Montag der 3. Adventswoche (Mt 21,23-27)
23In jener Zeit, als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben? 24Jesus antwortete ihnen: Auch ich will euch eine Frage stellen. Wenn ihr mir darauf antwortet, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue.
25Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 26Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten; denn alle halten Johannes für einen Propheten.
27Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Da erwiderte er: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.
„In jener Zeit, als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben?“ (Mt 21,23)
Ich fühlte mich wegen der Beraubungen meines süßen Jesus ganz bedrückt. O Gott, welches Leid ohne Erbarmen, ohne Erleichterung, ohne Unterstützung! Fehlt Jesus, dann fehlt alles, und man spürt, dass das Leben Dessen fehlt, der Leben geben kann.
Es ist ein Schmerz, der das arme menschliche Wesen ganz in Stimmen verwandelt, die nach Dem rufen, der ihm das Leben geben kann, ein Schmerz gleich-sam aus Licht, der mit größerer Klarheit enthüllt, wer Jesus ist.
Doch als ich in dieser harten Pein seiner Beraubung schwamm, kam noch eine weitere dazu, die meinen armen Geist quälte: man hatte mir von Zweifeln an meinen Schriften berichtet, weil dort geschrieben stand, dass Jesus mich geküsst und umarmt hatte und fast täglich zu mir gekommen war.
Mein armer Geist hielt dem nicht stand, und ich sprach Albernheiten: ‘Du siehst, meine Liebe, was dabei herauskommt, wenn Du Dich nicht allen zeigst und kundtust. Tätest Du das, dann würden sie sich so verstricken, dass sie nicht ohne Dich sein könnten, und auch Dich so einwickeln, dass Du nicht ohne sie sein kannst.’
Ich fühlte mich von Zweifeln und Ängsten gemartert, die ich nicht aufschreiben brauche. Da sprach Jesus, der Mitleid mit mir hatte, voller Güte zu mir: „Meine Tochter, beruhige dich, beruhige dich. Du weißt, dass Ich niemals Zweifel und Ängste in dir duldete, die alte Lumpen des menschlichen Willens sind.
Wo mein Göttliches Fiat regiert, erlaubt Es diese Armseligkeiten nicht, da Es von Natur aus Friede und Sicherheit ist, und macht die Seele, die sich unter die Herrschaft seines Lichtes stellt, ebenso [friedlich].
Daher wünsche Ich von dir nur, dass dein Atem, dein Herzschlag und dein ganzes Wesen nichts anderes als mein Wille und Liebe sei. Liebe und Göttlicher Wille stellen zusammen die größte Opfergabe und die schönste Huldigung dar, die das Geschöpf seinem Schöpfer darbringen kann, den Akt, der unserem Akt am ähnlichsten ist.
Bleiben wir daher dabei, einander stets zu lieben und unsere Liebe nie zu unterbrechen. Es gibt im Himmel und auf Erden nichts Größeres als einen Göttli-chen Willen, der stets vollbracht, und eine Liebe, die nie unterbrochen wird.
Dies ist allein die Eigenschaft unser Göttlichen Wesens und der Seele, die sich in die Gewalt unseres Willens begibt. Warum, meine Tochter, bist du zudem wegen ihrer Worte so betrübt?
Ich bin der Urheber der Gesetze, und niemand kann Mich einem Gesetz unterstellen, daher tue Ich, was Ich will und was Mir am meisten wohlgefällt. Über die Seelen zu verfügen, und dieser Person diesen Plan, jener anderen einen anderen Plan von Mir anzuvertrauen – dies ist ein Recht, das Ich Mir selbst vor-behalten habe.
Und überdies, was wiegt schwerer? Dass sie Mich täglich im Sakrament empfangen, dass Ich durch ihren Mund eingehe und in den Magen hinabsteige – viel-leicht sogar in Seelen, die voller Leidenschaften sind, um ihnen mein Leben mitzuteilen und mein Blut mit ihrem Blut zu vermischen – oder einer Seele ei-nen Kuss und eine Umarmung zu geben, die Mich liebt und nur für Mich lebt?
O wie wahr ist es, dass die menschliche Sichtweise kurz[sichtig] ist und dass sie Großes klein und Kleines groß machen, bloß weil dies nicht allen geläufig ist. Überdies war alles, was sich zwischen dir und Mir ereignete, die vielen Vertraulichkeiten, meine übergroße Liebe und meine wiederholten Besuche, für die Gabe meines Göttlichen Willens notwendig, den Ich durch dich bekannt machen sollte.
Wäre Ich nicht so oft gekommen, wie hätte Ich dir so viel über meinen Göttlichen Willen mitteilen können? Hätte Ich nicht meinen Wohnsitz in deinem Herzen als meinen lebenden Tempel aufgeschlagen, wären meine Unterweisungen nicht so anhaltend gewesen. Deshalb sollten sie verstehen, dass alles, was Ich an deiner Seele tat, meinem Göttlichen Willen dienen musste, Der alles verdient.
So sollten sie, wenn sie von meinen vielen liebevollen Herablassungen hören, begreifen, wie sehr Ich den Menschen liebe und ihn lieben kann, um ihn zu meiner reinen Liebe zu erheben und zum vollen Vertrauen, das er seinem liebenden Schöpfer entgegenbringen muss.
