13Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
14Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 15Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
16Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig, und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte.
17Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: 18Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren dahin.

„Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Mt 2,13)

Die Seele zu ihrer schmerzhaften Königin:
Meine Mutter und Herrin, deine kleine Tochter möchte dir ein wenig Gesellschaft leisten. Ich sehe dein Angesicht verschleiert von Traurigkeit und einige verstohlene Tränen in deinen Augen.
Das süße Kind zittert und weint schluchzend. Heilige Mama, ich vereine meine Leiden mit den Deinen, um dich zu trösten und das Göttlichen Kind zu beruhigen. Aber, meine Mutter, enthülle mir doch das Geheimnis: Welches Leid traf mein teures Jesuskind?
Lektion der Königin und Mutter:
Meine liebste Tochter, das Herz deiner Mutter ist heute voller Liebe und voller Schmerz, sodass ich nicht umhin kann, zu weinen.
Du weißt von der Ankunft der Sterndeuter, die in Jerusalem Aufsehen erregten, als sie nach dem neuen König fragten.
Und der ruchlose Herodes hat schon aus Angst um seine Macht den Befehl gegeben, meinen Jesus, mein Leben, zusammen mit all den anderen Kindern, zu töten.
Meine Tochter, welch ein Schmerz: Den, der gekommen ist, allen das Leben zu bringen und die neue Ära des Friedens, der Gnade, des Glücks zu begründen, wollen sie töten.
Welche Undankbarkeit! Welche Treulosigkeit! Ach, meine Tochter, wohin führt die Blindheit des menschlichen Willens.
Er kann so grausam sein, dem Schöpfer selbst die Hände zu binden, und sich zum Herrn aufzuspielen über Den, Der ihn geschaffen hat.
Bemitleide mich also, meine Tochter und suche das liebe Kind zu beruhigen. Er weint wegen der menschlichen Undankbarkeit, die ihn, kaum geboren, schon tot sehen will.
Um ihn zu retten, sind wir gezwungen zu fliehen … Schon ist der liebe Hl. Josef von Engeln gewarnt worden, unverzüglich in das fremde Land aufzubrechen.
Begleite uns, teure Tochter, lass uns nicht allein, und ich werde dir weiter meine Belehrungen erteilen über die großen Übel des menschlichen Willens.
Kaum hatte sich der Mensch dem Göttlichen Willen entzogen, da brach er mit seinem Schöpfer.
Alles war von Gott auf der Erde für ihn gemacht worden, alles war sein, und mit diesem Ungehorsam verlor der Mensch alle Rechte und hatte gleichsam nichts mehr, wohin er seine Schritte richten konnte.
So wurde er zum armen Verbannten, zum Pilger, der keine feste Wohnung haben konnte, und zwar nicht nur in der Seele, sondern auch dem Körper nach.
Alle Dinge wurden veränderlich für den armen Menschen, und wenn er ein flüchtiges Gut sein Eigen nannte, geschah es kraft der vorhergesehenen Verdienste dieses Göttlichen Kindes.
Und zwar deswegen, weil die ganze Großartigkeit der Schöpfung von Gott bestimmt war für jene, die seinen Willen erfüllen und in seinem Reich leben würden.
