Freitag der 8. Woche im Jahreskreis (Mk 11,11-25)
11In jener Zeit zog Jesus nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus. 12Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger.
13Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte. 14Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es.
15Dann kamen sie nach Jerusalem. Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um 16und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug.
17Er belehrte sie und sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. 18Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil alle Leute von seiner Lehre sehr beeindruckt waren.
19Als es Abend wurde, verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt. 20Als sie am nächsten Morgen an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war.
21Da erinnerte sich Petrus und sagte zu Jesus: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. 22Jesus sagte zu ihnen: Ihr müsst Glauben an Gott haben.
23Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer!, und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen. 24Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.
25Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt.
„Da sah er von weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand an dem Baum nichts als Blätter“ (Mk 11,13)
Nachdem ich an diesem Morgen die Kommunion empfangen hatte, ließ sich mein geliebter Jesus sehen, um mich zu belehren. Als Beispiel erzählte Er mir dies:
„Meine Tochter, wenn ein junger Mann heiratet, und von Liebe zu ihm ergriffen, möchte seine Frau stets bei ihm sein, ohne sich auch nur einen Augenblick lang von ihm zu trennen, ohne ihren anderen Pflichten einer Ehefrau nachzukommen, um diesen jungen Mann glücklich zu machen, was würde er dann sagen?
Er würde ihre Liebe schätzen, doch er wäre sicherlich nicht zufrieden mit ihrem Verhalten, denn diese Art der Liebe wäre nichts als eine sterile, unfruchtbare Liebe, die dem jungen Mann eher Schaden als Frucht bringen würde, und nach und nach würde diese eigenartige Liebe ihn mehr belästigen als erfreuen, denn die ganze Befriedigung dieser Liebe hätte nur die junge Frau.
Und da die sterile Liebe kein Holz hat, um das Feuer nähren zu können, zerfällt sie rasch zu Asche, weil nur eine aktive Liebe andauert, während jede andere Liebe in den Wind fliegt wie Rauch.
Und dann wird man schließlich gelangweilt und kümmert sich nicht darum oder verachtet vielleicht sogar das, was man so sehr geliebt hat.
So verhalten sich jene Seelen, die nur auf sich selbst schauen, d.h. auf ihre Befriedigung, ihre Leidenschaften und alles, was ihnen gefällt, und dann sagen, dass dies Liebe zu Mir sei, während es ganz ihrer Befriedigung dient.
Tatsächlich kann man aus ihren Taten sehen, dass sie sich nicht um meine Interessen sorgen und um die Dinge, die zu Mir gehören; und wenn das, was sie befriedigt, fehlt, kümmern sie sich nicht länger um Mich und beleidigen Mich schließlich sogar.
Ach Tochter, nur eine aktive Liebe ist jene, welche die wahren von den falschen Liebenden unterscheidet – alles andere ist Rauch!“
Während Er dies sagte, sah ich einige Leute und wollte ihnen Aufmerksamkeit schenken, doch Jesus lenkte mich davon mit den Worten ab: „Mische dich nicht in die Geschäfte anderer Leute; lassen wir sie tun, denn alles hat seine Zeit.
Wenn die Zeit des Gerichtes kommt, dann wird die Zeit sein, alle Dinge zu unterscheiden, welche gut durchgesiebt werden, sodass man das Korn, das Stroh und die unfruchtbaren und schädlichen Samen erkennen wird.
O, wie viele Dinge, die Korn zu sein scheinen, werden an jenem Tag als Stroh und sterile Saaten befunden werden, nur dessen würdig, ins Feuer geworfen zu werden!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 19. August 1900)
„Alle Leute von seiner Lehre sehr beeindruckt waren“ (Mk 11, 18)
… „Nun kommen Wir zu Uns, meine Tochter: als Ich auf die Erde kam, war der Mensch derartig ins Böse versenkt und mit seinem eigenen menschlichen Willen angefüllt, dass das Leben in meinem Willen keinen Platz fand, und Ich erflehte ihm durch die Erlösung zuerst die Gnade der Ergebung in meinen Willen, denn in dem Zustand, in dem er sich befand, war er unfähig, die größte Gabe – nämlich die des Lebens in meinem Willen – anzunehmen.
Sodann erflehte Ich ihm als Krönung und Erfüllung aller Gnaden die größte Gnade, das Leben in meinem Willen, damit unsere reinen Freuden der Schöpfung und unsere un-schuldigen Spiele auf dem Angesicht der Erde von neuem ihren Lauf aufnehmen konnten.
Siehst du, etwa zwanzig Jahrhunderte sind vergangen, seitdem die wahren, vollen Freuden der Schöpfung unterbrochen worden sind, da Wir weder eine ausreichende Fassungskraft, noch eine vollständige Losschälung vom menschlichen Willen vorfanden, um jemandem den Besitz unseres Willens anvertrauen zu können.
