34In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen. 35Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: 36Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
37Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. 38Das ist das wichtigste und erste Gebot. 39Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken… Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,37+39)

Diesen Morgen brachte mich mein anbetungswürdiger Jesus aus mir heraus und zeigte mir die vielen Sünden gegen die Nächstenliebe. Wie viel Kummer bereiteten sie dem geduldigsten Jesus! Es schien, dass sie Ihm selbst widerfuhren, so sprach Er ganz betrübt zu mir:
„Meine Tochter, wer seinem Nächsten Schaden zufügt, schadet sich selbst, und wenn er seinen Nächsten tötet, tötet er seine Seele; und da die Nächstenliebe die Seele für alle Tugenden zurüstet, wird die Seele, wenn die Liebe fehlt, bereit, alle Arten von Lastern zu begehen.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 18. September 1900)

——————-

Ich war weiter in meinem gewöhnlichen Zustand, als sich Jesus kurz wie ein Blitz sehen ließ und zu mir sagte: Meine Tochter, es gibt nichts, was die Liebe übertreffen kann, weder die Doktrin (Lehre) noch die Würde und noch weniger der Adel.
Es kann höchstens sein, dass einer diese Dinge zum Guten nützt, um Spekulationen über mein Wesen anzustellen, und Mich dadurch mehr oder weniger gut erkennt.
Aber wem gelingt es, Mich zu seinem eigenen „Gegenstand“ zu machen? Der Liebe. Wer kommt so weit, Mich wie eine Speise zu essen? Die Liebe. Wer Mich liebt, der „verschlingt“ Mich.
Wer Mich liebt, findet mein Wesen in jedem Partikel seines Wesens gleichgestaltet. Zwischen einem, der Mich wirklich liebt und den anderen – wie auch immer ihre Verfassung oder Qualität sein mag – besteht ein solcher Unterschied, wie zwischen dem, der einen wertvollen Gegenstand kennt, schätzt und würdigt, ihn aber nicht besitzt, und dem, der das kostbare Objekt als sein Eigen besitzt; wer ist der Glücklichere von beiden, der welcher es kennt, oder der es besitzt? Sicher der Besitzer.
So ersetzt die Liebe auch die Lehre und übertrifft sie noch; sie kommt für die Würde auf und übertrifft alle mögliche Würden, indem sie der Seele Göttliche Würde verleiht; sie ersetzt alles und übertrifft alles.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 9; 20. Mai 1909)

——————-

Mein stets liebenswürdiger Jesus zeigte sich in meinem Inneren, wie Er gerade einschlafen wollte. Ich wollte Ihn davon abhalten und sagte zu Ihm:
„Jesus, was tust Du? Jetzt ist nicht die Zeit zu schlafen. Die Zeiten sind traurig und viel Wachen tut not. Was ist los, willst Du heute etwas Schweres geschehen lassen?“
Und Jesus sagte: „Lass Mich schlafen, denn Ich fühle ein großes Bedürfnis danach. Und du ruhe dich gemeinsam mit Mir aus.“
Ich entgegnete: „Nein, Herr, Du leidest sehr und Du brauchst Ruhe, ich nicht.“
Er erwiderte: „Dann schlafe Ich, und du trägst das Gewicht der Welt, du wirst sehen, ob du es kannst.“
Ich sagte: „Ich allein werde es sicher nicht können, aber gemeinsam mit Dir, ja. Außerdem, ist die Liebe nicht mehr für Dich als die Ruhe? Ich werde Dich so sehr lieben – aber mit deiner eigenen Liebe – um Dir die Liebe aller geben zu können.
Mit der Liebe werde ich alle deine Schmerzen lindern, Dich allen Kummer vergessen lassen und für alles aufkommen, was die Geschöpfe tun sollten. Nicht wahr, o Jesus?“
Er sprach: „Was du sagst, ist wirklich wahr, doch die Liebe ist auch gerecht. O wie gering ist die Zahl derer, die ihr Leben ganz mit der Liebe vereinen!
Ich empfehle dir, meine Tochter, mache bei allen, wo du nur kannst, bekannt, dass alles auf die Liebe – die Notwendigkeit der Liebe – ankommt, und dass alles, was nicht Liebe ist, seien es auch heilige Dinge, bewirkt, dass sie, anstatt voranzuschreiten, zurückweichen.
Möge es deine Sendung sein, das wahre Leben der Liebe zu lehren, worin alles enthalten ist, was schön an den Geschöpfen ist, und das Schönste, was sie Mir geben können.“
Und ich sagte: „Wie viel braucht es, damit sie das verstehen. Manchen erscheint es seltsam, dass alles auf die Liebe ankommt, und dass die Liebe, wenn man liebt, die Verpflichtung auf sich nimmt, sie Dir ähnlich zu machen, der Du ganz Liebe bist. Doch will ich tun, was ich kann.“
Da sah ich, wie Jesus sich zurückziehen wollte und sprach: „Verlass mich nicht! Jetzt, da Wir Uns über die Liebe unterhalten, willst Du Dich zurückziehen?
Warum? Dir gefällt doch die Liebe so sehr!“ Doch nach einer kleinen Weile verschwand Er… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 10; 14. Oktober 1911)

