind tun kann, fehlt es meinem Göttlichen Willen nicht an Macht. Er wird, zärtlicher als eine Mutter, sein Kapital an Licht zur Verfügung stellen, welches alle Güter und die Schönheit des Menschen wiederherzustellen vermag.
Er ist die zärtliche Mutter, der Liebhaber und Wächter über das Werk seiner Hände, das Er mehr als den teuersten Sohn zur Welt brachte.
Er wird nicht die ganze Welt, sondern alle Jahrhunderte durchwandern, um die machtvollen Heilmittel aus [jenem] Licht vorzubereiten und zu geben, das neu belebt, umwandelt, aufrichtet und verschönert.
Dann erst wird Er innehalten, wenn Er das Werk seiner Schöpferhände [zurück] in seinem mütterlichen Schoß sieht, so schön wie es hervorgegangen ist, damit Er sich für das viele Leid schadlos halte und sich immerdar an ihm erfreue.
Sind die vielen Wahrheiten über meinen Willen etwa keine Heilmittel? Jede Mitteilung und jedes Wort von Mir ist eine Festung, die Ich um die Schwäche des menschlichen Willens baue, eine Speise, die Ich bereite, ein Köder, ein Geschmack, ein Licht, damit der Mensch das verlorene Sehvermögen wiedererlange.
Sei daher aufmerksam und verliere nichts von dem, was dir mein Wille mitteilt, denn zu gegebener Zeit wird alles nützlich sein – nichts wird verlorengehen. Glaubst du, dass Er nicht über jedes einzelne Wort von Ihm Buch führt? Er zählt alles und verliert nichts.
Und wenn Er in deiner Seele seinen Lehrstuhl errichtet hat, um seine Wahrheiten zu deponieren, so hat Er sich doch den ersten Lehrstuhl in sich selbst vorbehalten, als den größten Schatz, der Ihm gehört.
Solltest du also ein Ihn betreffendes Wort oder eine Mitteilung verlieren, so bewahrt Er in sich schon das Original. Was nämlich meinen Göttlichen Willen betrifft, das besitzt unendlichen Wert und kann daher nicht dem Verlust unterworfen sein und ist es in der Tat nicht.
Vielmehr bewahrt mein Wille in den göttlichen Archiven eifersüchtig seine Wahrheiten. Lerne daher auch du, eifersüchtig und wachsam zu sein, und seine heiligen Lehren wertzuschätzen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 12. Januar 1932 (2. Teil))
„Rabbuni, ich möchte wieder sehen können“ (Mk 10,51)
… „Du musst wissen, dass die im Göttlichen Willen lebende Seele, unter so vielen Vorrechten die Gabe der eingegossenen Wissenschaft zurückerwerben wird.
Diese wird sie zur Erkenntnis unseres Göttlichen Seins hinführen und somit die Entfaltung des Reiches des Göttlichen Fiat in ihrer Seele erleichtern.
Diese Gabe wird für sie [auch] ein Führer in der Ordnung der natürlichen Dinge und wie eine Hand sein, die sie in allem leitet und ihr das pulsierende Leben meines Willens in allen geschaffenen Dingen zu erkennen gibt und die Wohltaten, die Er ihr ständig reicht.
Diese Gabe wurde Adam am Anfang seiner Erschaffung geschenkt. Zugleich mit unserem Göttlichen Willen besaß er die Gabe der eingegossenen Wissenschaft.
So erkannte er mit Klarheit nicht nur unsere göttlichen Wahrheiten, sondern alle heilsamen Kräfte, welche die ganze Schöpfung zum Wohl des Menschen in sich barg, vom größten Ding bis zum kleinsten Grashalm.
Als er nun unseren Göttlichen Willen zurückwies und den eigenen tat, zog unser Fiat Sein Leben und damit die Gabe zurück, deren Träger er gewesen war; so blieb Adam in der Finsternis, ohne das wahre und reine Licht der Kenntnis aller Dinge.
Mit der Rückkehr des Lebens meines Willens in die Seelen wird auch seine Gabe der eingegossenen Wissenschaft zurückkehren. Diese Gabe ist untrennbar von meinem Göttlichen Willen, wie das Licht nicht von der Wärme getrennt werden kann.
Wo Er regiert, bildet Er das Auge voller Licht in der Tiefe der Seele, die mit diesem göttlichen Auge die Kenntnis Gottes und der geschaffenen Dinge erwirbt, soweit es einem Geschöpf möglich ist.
Zieht sich nun mein Wille zurück, so bleibt das Auge blind, da Der, der ihr Sehvermögen beseelte, sie verlassen hat, d.h. dass Er nicht länger das wirkende Leben in der Seele ist.
Es ist wie bei den leiblichen Augen: solange sie gesund sind, kann der Mensch sehen und Farben, Objekte und Menschen unterscheiden.
Trüben sich jedoch die Pupillen ein und lassen kein Licht mehr durch, wird der Mensch blind und kann nichts mehr unterscheiden. Er kann sich höchstens mit seinem Gehör- und Tastsinn behelfen, wenn er etwas wissen und verstehen will, doch sein Augenlicht ist erloschen und zu Ende.
Er wird vielleicht noch Augen besitzen, die aber kein lebendiges Licht mehr haben, sondern dichte Finsternis, und ihm zum Kummer über das verlorene Sehvermögen gereichen.
So ist mein Wille: in der Seele, in der Er herrscht, konzentriert Er diese Gabe der eingegossenen Wissenschaft: diese sieht und versteht klarer als ein Auge, doch ohne Anstrengung, die göttlichen Wahrheiten, die schwierigsten Kenntnisse unseres Höchsten Wesens – doch mit wunderbarer Leichtigkeit, ohne Kunstgriffe und ohne Studium.
Dies gilt noch mehr für die natürlichen Dinge, deren Substanz und innewohnende Wohltaten nur Jener kennen kann, der sie erschaffen hat. Daher ist es kein Wunder, wenn unser Göttlicher Wille der Seele, in der Er herrscht, unser göttliches Wesen und alles, was Er geschaffen hat, offenbart.
Wo Er nicht regiert, ist alles Finsternis für das arme Geschöpf. Unsere Kinder sind blind und erkennen weder ihren Vater, noch lieben sie Ihn, Der sie schuf und mehr als ein Vater liebt und sich nach der Liebe seiner Kinder sehnt.
Mein Göttlicher Wille kommt zur Seele, in der Er herrscht, nicht mit leeren Händen, sondern bringt alle Güter mit, die Er besitzt. Wenn die Menschen undankbar sind und Ihn zum Rückzug nötigen, nimmt Er alles [wieder] mit sich, da Er untrennbar ist von seinen Gütern.
Er gleicht der Sonne, die bei Tagesanbruch die Erde mit ihrem Licht und ihren wohltuenden Wirkungen beschenkt; wenn sie sich am Abend zurückzieht, nimmt sie ihr ganzes Licht wieder mit und lässt nichts zurück, nicht einmal einen Tropfen Licht für die Nacht.
Und warum? Weil sie unmöglich ein einziges Partikel ihres Lichtes loslösen kann, denn dieses ist untrennbar von ihrem Licht. Wo immer sie mit ihrer Lichtfülle, die sie in sich birgt, hingeht, wird es helllichter Tag.
Sei daher aufmerksam, denn wo mein Wille regiert, möchte Er Großes tun und alles geben. Er passt sich nicht an, kleine Dinge zu tun, sondern möchte den helllichten Tag aufgehen lassen und sich an Gaben und Pracht hervortun.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 30; 22. Mai 1932)


