Wie sich das neugeborene Jesuskind seiner Mutter zeigte. Das Kind strahlte Licht aus, das allen durch sein Kommen auf Erden Heil schenkte. Unterschied zwischen der Grotte und dem Gefängnis der Passion.
Ich erwartete mit Sehnsucht das Jesuskind, das nach vielen Seufzern schließlich kam; Es warf sich als kleines Kind in meine Arme und sagte zu mir:
„Meine Tochter, willst du sehen, wie meine unzertrennliche Mama Mich sah, als Ich aus ihrem Mutterschoß hervortrat? Betrachte Mich und sieh.“
Ich betrachtete Ihn und sah Ihn als kleines Kindchen von seltener und hinreißender Schönheit. Aus seiner ganzen kleinen Menschheit, aus den Augen, aus dem Mund, aus den Händen und Füßen gingen leuchtendste Lichtstrahlen aus.
Diese hüllten Ihn nicht nur ein, sondern dehnten sich so sehr aus, dass sie jedes Menschenherz verwunden konnten, wie um ihnen den ersten Gruß seines Kommens auf die Erde zu erweisen, das erste Klopfen an ihre Herzen, damit Ihm geöffnet werde, und um Aufnahme in ihnen zu bitten.
Dieser Schlag war süß, aber durchdringend; da es jedoch ein Klopfen aus Licht war, machte er keinen Lärm, aber war doch „lauter“ als irgendein Geräusch.
So empfanden alle in jener Nacht etwas Ungewohntes in ihren Herzen, doch sehr wenige nur öffneten ihre Herzen, um Ihm eine kleine Unterkunft zu gewähren.
Als das zarte Kind wahrnahm, dass sein Gruß weder erwidert wurde, noch Ihm auf sein wiederholtes Klopfen hin aufgetan wurde, begann Es zu weinen. Mit bläulichen Lippen und zitternd vor Kälte, schluchzte, wimmerte und seufzte Es.
Doch während das Licht, das aus Ihm hervorging, den Menschen entgegenging und die ersten Zurückweisungen erfuhr, warf Er sich, sobald Er aus dem Schoß der Himmlischen Mutter hervorgetreten war, in ihre mütterlichen Arme, um Ihr die erste Umarmung und den ersten Kuss zu geben.
Da seine kleinen Arme zu kurz waren, um Sie ganz zu umarmen, umschloss das aus seinen Händchen tretende Licht sie ganz, sodass Mutter und Sohn von demselben Licht umhüllt wurden.
O wie innig vergalt die Königin Mutter dem Sohn mit ihrer Umarmung und ihrem Kuss, sodass Sie derart aneinandergedrückt blieben, dass beide ineinander verabgründet schienen!
Mit ihrer Liebe kompensierte Sie die erste Ablehnung, die Jesus in den Herzen der Geschöpfe erfuhr, und ihr anmutiges Kindlein legte seinen ersten Akt der Geburt, seine Gnaden, seinen ersten Schmerz ins Herz seiner Mama, damit man das, was man im Sohn sah, auch in seiner Mutter sehen könne.
Dann kam das liebliche Kindlein in meine Arme, und als Es mich fest drückte, fühlte ich, dass Es in mich eintrat und ich in Es, und dann sagte Es zu mir:
„Meine Tochter, Ich wollte dich umarmen, wie Ich meine liebe Mama als Neugeborenes umarmte, damit auch du meinen ersten Akt der Geburt und meinen ersten Schmerz, meine Tränen, mein zartes Wimmern empfängst, damit dich mein schmerzvoller Zustand bei meiner Geburt zum Mitleid bewege.
Hätte Ich nicht meine Mutter gehabt, in die Ich alle Schätze meiner Geburt legen und in der Ich das Licht meiner Gottheit konzentrieren konnte, das Ich, das Wort des Vaters, enthielt, hätte Ich niemanden gefunden, wo Ich weder den unendlichen Schatz meiner Geburt hinterlegen, noch das Licht meiner Gottheit festmachen konnte, das aus meiner kleinen Menschheit hervorstrahlte.
