Die Heiligste Jungfrau war die getreue Nachbildung ihres Schöpfers und der ganzen Schöpfung.

Ich befand mich in meinem ständigen Zustand im Höchsten Willen, und bat meine Königin und Mutter, dass Sie mir helfe, dieses Reich des ewigen FIAT zu erflehen; da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, die vollkommenste Nachbildung der Kinder des Reiches meines Willens war meine himmlische Mutter, und weil dieses Reich die erste Tochter in sich hatte, konnte die Erlösung kommen.
Hätten Wir nicht die erste Tochter unseres Willens gehabt, so wäre Ich, das ewige Wort, nie vom Himmel herabgestiegen, und hätte Mich nie Kindern, die unserem Willen fremd sind, anvertraut, noch Mich ihrer bedient, um auf die Erde herabzusteigen.
So siehst du also, dass Wir eine Tochter unseres Willens brauchten, damit das Reich der Erlösung komme, und da Sie die Tochter des Reiches des ewigen FIAT war, war Sie die getreue Nachbildung ihres Schöpfers und die vollkommene Nachbildung der ganzen Schöpfung. Sie musste alle Akte des Höchsten Willens einschließen, die Dieser in allen geschaffenen Dingen ausführt.
Da Sie die Oberherrschaft und Souveränität über die ganze Schöpfung innehatte, musste Sie in sich den Himmel, die Sterne, die Sonne und alles einschließen, damit man in ihrer Souveränität die Nachbildung des Himmels, der Sonne, des Meeres und auch der blumenübersäten Erde finden könne.
So sah man in meiner Mutter nie gesehene Wunder: man erblickte in Ihr den Himmel, die strahlendste Sonne, das klarste Meer, in dem Wir Uns spiegelten, um unsere Tochter zu sehen, man erblickte die frühlingshafte, immer blühende Erde, die den himmlischen Künstler anzog, seine Spaziergänge zu machen.
O, wie schön war die Himmlische Herrin, da Wir in Ihr nicht nur unsere Nachbildung sahen, sondern alle unsere Werke, die in Ihr eingeschlossen waren, und dies, weil Sie unseren Willen in sich einschloss!
Nun, damit das Reich des FIAT komme, brauchte Es eine weitere Tochter unseres Willens, denn wenn sie nicht seine Tochter gewesen wäre, hätte Er ihr weder seine Geheimnisse, noch seine Schmerzen, noch seine Kenntnisse, seine Wunder, seine Heiligkeit, seine Besitztümer mitteilen können.
Wie ein Vater, eine Mutter sich daran erfreuen, ihren Kindern ihre Güter bekanntzumachen und in Besitz nehmen zu lassen – ja, sie vielmehr wünschten, mehr zu haben, um sie noch reicher und glücklicher zu machen – so genießt es mein Wille, seinen Kindern seine Güter bekannt zu machen, um sie mit einer endlosen Seligkeit reich und glücklich zu machen.
Im Reich des Höchsten FIAT nun werden Wir die Nachbildungen der Höchsten Königin haben. So ersehnt und erwartet auch Sie dieses Göttliche Reich auf Erden, um ihre Kopien zu haben.
Welch schönes Reich wird es sein, ein Reich des Lichtes, der unendlichen Reichtümer, ein Reich vollkommener Heiligkeit und der Herrschaft! Unsere Kinder dieses Reiches werden alle Könige und Königinnen sein, sie werden ganz der göttlichen und königlichen Familie angehören.
Sie werden die ganze Schöpfung in sich einschließen, sie werden die Ähnlichkeit und die Physiognomie unseres Himmlischen Vaters haben, und deshalb werden sie die Vollendung unserer Herrlichkeit und die Krone unseres Hauptes sein.“
Dann erwog ich die Worte Jesu und dachte mir: „Meine Mama hatte, ehe sie wusste, dass Sie die Mutter des Wortes sein sollte, keine Pein, noch Schmerz, umso mehr, als Sie, innerhalb der Grenzen des Höchsten Willens lebend, glücklich war.
Daher fehlte den vielen Meeren, die sie besaß, das Meer der Leiden, und doch hat Sie ohne dieses Meer des Schmerzes den ersehnten Erlöser erfleht.“ Jesus nahm seine Rede wieder auf und fügte hinzu:
„Meine Tochter, meine liebe Mutter hatte, auch noch bevor Sie wusste, dass Sie meine Mutter sein sollte, ihr Meer des Schmerzes, und dies war der Kummer über die Beleidigungen gegen ihren Schöpfer.
O, wie schmerzte es Sie! Und außerdem war diese ihre Pein von einem Göttlichen Willen belebt, den Sie besaß, der die Kraft einer Quelle hat: alles was in Ihm getan wird, hat die Kraft – die kleinsten Dinge, die Wassertropfen – in ein grenzenloses Meer zu verwandeln.
Mein Wille kann keine kleinen Dinge tun, sondern nur große. Es genügte, dass Er bloß den Mund öffnete und FIAT sagte, um einen Himmel auszubreiten, dessen Grenzen man nicht ausmachen kann, ein FIAT, um eine Sonne zu bilden, welche die ganze Erde mit Licht erfüllt, und viele andere Dinge.
Dies sagt in klaren Noten, wenn mein Wille ein Atom, einen kleinen Akt behandelt oder umhüllt, so wird dieses Atom, dieser kleine Akt zum Meer.
Wenn Er sich herabneigt, um kleine Dinge zu tun, gleicht Er mit seiner regenerierenden Kraft aus, um so viele davon zu machen, dass es dem Menschen nicht gelingt, sie alle zu zählen. Wer kann zählen, wie viele Fische und wie viele Arten im Meer sind?
Wie viele Vögel und Pflanzen die Erde erfüllen? So wird das kleine „Ich liebe Dich“ in meinem Willen zum Meer der Liebe, das kleine Gebet verwandelt sich in ein Meer von Gebet, das „Ich bete Dich an“ in ein Meer der Anbetung, die geringen Leiden in ein Meer von Leiden.
Wenn die Seele in meinem Willen ihr „Ich liebe Dich“, ihre Anbetung und Gebete wiederholt und in Ihm leidet, steigt mein Wille empor, formt die höchsten Wellen der Liebe, des Gebetes und der Leiden, die sich dann im grenzenlosen Meer des Ewigen entladen.
Dies auf eine Art, dass sie die Liebe Gottes und die des Geschöpfes in Gemeinschaft setzen, denn einer ist der Wille des einen und des anderen.
Wer sich also von meinem Willen beherrschen lässt, besitzt so viele Meere, wie er in Ihm Akte tut, und während er wenig tut, hat er doch viel, hat einen Göttlichen Willen, der seine Wonne darin findet, aus dem kleinen Akt der Seele ein Meer zu machen.
Nur mit diesen Meeren kann die Seele das ersehnte Reich des Göttlichen FIAT erflehen. Deshalb brauchten Wir unsere Neugeborene, die kleine Tochter meines Willens: indem sie ihre kleinen Leiden, ihr „Ich liebe Dich“ und alles, was sie tut, in Meere umwandelt, die sich dem Meer des Ewigen mitteilen, kann sie machtvoll um das Reich meines Willens flehen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 4. November 1926)