Alle anderen nehmen sich mühselig kümmerliche Güter, sie sind die wahren Räuber ihres Schöpfers: sie wollen nicht seinen Willen tun, aber begehren die Güter, die diesem Willen angehören und gebühren. Meine teure Tochter, siehst du, wie sehr ich und das Jesuskind dich geliebt haben.
Kaum geboren flüchtet er ins Exil und in fremdes Land, um dich aus der Verbannung zu befreien, in die der menschliche Wille dich getrieben hat, damit du nicht im fremden Land, sondern in deiner Heimat leben könntest, die dir von Gott bei deiner Erschaffung geschenkt worden ist, nämlich im Reich des Höchsten Fiat …
Tochter meines Herzens, hab Mitleid mit den Tränen deiner Mutter und den Tränen dieses lieben Kindes; wir bitten dich weinend, nie deinen Willen zu tun und beschwören dich: kehre zurück in den Schoß des Göttlichen Willens, der dich brennend erwartet.
Meine Tochter, einerseits litten wir wegen der menschlichen Undankbarkeit, andererseits genossen wir die unermesslichen Freuden und Seligkeiten des Göttlichen Fiat.
Die ganze Schöpfung feierte das Jesuskind, die Erde ergrünte und erblühte unter unseren Schritten zur Ehre des Schöpfers.
Die Sonne warf ihre Strahlen auf ihn und fühlte sich geehrt, ihm mit ihrem Licht und ihrer Wärme zu huldigen.
Der Wind liebkoste ihn. Die Vögel ließen sich wie Wolken rund um uns herab, und sangen dem süßen Jesuskind mit ihrem Gezwitscher und ihrem Gesang die schönsten Wiegenlieder, um sein Weinen zu beruhigen und ihn zum Einschlafen zu bringen.
Meine Tochter, der in uns herrschende Göttliche Wille hatte die Macht über alles. So kamen wir in Ägypten an, und nach einem langen Zeitraum, gab der Engel des Herrn dem Hl. Josef die Weisung, ins Haus von Nazareth zurückzukehren, weil der ruchlose Tyrann gestorben war.
Und so kehrten wir in unsere Heimat zurück. Ägypten ist das Symbol für den menschlichen Willen, ein Land voller Götzen; wo immer das Jesuskind vorbeikam, schlug Es diese Götzen nieder und jagte sie in die Hölle hinab …
Wie viele Götzen und Idole kennt doch der menschliche Wille! Idole der Ruhmsucht, der Selbstgefälligkeit und der Leidenschaften, die das arme Geschöpf tyrannisieren!
Gib acht, höre auf deine Mutter; um dich dahin zu bringen, niemals deinen Willen zu tun, würde ich jedes Opfer bringen und auch mein Leben einsetzen, um dir das große Glück zu schenken, im Schoß des Göttlichen Willens zu leben.
Die Seele:
Liebste Mama, wie danke ich dir, dass du mir die Augen öffnest für das große Unheil, das im menschlichen Willen beschlossen ist!
Um der Schmerzen willen, die du in der Verbannung in Ägypten erduldet hast, lass meine Seele vom Exil meines Willens in die teure Heimat des Göttlichen Willens gelangen.
Tagesaufopferung:
Um mich heute zu ehren, opfere deine Handlungen in Vereinigung mit den meinen auf, als Akt der Dankbarkeit gegen das Jesuskind und bitte Es, in das Ägypten deines Herzens einzutreten, um es ganz in den Willen Gottes umzuwandeln.
Stoßgebet:
Meine Mama, schließe den kleinen Jesus in mein Herz ein, damit er es im Göttlichen Willen ganz neu gestalte. (aus „Die Jungfrau Maria im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta: 24. Tag)

„Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten“ (Mt 2, 14)

Mein liebenswürdiges Kind, während Dir noch die Wunde der Beschneidung blutet, kommt ein anderer Schmerz hinzu.
Ein ruchloser und tyrannischer Mensch will Deinen Tod, und daher bist Du gezwungen, nach Ägypten zu fliehen, um Dich in Sicherheit zu bringen.
Ist diese Episode etwa nicht Symbol der Treulosigkeit des menschlichen Willens, welcher Deinen Göttlichen Willen verfolgt, weil er nicht will, dass Er regiert?
Mein anmutiges Kind, ich will mein „Ich liebe Dich“, meine zärtlichen Küsse und auch meinen Willen in diesem Deinen intensiven Schmerz fließen lassen, um den Göttlichen und den menschlichen Willen miteinander zu versöhnen und aus beiden einen einzigen zu machen.
Um Dein Fiat von Dir zu erbitten, folge ich unaufhörlich meiner Mama, die Dich in ihren Armen trägt.
Während sie dahinwandert, will ich Dich das süße Murmeln meines „Ich liebe Dich, ich bete Dich an, ich benedeie Dich, ich danke Dir“ vernehmen lassen; daher präge ich es Schritt für Schritt in jedes Atom der Erde ein, in jeden Grashalm, auf den ihre heiligen Füße treten.
Da Du fliehst, um mir das Leben zu geben, so will ich Dir meine Existenz darbringen, um die Deine zu verteidigen und um den Triumph Deines Willens zu erbitten.
Meine Liebe, ich fühle, wie mein Herz zerreißt, wenn ich Dich weinen sehe und bitterlich schluchzen höre, weil nach Dir gesucht wird, um Dich zu töten!
Um Dein Weinen zu stillen, will ich mit meiner Liebe das ganze Universum durcheilen, und um Dich zu erfreuen, will ich Dich mein „Ich liebe Dich“ und meinen Refrain „Gib mir Dein Fiat!“ aus der Tiefe der Meere, aus jedem Wassertropfen, aus den Fischen, die sich in ihm bewegen, hören lassen.
Ich will auf die höchsten Berge gehen und in die ausgedehntesten Täler, um Pflanzen, Blumen, Bäume zu beseelen und Dir von allen wiederholen lassen: „Ich liebe Dich, ich liebe Dich!“
Auf den Flügeln des Windes will ich mit überaus lauter Stimme das Echo meiner Liebe zu Dir gelangen lassen, durch seine Windstöße will ich Dir meine feurigen Küsse geben und Dir meine Zärtlichkeiten darbringen.
Mein teures kleines Kind, während Du fliehst, richte ich meine Einladung an alle geschaffenen Dinge, auf dass sie ihren Schöpfer erfreuen; ich appelliere an das Licht der Sonne, dass sie Dir sage „Ich liebe Dich“, indem sie Dein schönes Angesicht erleuchtet, ich rufe alle Vögel der Luft, damit sie Dir mit ihren Gesängen und ihrem Gezwitscher Wiegenlieder der Liebe bilden; mit einem Wort, ich vereinige mich mit allen Elementen, mit dem Himmel und den Sternen, den Bergen und Meeren, den Pflanzen und Tieren, um Dir mit ihnen mit einer einzigen Stimme zuzurufen: „Wir lieben Dich, wir lieben Dich so sehr, und deshalb wollen wir die Ankunft Deines regierenden, herrschenden Willens auf der Erde.“
Dieser einstimmige Ruf erklingt in der Seele der Mutter und Königin, weshalb auch sie zu Dir sagt: „Mein Sohn, siehst Du, meine Liebe ist in Einklang mit jener aller Geschöpfen und vereint sie: Indem ich mit ihnen tiefer in Dein Herz eindringe, bitte auch ich Dich mit ihnen, dass Dein Wille komme, um auf der Erde zu herrschen!“ (aus „Rundgang der Seele im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Elfte Stunde)

„Herodes… ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten“ (Mt 2, 16)

Diesen Morgen befand ich mich außerhalb meiner selbst und sah den ganzen Himmel mit Kreuzen übersät – einige klein, einige groß, manche mittel; die größeren strahlten mehr.
Der Anblick dieser vielen Kreuze, die das Firmament zierten, war ein überaus süßer Zauber, sie waren strahlender als die Sonne.
Dann schien sich der Himmel zu öffnen, und man konnte das Fest sehen und hören, das die Heiligen für das Kreuz veranstalteten. Jene, die mehr gelitten hatten, wurden an diesem Tag mehr gefeiert.
Man konnte auf eine bestimmte Art die Märtyrer und jene, die auf verborgene Weise gelitten hatten, unterscheiden. O, wie wurde an diesem gesegneten Ort das Kreuz geschätzt und jene, die mehr gelitten hatten!
Als ich dies sah, ertönte eine Stimme durch den ganzen Himmel und sagte: „Wenn der Herr keine Kreuze auf die Erde senden würde, wäre Er wie ein Vater, der keine Liebe zu seinen eigenen Kindern hat – der sie arm und entehrt sehen will anstatt geehrt und reich.“
Für das Übrige, das ich bei diesem Fest sah, habe ich keine Worte, es zu beschreiben. Ich kann es in meinem Innern fühlen, doch bin ich nicht in der Lage, es auszudrücken; so schweige ich. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 3; 3. Mai 1900)

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„… Du weißt nicht, was ein unschuldig um Meinetwillen erlittenes Leid bedeutet! Es ist so machtvoll, dass es die Himmel erschüttert und alle die Genugtuung und Wohltat einer unschuldig erlittenen Pein wünschen, die mit ihrer Macht Meere von Gnaden, Licht und Liebe zum Wohle aller bilden kann.
Wären da nicht diese unschuldigen Leiden, die meiner Gerechtigkeit standhalten, würde Ich die ganze Welt zugrundegehen lassen. Habe daher Mut und sei nicht bedrückt, meine Tochter.
Vertraue auf Mich: Ich werde Mich um alles kümmern und die Rechte meines Willens verteidigen, damit Er herrschen kann…“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 27. September 1938)