3. ADVENTSSONNTAG – GAUDETE SONNTAG – A – (Mt 11, 2-11)
2In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm 3und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
4Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: 5Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. 6Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
7Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? 8Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.
9Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. 10Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.
11Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.
„Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?“ (Mt 11,7)
Ich dachte über meinen Zustand nach, der jetzt ganz Friede und Liebe zu sein scheint. Nichts beunruhigt mich, alles ist gut, nichts ist Sünde. Da sagte ich mir: „Was wird im Augenblick meines Todes sein, wenn sich das Bild ändern wird, und ich das Gegenteil davon sehe: alles wird mich beunruhigen, und alles, was ich getan habe, wird nichts anderes als eine Kette von Übeln sein.“
Als ich dies dachte, sprach Er zu mir: „Meine Tochter, es scheint, du willst dich gewaltsam beunruhigen und Mir meine beständige Ruhe in dir wegnehmen. Glaubst du, dass die Geduld, die Beständigkeit und der Friede deines Zustandes von dir sind, oder vielmehr die Frucht und Gnade Dessen, Der in dir wohnt?
Ich allein besitze diese Gaben, und aus der Beständigkeit, dem Frieden und der Geduld kannst du erkennen, wer es ist, Der in dir wirkt. Denn wenn es ihre Natur oder der Teufel ist, dann fühlt die Seele sich von ständigen Veränderungen beherrscht und spürt bald diese Stimmung, bald jene. Einmal ist sie ganz geduldig, dann wieder total grantig, kurz, die Arme wird umhergetrieben wie ein Schilfrohr von einem starken Wind.
Ach, meine Tochter, wo Gott nicht ist, kann es weder Beständigkeit noch wahrhaft Gutes geben, wolle daher meine und deine Ruhe nicht mehr stören, sei vielmehr dankbarer!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 12. September 1906)
———————-
Ich dachte über die Unwandelbarkeit Gottes und die Veränderlichkeit der Geschöpfe nach. Welch ein Unterschied! Während dieser Überlegungen bewegte sich mein stets gebenedeiter Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, schau: es gibt keinen Ort, wo sich mein Wesen nicht befände.
Ich habe keinen Platz, wohin Ich schwanken (oszillieren) könnte, weder nach rechts noch links, nach vorn oder hinten; es gibt keinen freien Raum, den Ich nicht ausfüllen würde. Meine Festigkeit findet keinen Ort, an dem Ich nicht wäre, und fühlt sich daher unerschütterlich: dies ist meine ewige Unwandelbar-keit.
Diese unermessliche Unwandelbarkeit macht mich unwandelbar in den Freuden – was Mir heute gefällt, das gefällt Mir immer -, unwandelbar in der Liebe, in der Freude, in meinen Wünschen; habe Ich einmal etwas geliebt, genossen, gewollt, besteht keine Gefahr mehr, dass Ich mich ändere, denn dafür müsste Ich meine Unermesslichkeit einschränken – was Ich weder kann noch will.
Meine Unwandelbarkeit ist die schönste Aureole, die mein Haupt krönt, sich unter meinen Füßen ausbreitet und meiner unwandelbaren Heiligkeit eine ewige Huldigung darbringt. Sag mir, gibt es etwa einen Ort, an dem du Mich nicht findest?”
Als Er so sprach, zeigt sich diese Göttliche Unwandelbarkeit vor meinem Geist. Doch wer kann schildern, was ich verstand? Ich fürchte, dass ich Unsinn sagen könnte und gehe daher weiter.
Dann sprach er die Veränderlichkeit der Geschöpfe an und meinte: „Armer Mensch, wie winzig ist sein kleiner Platz! Und so klein, wie er ist, ist sein Platz weder stabil noch fest: heute ist er an einem Ort, morgen wird er an einen anderen hin vertrieben.
Dies ist auch der Grund, warum er heute jemanden, etwas oder einen Ort liebt und er ihm gefällt; morgen ändert sich das und er verachtet vielleicht das sogar, was ihm gestern gefiel und was er liebte…
Doch weißt du, wer das arme menschliche Geschöpf veränderlich macht? Es ist sein menschlicher Wille, der es in der Liebe, in der Freude, im Gutestun un-beständig macht. Der Wille des Menschen ist jener stürmische Wind, der ihn bei jedem Windstoß wie ein leeres Schilfrohr nach rechts und links hin- und herbewegt.
Deshalb wollte Ich, als Ich ihn erschuf, dass er in meinem Willen lebt, damit Dieser jenen stürmischen Wind des menschlichen Willens anhalte und ihn im Guten fest, in der Liebe stabil und im Wirken heilig mache.
