Leiden Jesu im mütterlichen Schoß.

… Ich war verwirrt und wusste nichts zu antworten, und Er fügte voller Güte hinzu: „Willst du sehen, wie Ich im Schoß meiner erhabenen Mutter war, und was Ich in ihr litt?“
Als Er dies sagte, platzierte Er sich in mir, inmitten meiner Brust, ausgebreitet und in einem Zustand vollkommener Unbeweglichkeit: seine Füßchen und Händchen waren so ausgestreckt und unbeweglich, dass es Mitleid erregte, Ihm fehlte der Raum, um sich zu bewegen, die Augen zu öffnen und frei zu atmen.
Aber am qualvollsten war es, Ihn im Akt des ständigen Sterbens zu sehen. Welche Pein, meinen kleinen Jesus sterben zu sehen! Ich fühlte mich zusammen mit Ihm in denselben Zustand der Unbeweglichkeit versetzt. Nach einiger Zeit drückte mich das Jesuskind an sich und sagte zu mir:
„Meine Tochter, mein Zustand im mütterlichen Schoß war überaus schmerzhaft. Meine kleine Menschheit hatte den vollkommenen Gebrauch der Vernunft und der unendlichen Weisheit, daher verstand Ich vom ersten Augenblick meiner Empfängnis an meinen ganzen leidvollen Zustand, die Dunkelheit des mütterlichen Gefängnisses. Ich hatte nicht einmal einen Schimmer von Licht!
Welch lange Nacht von neun Monaten! Die Enge des Ortes war so groß, dass sie Mich zu vollkommener und stets stummer Unbeweglichkeit zwang.
Ich konnte weder wimmern noch schluchzen, um meinem Schmerz Luft zu machen. Wie viele Tränen vergoss Ich im Heiligtum des Schoßes meiner Mutter, ohne die kleinste Bewegung zu machen! Und das war noch nichts.
Um der Gerechtigkeit Gottes Genüge zu leisten, hatte meine Menschheit die Pflicht auf sich genommen, so oft zu sterben, als die Seelen den Göttlichen Willen in sich haben sterben lassen, indem sie Ihm die große Beleidigung zufügten, dem menschlichen Willen Leben zu geben, und in sich einen Göttlichen Willen sterben ließen.
O, wie viel kosteten Mich diese Tode! Sterben und leben, leben und sterben, das war für Mich die qualvollste und andauernde Pein.
Umso mehr, als meine Gottheit, obwohl Sie mit Mir eins und untrennbar von Mir war, beim Empfang dieser Genugtuungen die Haltung der Gerechtigkeit annahm.
Obwohl meine Menschheit heilig war, war sie ein kleines Licht angesichts der unermesslichen Sonne meiner Gottheit.
Ich fühlte das ganze Gewicht der Wiedergutmachungen, die Ich dieser göttlichen Sonne geben sollte und die Pein der gefallenen Menschheit, die in Mir um den Preis so vieler meiner Tode auferstehen sollte.
Es war die Zurückweisung des Göttlichen Willens – indem die gefallene Menschheit dem eigenen Willen Leben gewährte, was zu ihrem Ruin führte.
Ich musste meine Menschheit und meinen menschlichen Willen im Zustand des ständigen Todes halten, damit der Göttliche Wille ständiges Leben in Mir habe, um sein Reich in Mir auszubreiten.
Von meiner Empfängnis an dachte Ich daran und beschäftige Mich damit, das Reich des Höchsten FIAT in meiner Menschheit auszudehnen, um den Preis, dass Ich meinem menschlichen Willen kein Leben gewährte, damit die gefallene Menschheit wieder auferstehe.
Dadurch sollte Ich, wenn in Mir dieses Reich begründet war, die Gnaden, die notwendigen Dinge, die Leiden, die Genugtuungen vorbereiten, um Ihn bekannt zu machen und Ihn unter den Menschen zu begründen.
Daher ist alles, was du tust, und was Ich in dir für dieses Reich tue, nichts anderes als die Fortsetzung dessen, was Ich seit meiner Empfängnis im Schoß meiner Mutter tat.
Wenn du also willst, dass Ich in dir das Reich des ewigen FIAT entfalte, lasse Mir die Freiheit und gewähre deinem Willen niemals Leben.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 24. Dezember 1926)