Du siehst also, wenn die Höchste Majestät entschlossen ist, den Geschöpfen ein großes Gut zu geben, das als universelles Gut dienen kann, so müssen Wir notwendigerweise eine Seele erwählen und ihr so viel Gnade geben, dass sie jenes Gut ganz in sich aufnehmen kann, das all die anderen empfangen sollten.
Wenn nämlich die anderen es nicht zur Gänze oder nur zum Teil empfangen, bleibt dieses unser Werk nicht suspendiert (verspart, unterbrochen) und ohne seine Frucht, sondern die auserwählte Seele empfängt all dieses Gut in sich, und unser Werk empfängt die Vergeltung der Frucht.
So war meine Mutter nicht nur die Schatzwalterin meines Lebens, sondern all meiner Akte. Daher sah Ich bei allen meinen Akten zuvor nach, ob Ich sie in Sie niederlegen konnte, und dann tat Ich diese Akte.
So legte Ich in Sie meine Tränen, mein Wimmern, die Kälte und die Leiden nieder, die Ich litt, und Sie formte den Widerhall auf all meine Akte und empfing alles mit unaufhörlichen Danksagungen. Es herrschte ein Wettstreit zwischen Mutter und Sohn, Ich im Geben und Sie im Empfangen.
Als meine kleine Menschheit diesen ersten Eintritt auf Erden vollzog, wollte meine Gottheit durch sie durchscheinen, um überall ihren Rundgang zu machen und den ersten für die ganze Schöpfung wahrnehmbaren Besuch zu machen. Himmel und Erde empfingen alle diesen Besuch ihres Schöpfers, außer dem Menschen.
Nie hatte sie so viel Ehre und Herrlichkeit wie damals empfangen, als die geschaffenen Dinge in ihrer Mitte ihren König, ihren Schöpfer sahen, durch den sich alle geehrt fühlten, weil sie Dem dienen sollten, von Dem sie die Existenz empfangen hatten, und deshalb feierten alle ein Fest.
So war meine Geburt seitens meiner Mutter und der ganzen Schöpfung für Mich von großer Freude und Herrlichkeit, seitens der Menschen gereichte sie Mir zu großem Schmerz.
Deshalb bin Ich zu dir gekommen, damit Mir [in dir] die Freuden meiner Mutter wiederholt werden, und um in dir die Frucht meiner Geburt niederzulegen.“
Dann überlegte ich, wie elend diese Grotte wohl war, wo das Jesuskind geboren wurde, wie sie allen Winden und der Kälte ausgesetzt war, dass es einen zu Eis erstarren ließ, und anstatt der Menschen, Tiere Ihm Gesellschaft leisteten.
So dachte ich: „Was war unglücklicher und schmerzlicher, das Gefängnis der Nacht seiner Passion oder die Grotte von Betlehem?“ Da erwiderte mein süßes Kind:
„Meine Tochter, man kann das Elend des Gefängnisses meiner Passion nicht mit der Grotte von Betlehem vergleichen. In der Grotte war meine Mama mit Seele und Leib in der Nähe.
Sie war mit Mir zusammen, daher genoss Ich alle Freuden meiner teuren Mutter, und Sie hatte alle Freuden mit Mir, ihrem Sohn, die unser Paradies bildeten.
Die Freuden einer Mutter am Besitz ihres Kindes sind groß, die Freuden, eine Mutter zu besitzen, sind noch größer.
Ich fand alles in Ihr, und Sie fand alles in Mir. Dann war noch mein lieber Nährvater, der heilige Josef, der an Mir wie ein Vater handelte, und Ich empfand alle seine Freuden, die er Meinetwegen fühlte.
Bei meiner Passion jedoch waren alle unsere Freuden unterbrochen, da Wir dem Schmerz Raum geben sollten, und zwischen Mutter und Sohn war der große Schmerz der nahen, zumindest fühlbaren Trennung, die mit meinem Tod geschehen sollte.
In der Grotte erkannten Mich die Tiere, und Mir Ehre erweisend, suchten sie, Mich mit ihrem Atem zu erwärmen.
Im Gefängnis erkannten Mich nicht einmal die Menschen, und um Mich zu beleidigen, bedeckten sie Mich mit Speichel und Schändlichkeit.
Deshalb gibt es keinen Vergleich zwischen den beiden.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 25. Dezember 1926)