Ich wünschte, dass er im unermesslichen Hoheitsgebiet meiner Unwandelbarkeit lebe, doch der Mensch begnügte sich nicht damit, sondern wollte seinen kleinen Platz haben und machte sich zum Spielball seiner selbst, der anderen und seiner eigenen Leidenschaften.
Deshalb bitte und flehe Ich das Geschöpf an, dass es diesen meinen Willen aufnehme und sich Ihn zu eigen mache, damit es in diesen unwandelbaren Willen zurückkehre, von dem es ausgegangen ist, und nicht weiter unbeständig sei, sondern stabil und fest.
Ich habe Mich nicht geändert: Ich erwarte und ersehne den Menschen und möchte ihn stets in meinem Willen haben.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläu-figer deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 27. November 1924)
———————-
Mein armer Geist scheint nicht anders zu können, als über den Göttlichen Willen nachzudenken. Ich fühle eine machtvolle Kraft über mir, die mir keine Zeit lässt, weder an anderes zu denken, noch etwas zu wollen, als nur dieses Fiat, das alles für mich ist.
So dachte ich mir: ‚O wie gerne würde ich den Göttlichen Willen tun und in Ihm leben, wie man Ihn im Himmel tut und in Ihm lebt!’ Da überraschte mich mein guter Jesus mit seinem kurzen Besuch und sagte zu mir:
„Meine gesegnete Tochter, in meiner Himmlischen Heimat herrscht der einzige und universelle Akt: einer ist der Wille aller, sodass der eine will, was der andere will. Keiner ändert seine Handlung oder seinen Willen, vielmehr empfindet jeder Selige meinen Willen wie sein eigenes Leben.
Es macht die Substanz der Glückseligkeit des ganzen Himmels aus, dass alle nur einen einzigen Willen besitzen, zumal mein Wille unterbrochene Akte weder tut noch tun kann, sondern [nur] kontinuierliche und universelle.
Da Er im Himmel in vollem Triumph und mit vollständiger Herrschaft regiert, spüren alle sein universelles Leben gleichsam als ihre Natur und sind mit all den Gütern, die Er besitzt, bis zum Rand angefüllt.
Unterschiede kann es höchstens in ihrer Fassungskraft geben, und je nach dem Guten, das sie im Leben getan haben. Doch niemand kann weder den Willen, noch die Handlung, noch die Liebe verändern.
Die Macht meines Göttlichen Willens hält alle Seligen absorbiert, vereint und mit Sich ‚verschmolzen‘, als wären sie alle nur ein einziger. Doch glaubst du etwa, dass sich nur im Himmel sein universeller Akt ausdehnt und sein pulsierendes Leben, das sich jedem Geschöpf mitteilt?
Nein! Was Er im Himmel tut, das tut Er auch auf Erden. Er ändert weder seine Handlung noch die Handlungsweise. Sein universeller Akt erstreckt sich zu allen Pilgerseelen.
Wer in Ihm lebt, verspürt sein göttliches Leben, seine Heiligkeit, seinen unerschaffenen Herzschlag, der sich zum Leben der Seele machend, mit seiner un-aufhörlichen Bewegung sich stets und endlos in sie ergießt.
Die glückliche Seele, die Ihn in sich herrschen lässt, fühlt Ihn überall, innen und außen: sein universeller Akt umgibt sie von allen Seiten, sodass sie meinen Willen nicht verlassen kann.
Da Er ständig geben möchte, ist sie stets damit beschäftigt, zu empfangen, sodass sie, auch wenn sie wollte, keine Zeit hat, etwas anderes zu tun oder zu den-ken. So kann die Seele behaupten und überzeugt sein, dass sie auf Erden so lebt, wie man im Himmel lebt.
Es ist bloß ein anderer Ort, aber eine ist die Liebe, einer der Wille, eine die Handlung. Doch weißt du, wer das Leben des Himmels in seiner Seele, den uni-versellen Akt und die einzigartige Kraft meines Willens nicht fühlt?
Die Seele, die sich nicht von Ihm beherrschen lässt! Wenn sie Ihn nicht frei regieren lässt, bewirkt sie, dass sich Handlung, Liebe und Wille in jedem Augen-blick ändern. Doch es ist nicht mein Wille, der sich ändert – da Er sich nicht ändern kann – sondern die Seele, die sich ändert.
Da sie nämlich im menschlichen Willen lebt, hat sie weder Kraft noch Kapazität, um den universellen und einzigen Akt meines Willens aufzunehmen. Die Ärmste fühlt sich unbeständig, nicht beharrlich im Guten und gleicht einem hohlen Schilfrohr, das nicht einmal einem leichten Windhauch standhalten kann.
Die verschiedenen Umstände, Begegnungen und Menschen treiben sie wie ein Wind umher, sodass sie bald dies, bald jenes tut, einmal dieses liebt, einmal jenes. So sieht man sie mal traurig, mal fröhlich, bald voller Eifer und bald ganz kalt, mal den Tugenden zugeneigt, mal den Leidenschaften.
