15In jener Zeit war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. 16Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
21Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, 22und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

„In jener Zeit war das Volk voll Erwartung…“ (Lk 3,15)

… „Meine Tochter, die ganze Welt ist drunter und drüber, und alle erwarten Veränderungen, Frieden und Neues. Die Menschen kommen bei Konferenzen zusammen und wundern sich, dass sie zu keinen Entschlüssen und ernsthaften Entscheidungen imstande sind, sodass kein wahrer Friede geschaffen wird und sich alles in Worten auflöst, ohne Ergebnis.
Sie hoffen, dass weitere Konferenzen zu seriösen Entscheidungen führen können, aber sie warten vergebens. Und inzwischen sind alle in dieser Erwartung in Angst: einige bereiten neue Kriege vor, einige erhoffen neue Eroberungen.
Doch dadurch verarmen die Völker und werden ihrer Lebensgrundlage beraubt, und während sie warten, der gegenwärtigen traurigen Ära müde, die sie dunkel und blutig einhüllt, warten und hoffen sie auf eine neue Ära des Friedens und des Lichtes.
Die Welt befindet sich genau an demselben Punkt, wie zu der Zeit, als Ich auf die Erde kommen sollte: alle waren in Erwartung eines großen Ereignisses, einer neuen Ära, wie es tatsächlich geschah. So ist es auch jetzt, wo das große Ereignis, die neue Ära kommen soll, in welcher der Wille Gottes auf Erden wie im Himmel geschehen soll.
Alle sind in Erwartung einer neuen Ära, überdrüssig der jetzigen, ohne zu wissen, was dieses Neue, diese Veränderung sein mag, wie sie es auch nicht wussten, als Ich auf die Erde kam.
Diese Erwartung ist ein sicheres Zeichen, dass die Stunde nahe ist, doch das sicherste Zeichen ist, dass Ich jetzt offenbare, was Ich tun will, und dass Ich Mich an eine Seele wende – wie Ich Mich an meine Mutter wandte, als Ich vom Himmel auf die Erde herabstieg – und dieser Seele meinen Willen und die Güter und Wirkungen mitteile, die Er enthält, um die ganze Menschheit damit zu beschenken.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 15; 14. Juli 1923)

„Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen…“ (Lk 3,21)

Mein Himmlisches und Höchstes Gut, ich will Dir überallhin folgen. Schon sehe ich, dass Du daran bist, in die Wüste zu gehen und Dich von der Mama zu trennen, zu der Du sagst: „Lebe wohl, Mutter, Ich entferne Mich, jedoch lasse Ich dir Mein Göttliches Fiat als Hilfe, als Trost, als Leben.
Es wird als Mittel der Verbindung zwischen Mir und Dir dienen; Mein Wille wird Dich aller Meiner Akte teilhaftig werden lassen und auf solche Weise werden Wir, obwohl Wir weit voneinander entfernt sind, so sehr vereint bleiben, dass Wir Uns wie eine einzige Person fühlen.“
Jesus, mein Leben, reich mir die Hand, und nimm mich mit Dir, damit mir nichts von dem, was Du tun wirst, entgeht, da ich alles mit dem Stempel meiner Liebe besiegeln will. Um Dich um das Reich Deines Göttlichen Willens auf Erden zu bitten, folge ich Dir, während Du allein wanderst, Schritt für Schritt mit meinem „Ich liebe Dich, ich bete Dich an, ich preise Dich, ich danke Dir.“
Bei jedem Deinem Atemzug will ich Dich den Hauch meines „Ich liebe Dich“ einatmen lassen, will ich darin jedes Deiner Worte einschließen und will es Dir bei jedem Deiner Blicke aufopfern.
Während Du am Jordan ankommst, tauche ich in diese Fluten mein „Ich liebe Dich“ ein: So wirst Du, kaum dass der heilige Johannes sie über Dein Haupt gießen wird, um Dich zu taufen, in ihnen die Fülle meiner Liebe fließen fühlen, die für alle Geschöpfen um das Taufwasser Deines Göttlichen Willens und die Ankunft Seines Reiches fleht.
Geliebter, in diesem feierlichen Akt Deiner Taufe bitte ich Dich um eine Gnade, die Du mir sicher nicht verweigern wirst: Ich bitte Dich nämlich, mit Deinen heiligen Händen meine kleine Seele zu reinigen mittels des lebensspendenden und schöpferischen Wassers Deines Göttlichen Willens, damit ich nichts höre, nichts sehe und nichts kenne außer das Leben Deines Fiat.
O ja, ich bitte Dich, mache, dass meine Existenz nichts als ein ununterbrochener Akt Deines Willens sei! Mein Jesus, süße Liebe, erlaube, dass ich Dir in die Wüste folge: dort wird Dich mein „Ich liebe Dich“ nie allein lassen; ich werde Nacht und Tag nahe bei Dir bleiben; und wenn ich Dich bekümmert, betrübt, schmachtend vor Liebe sehen werde, beten und weinen wegen der Einsamkeit, die Dein Göttlicher Wille erleidet, dann werde ich Dich trösten mit dem Ruf meines „Ich liebe Dich“!
Du fühlst den Schmerz lebhaft, nicht nur weil Dein Göttlicher Wille nicht unter den Geschöpfen regiert, sondern weil Er von ihnen gleichsam verbannt wird. Deine Heiligste Menschheit weint daher und fleht im Namen der ganzen Menschheitsfamilie, dass beide, der Göttliche Wille und der menschliche, sich miteinander wieder versöhnen und miteinander verschmelzen.
O Jesus, ich mache mir Deine Tränen zu Eigen, Deine Gebete, ich ergreife Besitz von den Qualen Deines brennenden Herzens und, indem ich sie mit meinem „Ich liebe Dich“ verflechte, forme ich süße Ketten der Liebe, um Dich zu zwingen, mir das Reich Deines Göttlichen Willens auf Erden zu gewähren!
Höre, mein Leben, es sind die Schläge Deines Herzens selbst, Deine Seufzer selbst, es sind Deine Tränen, Deine Gebete und Deine Leiden, die das Reich Deines Fiat wollen und erflehen. Daher, wenn Du mich nicht erhören willst, erhöre wenigstens Dich selbst und, während Du die Wüste verlässt, versichere mir, dass bald das Reich Deines Willens auf die Erde kommen wird.
Mein Jesus, Herz meines Herzens, siehe, schon gehst Du aus der Wüste und mit Eile erreichst Du Dein Haus von Nazareth, wo die Liebe der Himmlischen Mutter Dich unaufhörlich ruft und erwartet. Welch ergreifende Szene ist doch dies! Die Mutter und der Sohn, getrieben von einem gegenseitigen und äußersten Verlangen, sich wiederzusehen, fallen sich gegenseitig in die Arme.
O Jesus! Auch ich will mit der kleinen Flamme meines „Ich liebe Dich“ an euren keuschen Umarmungen teilnehmen, an euren Liebesbeteuerungen, an euren Feuern der Liebe, um Euch um das Reich des Höchsten Willens zu bitten! Heilige Mama, erbitte auch Du für mich diese unermessliche Gnade und bete, dass der Göttliche Wille erkannt werde und wie im Himmel so auf Erden regiere. (aus „Rundgang der Seele im Reich des Göttlichen Willens“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Fünfzehnte Stunde)

„Eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Lk 3,22)

Als ich in meinem gewohnten Zustand war, sagte mir der gebenedeite Jesus, als Er kam: „Meine Tochter, wenn meine Gnade im Besitz mehrerer Personen ist, feiert sie mehr.
Es ist wie bei den Königinnen: je mehr Mägde auf ihre Winke achten und sie wie eine Krone umgeben, umso mehr freuen sie sich und feiern festlich. Du, verankere dich in Mir, schau auf Mich, und du wirst so von Mir ergriffen sein, dass alles Materielle für dich wie tot umfallen wird.
Du musst dich so sehr in Mir verankern, dass du Mich vollständig in dich hineinziehst, sodass Ich, wenn Ich Mich selbst in dir finde, in dir mein vollkommenes Wohlgefallen finden kann.
Wenn Ich also in dir alle möglichen Freuden finde, die Ich in einem menschlichen Geschöpf antreffen kann, so kann Mich das, was die anderen Mir antun, nicht so sehr missfallen.“
Während Er dies sagte, schloss Er sich in mir ein und war voll Freude. Wie glücklich würde ich mich schätzen, wenn es mir gelänge, meinen geliebten Jesus ganz in mich hineinzuziehen! (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 6. Februar 1901)

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Als ich in meinem gewohnten Zustand war, schien ich die Heiligste Dreifaltigkeit zu sehen. Sie sahen Einander an, und in diesen Blicken war ihre Schönheit so groß, dass Sie beim bloßen sich-betrachten in Ekstase blieben. In diesem Zustand flossen Sie von Liebe über und waren gleichsam erschüttert von dieser Liebe, um noch intensiver in Ekstase zu geraten.
So war all ihr Gut und ihr Wohlgefallen in Ihnen selbst eingeschlossen, und ihr ganzes ewiges Leben, ihre Glückseligkeit und ihr Walten waren in diesem Wort allein eingeschlossen: ‚Liebe’. Die ganze Seligkeit der Heiligen bestand aus diesem vollkommenen Wirken der Heiligsten Dreifaltigkeit.
Als ich dies sah, nahm der Sohn die Gestalt des Gekreuzigten an, und aus ihrer Mitte heraustretend, kam Er zu mir und teilte mir die Leiden der Kreuzigung mit. Und während Er in mir war, begab Er sich wiederum in ihre Mitte, und bot seine und meine Leiden dar und leistete Genugtuung für die Liebe, die alle Geschöpfe Ihnen schuldeten. Wer beschreibt ihr Wohlgefallen, und wie befriedigt Sie durch das Angebot des Sohnes waren?
Da bei der Erschaffung der Geschöpfe aus ihrem Inneren nichts als Liebesflammen hervorgetreten waren, sodass Sie, um dieser Liebe freien Lauf zu lassen, viele weitere Abbilder von sich zu erschaffen begannen, so schien es, dass Sie erst dann befriedigt sind, wenn Sie das empfangen, was Sie gegeben haben, d.h. Sie schenkten Liebe und wollen Liebe. So ist es die schrecklichste Beleidigung, Sie nicht zu lieben. Und doch, o dreimal heiliger Gott, wer ist es, der Dich liebt?
Danach verschwanden Sie; doch wer kann sagen, was ich verstand? Mein Geist verlor sich und meine Zunge ist unfähig, ein Wort zu artikulieren. Nach einer kleinen Weile kam der gebenedeite Jesus zurück, mit seinem Angesicht von Spucke und Schmutz bedeckt, und sprach zu mir:
„Meine Tochter, Lob und Schmeicheleien sind Spucke und Schlamm, welche die Seele beschmutzen und verschmieren und den Geist blenden, um ihn daran zu hindern, zu erkennen, wer er wirklich ist, besonders wenn das Lob nicht auf der Wahrheit beruht.
Wenn das Lob von der Wahrheit ausgeht, und die Person des Lobpreises würdig ist, wird sie, die Wahrheit kennend, Mir die Verherrlichung dafür geben; doch wenn es von der Falschheit ausgeht, wird es die Seele zu solchem Übermaß treiben, dass sie noch mehr im Bösen bestärkt wird.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 13. Januar 1903)