38In jener Zeit sagten einige Schriftgelehrte und Pharisäer zu Jesus: Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen. 39Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona.
40Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein. 41Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.
42Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo.

„Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen“ (Mt 12,38)

Als ich in meinem gewohnten Zustand war, ließ sich mein süßester Jesus eine kurze Weile sehen, ganz in mich „eingegossen“; und Er sagte mir:
„Meine Tochter, willst du die Zeichen kennen, um zu wissen, ob die Seele meine Gnade besitzt?“
Und ich: „Herr, wie es deiner heiligsten Güte gefällt.“
So erwiderte Er: „Das erste Zeichen, um zu sehen, ob die Seele meine Gnade besitzt, ist, dass sie bei allem, was zu Gott gehört, das sie äußerlich hören oder sehen kann, eine Süßigkeit, eine ganz göttliche Lieblichkeit in ihrem Inneren wahrnimmt, was mit nichts Menschlichem oder Irdischem vergleichbar ist.
Sie ist wie eine Mutter, welche die Frucht ihres Leibes in der Person eines Sohnes sogar an seinem Atem oder seiner Stimme erkennt, und vor Freude jubelt.
Oder wie zwei vertraute Freundinnen, die sich miteinander unterhalten und sich dabei gegenseitig dieselben Gefühle, Neigungen, Freuden, Betrübnisse kundtun; und da jede von ihnen ihre eigenen Dinge in der anderen eingeprägt findet, fühlen sie solches Wohlgefallen und solche Freude darin und schließen die andere so in ihr Herz, dass sie sich nicht voneinander trennen können.
So ist es mit der inneren Gnade, die in der Seele wohnt: wenn sie im Äußeren die Frucht ihres eigenen Schoßes sieht, d.h. wenn sie sich selbst in jenen Dingen erkennt, welche ihr eigenes Wesen bilden, dann stimmt sie mit ihnen überein und lässt die Seele solche Freude und Süßigkeit erfahren, dass man sie nicht ausdrücken kann.
Das zweite Zeichen ist dies: wenn die Seele, welche die Gnade besitzt, spricht, sind ihr Worte friedvoll und haben die Kraft, den Frieden in anderen zu säen; sodass die selben Dinge, gesagt von einem, der die Gnade nicht besitzt, keinen Eindruck machten und keinen Frieden brachten, während sie dann, wenn sie von jemand ausgesprochen werden, der Gnade besitzt, in wunderbarer Weise wirkten, und den Frieden in die Herzen zurückbrachten.
Zudem, meine Tochter, entäußert die Gnade die Seele von allem und macht aus ihrer Menschheit einen Schleier, mit dem sie sich bedeckt, sodass man, wenn der Schleier zerreißt, das Paradies in der Seele findet, die sie besitzt.
So ist es kein Wunder, dass wahre Demut, Gehorsam und Ähnliches in der Seele zu finden sind, denn von ihr bleibt nichts übrig als ein einfacher Schleier, und man kann mit Klarheit sehen, wie es ganz die Gnade ist, die in ihr wirkt und alle Tugenden für sie in Ordnung hält und sie in ständiger Ausrichtung auf Gott hin leben lässt. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 4; 30. Juni 1901)

„Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen…“ (Mt 12,39)

… „Meine Tochter, gewöhnlich wähle Ich die am meisten verachteten, die unfähigsten und ärmsten Seelen für meine größten Werke aus. An meiner Mutter selbst war nichts Außergewöhnliches in ihrem äußeren Leben; es gab keine Wunder, keine Zeichen, die sie von den anderen Frauen unterschieden hätten.
Ihr einziges Unterscheidungsmerkmal war ihre vollkommene Tugend, auf die fast niemand achtete. Und wenn Ich anderen Heiligen als Besonderheit die Wundergabe verlieh, und wieder anderen meine Wundmale einprägte – meiner Mutter nichts, gar nichts.
Und doch war sie das Wunder aller Wunder, die wahre und vollkommene Gekreuzigte, niemand anderer ist ihr ähnlich. Ich mache es für gewöhnlich wie ein Herr, der zwei Diener hat: der eine gleicht einem Riesen, ist kräftig, fähig zu allem; der andere ist klein, niedrig, untüchtig.
Es scheint, dass er nichts versteht und keinen bedeutenden Dienst ausführen kann: wenn der Herr ihn anstellt, dann mehr aus Erbarmen und auch zum Spaß.
Wenn nun der Herr einen Millionen- oder Milliardenbetrag in eine andere Stadt schicken soll, was tut er?
Er ruft den kleinen, unfähigen herbei, vertraut ihm die große Summe an und sagt sich: ‚Wenn ich sie dem Riesen anvertraue, so werden alle auf ihn aufmerksam.
Diebe werden ihn überfallen, können ihn ausrauben, und wenn er sich mit seinen Herkuleskräften zur Wehr setzt, könnte er verletzt werden.
Ich weiß, dass er tapfer ist, aber ich will ihn verschonen, ich will ihn nicht der offensichtlichen Gefahr aussetzen. Niemand wird hingegen auf diesen Geringen achten, von dem man weiß, dass er untüchtig ist.
Niemand wird vermuten können, dass ich ihm eine so bedeutende Summe anvertrauen könnte, und er wird heil und gesund zurückkehren.‘
Der arme, unfähige wundert sich, dass der Herr ihm dies anvertraut, während er sich des Riesen bedienen könnte. Und zitternd und voll Demut wird er die große Summe zustellen, ohne dass jemand sich herabgelassen hätte, ihn auch nur anzusehen; und gesund und heil wird er zu seinem Herrn zurückkehren, noch zitternder und demütiger als zuvor.
So handle Ich. Je größer das Werk ist, das Ich ausführen will, umso eher wähle Ich niedrige, arme und unwissende Seelen ohne jegliche äußere Erscheinung, die sie exponieren, auf sie hindeuten könnte.
Das Niedrig- und Unbeachtetsein ist ein sicherer Schutz für mein Werk. Die Räuber des Eigendünkels und der Eigenliebe werden ihr keine Aufmerksamkeit widmen, da sie ihre Unfähigkeit kennt.
Und die Seele führt demütig und zitternd den Auftrag aus, den Ich ihr anvertraut habe, wohl wissend, dass nicht sie, sondern Ich alles in ihr vollbracht habe.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 17. Januar 1921)

„Sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.” (Mt 12, 41)

Ich fühlte mich ganz in das Göttliche Wollen versenkt, und mein liebenswürdiger Jesus sagte zu mir, als Er kam:
Tochter meines Wollens, schau in dein Inneres, wie friedvoll das unermessliche Meer meines Willens fließt, doch denke nicht, dass dieses Meer in dir seit kurzer Zeit fließt, weil du mich oft über meinen Willen reden hörst, sondern seit langer, langer Zeit, da es meine Gewohnheit ist, zuerst zu handeln und dann zu sprechen.
Es ist wahr, dass dein Anfang das Meer meiner Passion war, denn es gibt keine Heiligkeit, die nicht durch den Hafen meiner Menschheit geht, vielmehr gibt es Heilige, die im Hafen meiner Menschheit bleiben, während andere weitergehen.
Doch dann pfropfte Ich gleich das Meer meines Wollens auf, und als Ich dich disponiert sah und du Mir deinen Willen übergabst, nahm der Meinige Leben in dir an und das Meer floss und wuchs stetig.
Jeder deiner Akte in meinem Wollen war ein größeres Wachstum. Ich sprach wenig mit dir darüber, unsere Willen waren miteinander verbunden und kannten sich ohne Worte aus, und dann verstanden Wir uns allein beim Anschauen.
Ich erfreute Mich in dir und fühlte die Freuden des Himmels, in nichts verschieden von dem, was die Heiligen Mir geben, die Mich beseligen, während Ich ihre Wonne darstelle.
Versenkt in mein Wollen können sie nichts Geringeres tun, als Mir Freude und Wonnen zu bereiten. Doch meine Seligkeit war nicht vollständig, Ich wollte mit meinen anderen Kindern ein so großes Gut teilen.
So begann Ich zu dir auf überraschende Art von meinem Wollen zu sprechen, und wie viele Wahrheiten, Wirkungen und Werte Ich dir mitteilte, so viele Kanäle öffnete Ich von dem Meer zum Wohl der anderen, damit diese Kanäle überfließendes Wasser für die ganze Erde bereitstellen mögen.
Mein Wirken ist kommunikativ und stets im Akt, ohne je aufzuhören, aber oft werden diese Kanäle von den Geschöpfen mit Schlamm verschmutzt, andere Male werfen sie Steine hinein und das Wasser fließt nicht oder nur mühsam.
Es ist nicht das Meer, das kein Wasser geben möchte, oder dass das Wasser nicht überall eindringen könnte, weil es nicht klar wäre. Vielmehr sind es die Geschöpfe, die sich einem so großen Gut widersetzen.
Wenn sie deshalb diese Wahrheiten lesen und nicht disponiert sind, werden sie nichts verstehen. Sie werden verwirrt und geblendet sein von dem Licht meiner Wahrheiten.
Für die Disponierten wird es Licht sein, das sie erleuchtet und Wasser, das ihren Durst löscht, und sie werden sich niemals von diesen Kanälen entfernen wollen, wegen des großen Gutes, das sie wahrnehmen und des neuen Lebens, das in ihnen fließt.
Deshalb solltest auch du zufrieden sein, diese Kanäle zum Nutzen deiner Brüder aufzutun und nichts von meinen Wahrheiten vernachlässigen, auch nicht das Kleinste, denn so klein es auch sein mag, kann es einem deiner Brüder dazu dienen, Wasser zu schöpfen.
Sei daher aufmerksam, diese Kanäle zu öffnen und deinen Jesus zufrieden zu stellen, der so viel für dich getan hat.” (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 13; 23. Oktober 1921)