Mit einem Wort, wenn die Gegebenheit aufhört, dann hört auch der Akt in ihnen auf. O menschlicher Wille, wie schwach, wankelmütig und arm bist du oh-ne meinen Willen, weil dir das Leben des Guten fehlt, das deinen Willen beseelen sollte. Daher bist du fern vom Leben des Himmels!
Meine Tochter, es gibt weder eine größere Ungnade noch ein beweinenswerteres Übel, als den eigenen Willen zu tun.“ … (aus „Das Buch des Himmels“; Vor-läufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 32; 10. November 1933)
„Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen“ (Mt 11,10)
Ich dachte an das große Interesse meines stets liebenswürdigen Jesus, seinen Heiligen Willen bekannt zu machen und sagte mir: ‘Er liebt, ersehnt und wünscht die Ankunft seines Reiches, und doch zögert Er so lange, es unter den Völkern erscheinen zu lassen. Wenn Er wollte, kann Er doch alles, die Macht fehlt Ihm nicht, und Er könnte in einem Augenblick Himmel und Erde überwältigen.
Wer kann seiner Macht widerstehen? Niemand. Zumal in Jesus Wollen und Können ganz dasselbe sind – warum also zögert Er bis jetzt?‘ Als ich darüber nach-sann, bewegte sich mein süßer Jesus, machte Sich in meinem Inneren bemerkbar und sagte zu mir:
„Meine Tochter, wenn man ein Gut ersehnt, wünscht und haben möchte, so disponiert man sich damit für seinen Empfang. Und wenn man dieses so sehr ersehnte Gut bekommt, dann liebt, schätzt und bewahrt man es und begrüßt es als das lang ersehnte Geschenk und als den Überbringer des lang ersehnten Gutes.
Nicht nur das, es ist ein weiteres Übermaß unserer Liebe, dass Wir wollen, dass der Mensch das Gute, das Wir ihm schenken möchten, ersehne; er soll näm-lich etwas von sich dazu beitragen, wenigstens seine Seufzer, Gebete und den Wunsch nach diesem Guten, damit Ich ihm sagen kann: „Siehst du, du hast es dir verdient, denn von dir aus hast du getan, was du konntest, um es zu erlangen, und Wir geben es dir von ganzem Herzen“, wobei aber alles die Wirkung unserer Güte ist.
Darum zeigen Wir den Geschöpfen zuerst, was Wir ihnen geben wol-len. Wir nehmen [mit den Menschen] sozusagen Korrespondenz auf, indem Wir Uns brieflich ankündigen und unsere Boten schicken, die ihnen verkünden sollen, was Wir geben wollen. So sollen sie sich disponieren und nach dem große Gut sehnen, das Wir gewähren wollen.
Gingen Wir bei der Erlösung nicht genauso vor? Viertausend Jahre lang warteten die Völker: je näher die Zeit heranrückte, umso dringender waren die An-kündigungen und häufiger die Briefe, um die Seelen für die Ankunft Christi vorzubereiten.
So ist es auch mit dem Reich meines Göttlichen Willens: Ich zögere noch, da Ich möchte, dass sie Es kennenlernen, darum beten, seine Herrschaft ersehnen und den großen Schatz begreifen, den es mit sich bringt, und Ich ihnen also sagen kann: ‚Ihr habt es gewollt und habt es euch verdient, und Es kommt be-reits, um in eurer Mitte zu herrschen.
Indem ihr Es kennengelernt, erbetet und ersehnt habt, habt ihr sein auserwähltes Volk gebildet, in welchem es herrschen und regieren kann.‘ Ohne Volk kann man kein Reich begründen; dies ist noch ein weiterer Grund, dass man um den Wunsch meines Göttlichen Willens nach seiner Herrschaft auf Erden wissen soll.
Sie sollen ja darum beten, Ihn ersehnen und sich bereiten, sein Volk zu bilden, in dessen Mitte Er herabsteigen und seinen Palast, seine Residenz, seinen Thron errichten soll. Wundere dich daher nicht über die Verzögerung, obwohl du siehst, wie groß mein Verlangen ist, dass mein Wille herrsche.
Es sind die Wege unserer unergründlichen Weisheit, die alles mit Ordnung verfügt und diesen zeitlichen Verzug dazu benutzt, um das Wissen [um dieses Reich] voranzubringen – was die Form von Briefen, Telegrammen, Telefonaten und Botschaften annimmt, um das Volk für die Gabe des Lebens in meinem Göttlichen Willen zu bereiten.
Bete daher, und lasse deinen Flug in Ihm andauernd sein.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 28; 26. Februar 1930)