——————-

Ich fuhr in meinem gewohnten Zustand fort, als der geliebte Jesus sich in meinem Inneren sehen ließ, aber sosehr mit mir vereint, dass ich seine Augen in den meinen sah, seinen Mund in dem meinen, und so mit allem anderen. Während ich Ihn so erblickte, sprach Er zu mir:
„Meine Tochter, sieh, wer meinen Willen tut, ist wie verschmolzen mit Mir, und Ich bilde ein einziges Ding mit dieser Seele, Ich werde zu ihrem eigenen Leben, weil mein Wille innerhalb und außerhalb dieser Seele ist.
Man kann sagen, dass Er wie die Luft ist, die sie atmet, die allem in ihr Leben verleiht, wie das Licht, das alles sehen und alles verstehen lässt, Hitze, die erwärmt, fruchtbar macht und Wachstum verleiht, wie das Herz, das schlägt, Hände die arbeiten, Füße, die gehen. Und wenn der menschliche Wille sich mit meinem Willen vereinigt, nimmt mein Leben in der Seele Gestalt an.“
Nachher, als ich die Kommunion empfangen hatte, sagte ich zu Jesus: „Ich liebe Dich“, und Er sprach zu mir: „Meine Tochter, willst du Mich in Wahrheit lieben? Dann sprich: „Jesus, ich liebe Dich mit deinem Willen.“
Und da mein Wille Himmel und Erde erfüllt, wird Mich deine Liebe überall umgeben, und dein ‚Ich liebe Dich’ wird hier oben im Himmel widerhallen, bis hinab in die Tiefe der Abgründe; und wenn du also sagen willst: „Ich bete Dich an, ich benedeie Dich, ich lobe Dich, ich danke Dir“, wirst du es mit meinem Willen vereint sagen, und du wirst Himmel und Erde mit Anbetung, mit Preis, mit Lob und Danksagung erfüllen.
In meinem Willen sind die Dinge einfach, leicht zu tun und unermesslich. Mein Wille ist alles, so sehr, dass meine eigenen Attribute ein einfacher Akt meines Willens sind, sodass also, wenn die Gerechtigkeit, die Güte, die Weisheit, die Stärke ihren Lauf nehmen, mein Wille ihnen vorangeht, sie begleitet, sie zum Wirken bringt, mit einem Wort, sie entfernen sich nicht im Geringsten von meinem Willen.
Wer daher meinen Willen aufnimmt, nimmt alles auf, ja man kann sogar sagen, dass sein Leben aufgehört hat, beendet sind die Schwächen, die Versuchungen, die Leidenschaften und die Armseligkeiten, denn in dem, der meinen Willen tut, verlieren alle Dinge ihre Ansprüche, weil mein Wille den Vorrang vor allem und das Recht auf alles hat.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 2. Oktober 1913)