Wenn nämlich kein volles Vertrauen zwischen Mir und der Seele vorhanden ist, kann sie nicht zum Leben in meinem Göttlichen Willen erhoben werden. Das Misstrauen stellt der Einheit zwischen Schöpfer und Geschöpf stets ein Hindernis entgegen, es hemmt den Aufschwung zu Dem, der es so sehr liebt, und lässt die Seele nahe am Boden leben.
Und wenn sie auch nicht [durch die Sünde] fällt, bewirkt der Mangel an Vertrauen, dass die Seele ihre Leidenschaft lebhaft spürt; zumal der Mangel an Ver-trautheit der kritische Punkt im Lauf der Jahrhunderte war und zuweilen auch gute Seelen deswegen vom Weg der Tugend abgehalten wurden.
Um diese, vom schlechten Geist des Mangels an Vertrauen hervorgerufene Lethargie wegzunehmen, wollte Ich Mich dir gegenüber ganz voller Liebe und von größerer Vertrautheit als zwischen Vater und Tochter zeigen.
So sollte Ich nicht nur dich, sondern auch alle anderen zum Leben als Kinder zurückrufen, die in meinen Armen gewiegt werden. Ich habe es verkostet – und auch du – wie schön es ist, wenn das Geschöpf ganz Liebe und Vertrauen zu Mir ist.
Ich kann ihm geben, was Ich will, und es hat keine Angst zu erhalten, was es will. Sobald das wahre Vertrauen zwischen Mir und dem Geschöpf in die richtige Ordnung gebracht worden ist, ist das größte Hindernis für die Herrschaft meines Göttlichen Willens in seiner Seele beseitigt.
Ich weiß daher, meine Tochter, worauf meine Pläne abzielen, wozu sie nützlich sind, was Ich tue, und kenne all das Große und Schöne, wenn Ich ein Ge-schöpf auserwähle. Aber sie, was wissen sie schon? Als Fazit müssen sie mein Werk stets kritisieren.
Sogar mein kurzes Leben hier unten blieb nicht von Kritik verschont: als sich meine Heiligste Menschheit voller Liebe unter den Menschen bewegte, kriti-sierten sie dennoch, wenn Ich Mich den Sündern allzu sehr näherte, meinen Umgang mit ihnen als ungeziemend.
Ich ließ sie reden, und ohne ihren Worten Gewicht beizumessen, setzte Ich Taten und kam den Sündern sogar noch mehr entgegen und liebte sie noch mehr, um sie zu meiner Liebe hinzuziehen.
Als Ich Wunder wirkte, hatten sie etwas auszusetzen, weil sie Mich für den Sohn des heiligen Josef hielten und meinten, dass der verheißene Messias nicht von einem Handwerker abstammen könne.
So säten sie ständig Zweifel an meiner Göttlichen Person, sodass sie die Sonne meiner Menschheit gleichsam umwölkten. Ich aber erweckte „kleine Winde“, welche diese Wolken auflösen sollten und erschien in noch strahlenderem Licht in ihrer Mitte, um den Zweck meines Kommens auf Erden, nämlich die Erlö-sung, zu vollenden.
Wundere dich also nicht, dass sie an meinem Verhalten dir gegenüber etwas auszusetzen haben. Obwohl sie mein Wirken an dir wie mit Wolken verdunkel-ten, werde Ich meine kleinen Winde anfachen, um diese Wolken aufzulösen.
Wenn sie die Wahrheit lieben, werden sie erkennen, dass mein Umgang mit dir – selbst wenn Ich bei anderen Seelen anders vorging – für unsere Liebe dennoch nötig war, da es der Bekanntmachung und Herrschaft unseres Willens selbst dienen sollte.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 28; 2. Juni 1930)
„Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Da erwiderte er: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.“ (Mt 21,27)
Ich war in meinem gewöhnlichen Zustand, da erschien Jesus ganz aus Licht und sagte die einfachen Worte: „Ich bin Licht – aber woraus besteht dieses Licht? Was liegt ihm zugrunde? Die Wahrheit.
So bin Ich das Licht, weil Ich die Wahrheit bin. Damit die Seele also Licht sei und in all ihren Handlungen Licht haben möge, müssen diese aus der Wahrheit hervorgehen. Wo Finessen (künstliches Verhalten), Trug oder Doppelzüngigkeit herrschen, kann kein Licht sein, sondern herrscht Finsternis.“
Dann verschwand Er wie ein Blitz. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 3. September 1908)
—————–
… „Meine Tochter, wie sehr die Wahrheit auch verfolgt sein mag, kann sie doch nicht umhin, als Wahrheit anerkannt zu werden, und es kommt die Zeit, da gerade jene verfolgte Wahrheit anerkannt und geliebt wird.
In diesen traurigen Zeiten ist alles Falschheit und Doppelzüngigkeit; und damit die Wahrheit herrschen könne, verdient der Mensch geschlagen und vernich-tet zu werden; einen Teil dieser Züchtigungen werden sie sich selbst bereiten und sich gegenseitig zugrunde richten, ein Teil wird von Mir kommen…“(aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 1. Juli 1907)