Nun, um dies tun zu können, mussten Wir ein Geschöpf auswählen, das sich den [sündigen] menschlichen Generationen mehr annäherte und verbrüderte. Hätte Ich als Vorbild meine Mutter genommen, dann hätten sich die Menschen ganz verschieden von ihr gefühlt und gesagt: „Wie sollte sie, die von jedem Makel, auch dem der Erbsünde, ausgenommen war, nicht im Göttlichen Willen leben?”
So hätten sie die Achseln gezuckt und nicht mehr weiter darüber nachgedacht, und hätte Ich meine Menschheit als Beispiel genommen, so wären sie noch mehr erschrocken und hätten gesagt: „Er war Gott und Mensch, und da der Göttliche Wille sein eigenes Leben ist, ist es kein Wunder, dass Er im Höchsten Wollen lebte.
Damit also in meiner Kirche dieses Leben in meinem Willen beginne, musste Ich noch weitere Stufen, noch tiefer hinabsteigen und aus ihrer Mitte ein Geschöpf auswählen, es mit ausreichenden Gnaden ausstatten und Mir den Weg in seine Seele bahnen; Ich musste diese Seele von allem leer machen und sie das große Übel des menschlichen Willens begreifen lassen, dass sie ihn so verabscheut, dass sie eher den Tod wählt, als ihren eigenen Willen zu tun.
Dann schenkte Ich ihr die Gabe meines Göttlichen Willens und machte ihr als Lehrer die ganze Schönheit, die Macht, die Wirkungen und den Wert meines ewigen Willens verständlich, sowie die Art und Weise, wie sie in Ihm leben kann.
Damit sie in Ihm leben könne, habe Ich in ihr das Gesetz meines Willens errichtet und wie bei einer zweiten Erlösung gehandelt, in der Ich das Evangelium, die Sakramente und Unterweisungen als primäres Leben eingesetzt hatte, damit die Erlösung weitergehe.
Hätte Ich keine Grundlage hinterlassen, woran hätten sie sich dann halten und was tun sollen? So handelte Ich auch beim Leben in meinem Willen. Wie viele Lehren bereitete Ich dir nicht?
Wie oft führte Ich dich nicht an der Hand in die ewigen Flüge meines Wollens? Und über allem Erschaffenen schwebend, brachtest du die reinen Freuden der Schöpfung zu Füßen der Gottheit, und Wir unterhielten Uns gemeinsam mit dir.
Da Wir nun ein Geschöpf ausgesucht haben, das sich offensichtlich nicht viel von den anderen unterscheidet, werden sie Mut fassen. Wenn sie die Lehren und Mittel vorfinden, und den großen Nutzen erkennen, den das Leben in meinem Willen darstellt, werden sie es sich zu eigen machen.
Dann werden die reinen Freuden der Schöpfung und unsere unschuldigen Spiele auf dem Angesicht der Erde nicht mehr unterbrochen sein.
Und wenn auch nur eine einzige Seele in jeder Generation in unserem Willen lebt, wird dies immer ein Fest für Uns sein, und bei Festen treibt man immer mehr Aufwand und gibt stets großzügiger.
O, welche Güter werden die Erdenbewohner erlangen, wenn ihr Schöpfer auf den Gefilden der Erde spielt!
Daher, meine liebe Tochter, achte gut auf meine Lehren, denn es geht darum, dass Ich kein irdisches, sondern ein himmlisches Gesetz begründe; kein Gesetz von bloßer Heiligkeit, sondern ein göttliches Gesetz, ein Gesetz, bei dem man die Erdenbürger nicht mehr von den Himmelsbürgern unterscheiden kann; ein Gesetz der Liebe, das alles zunichtemacht, was selbst den Schatten der Einheit zwischen Schöpfer und Geschöpf behindern könnte; es wird die Güter des Schöpfers [mit den Geschöpfen] gemeinsam nutzen lassen, und vom Geschöpf alle Schwächen und Armseligkeiten der Erbsünde wegnehmen.
Das Gesetz meines Willens wird solche Kraft in die Seele legen, dass es als süßer Zauber alle Übel der Natur betäuben und sie durch den süßen Zauber der göttlichen Güter ersetzen wird.
Denk daran, wie oft du Mich auf dem Grund deiner Seele schreiben sahst, es war das neue Gesetz des Lebens in meinem Willen, das Mir gefiel, es zuerst niederzuschreiben, um deine Fassungskraft zu erweitern – sodann handelte Ich als Lehrer und erklärte es dir.
Wie oft hast du Mich nicht schweigsam und nachdenklich auf dem Grund deiner Seele erblickt?
Es war die große Arbeit meines Willens, die Ich verrichtete, und da Ich nicht redete, beklagtest du dich, Ich würde dich nicht mehr lieben.
Ach, gerade dann ergoss sich mein Wille über dich, erweiterte deine Fassungskraft, bestärkte dich in Ihm und liebte dich am meisten.
Wolle daher nichts von dem, was Ich tue, genau ausforschen, sondern ruhe stets sicher in meinem Willen.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 22. Februar 1924)


