Samstag der 10. Woche im Jahreskreis (Mt 5, 33-37)
33In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. 34Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, 35noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs!
36Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. 37Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.
„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen“ (Mt 5,37)
Da der Beichtvater mir mitgeteilt hatte, dass Monsignore keinen Besuch von Personen bei mir wünscht, damit ich nicht abgelenkt werde, sagte ich zu ihm:
„Sie haben mir diesen Gehorsam mehr als einmal aufgetragen, doch wurde er nie eingehalten; es geht nur für eine kurze Zeit so, und dann ist alles wieder wie vorher. Wenn Sie mir aber im Gehorsam auftragen, nicht mehr zu sprechen, wird mein Schweigen sie alle von mir fernhalten.“
Als ich die hl. Kommunion empfangen hatte, sagte ich zum Herrn: „Wenn es Dir gefällt, möchte ich gerne wissen, wie die Dinge in deinen Augen sind. Du kennst den gewaltsamen Zustand, in dem ich mich befinde, wenn ich mit den Menschen zusammen bin, denn mit Dir allein fühle ich mich wohl.
Ich kann nicht verstehen, warum sie kommen wollen. Ich zeige mich eher ungeschliffen und wende kein Mittel an, um sie anzuziehen, sondern habe eher missfällige Manieren. Ich weiß nicht, warum sie kommen wollen. O, möge der Himmel gewähren, dass ich allein bleiben kann!“
Da sprach Er zu mir: „Meine Tochter, die lautere, nackte und einfache Wahrheit ist der mächtigste Magnet, der die Herzen anzieht und sie disponiert, jedes Opfer aus Liebe zur Wahrheit und zu den Personen, die diese Wahrheit enthüllen, zu bringen. Wer hat die Märtyrer bereit gemacht, ihr Blut zu vergießen? Die Wahrheit.
Wer gab so vielen anderen Heiligen die Kraft, ein reines und ehrenhaftes Leben inmitten so vieler Kämpfe zu führen? Die Wahrheit, und zwar die nackte, einfache und uneigennützige Wahrheit. Daher wollen die Menschen zu dir kommen.
Ach, meine Tochter, wie schwer ist es in diesen traurigen Zeiten, jemanden zu finden, der diese bloße Wahrheit kundtut, sogar unter dem Klerus, den Gottgeweihten und den Frommen! Ihr Sprechen und Handeln enthält immer etwas Menschliches, oder ein Interesse oder anderes, und die Wahrheit wird wie zugedeckt oder verschleiert geäußert.
So wird die Person, an die sie gerichtet ist, nicht von der nackten Wahrheit berührt, sondern von dem Interesse oder einer anderen menschlichen Absicht, in welche die Wahrheit gehüllt wurde, und sie empfängt nicht die Gnade und die Wirkungen, welche die Wahrheit enthält.
Deshalb werden so viele Sakramente, so viele Beichten vergeudet, profaniert und sind ohne Frucht, obwohl Ich es nicht unterlasse, sie zu erleuchten; doch sie hören Mich nicht, da sie glauben, dass sie ihr Ansehen und die Sympathien verlieren würden, wenn sie so handeln. Sie denken, dass ihre Natur keine Befriedigung mehr fände, und ihre eigenen Interessen Schaden litten.
Doch – wie sehr täuschen sie sich! Denn wer alles aus Liebe zur Wahrheit verlässt, wird in allem Überfluss haben, mehr als die anderen. Unterlasse es daher nicht, so gut du kannst, diese nackte und einfache Wahrheit mitzuteilen, natürlich immer unter dem Gehorsam dem gegenüber, der dich führt, doch wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann gib die Wahrheit kund.“
Alles, was die Nächstenliebe betrifft, habe ich auf verhüllte Art gesagt; und da der Gehorsam mir aufgetragen hat, dass ich alles genau niederschreiben soll, hatte ich den Eindruck, dass ich noch nicht gehorcht hätte.
Als ich Unseren Herrn fragte, sagte Er mir, dass es gut war, wie es ist, denn wer diese Fehler hat, würde es schon verstehen. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 7; 16. September 1906)
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Ich war weiterhin in meinem gewohnten Zustand, da kam mein anbetungswürdiger Jesus nur kurz und sprach zu mir:
„Meine Tochter, damit die Gnade frei in die Seele eintreten kann, muss die Seele so in der Welt leben, als gäbe es nur Gott und sie, denn jeder andere Gedanke oder Sache stellen sich zwischen die Seele und die Gnade und verhindern dadurch, dass die Gnade in die Seele eintritt und die Seele die Gnade aufnimmt.“
Anderntags sagte Er zu mir:
„Meine Tochter, der Hauptgrund für die Erneuerung meiner Passion ist der Mangel an Entschlossenheit; ach, selbst die Menschen untereinander sind nicht so niederträchtig, dass sie das Versprochene nicht einhalten, nur Mir gegenüber werden sie so gemein und undankbar.
Dies, obwohl sie wissen, dass Ich darunter sehr leide – dass sie mir bald etwas versprechen und dann das Versprochene widerrufen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 22. August 1907)
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Ich dachte über das nach, was oben geschrieben steht und sagte zu mir: „Ich weiß nicht, was Jesus von mir will; Er weiß doch, wie schlecht und zu nichts zu gebrauchen ich bin.“ Da bewegte sich Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir:
„Meine Tochter, denk daran, dass Ich dich vor Jahren fragte, ob du dein Leben in meinem Wollen führen willst, und da Ich dich in meinem Willen wollte, wünschte ich, dass du in meinem eigenen Willen dein ‚Ja‘ aussprichst.
Dieses ‚Ja‘ wurde an einen ewigen Punkt gebunden und an einen Willen, der kein Ende haben wird. Dieses ‚Ja‘ ist im Zentrum meines Willens; es ist umgeben von einer unendlichen Unermesslichkeit, und wenn die Seele heraustreten wollte, würde sie gleichsam den Weg nicht finden.
Daher lache und vergnüge Ich Mich über deine kleinen Widerstände und ein wenig Unzufriedenheit von dir. Ich sehe dich wie jene Personen, die aus eigenem Willen in der Tiefe des Meeres gefesselt sind, und wenn sie herauskommen wollten, nichts als Wasser vorfinden; und da sie am Meeresgrund angebunden sind, fühlen sie die Lästigkeit des Wunsches, herausgehen zu wollen, und um ruhig und glücklich zu bleiben, tauchen sie noch tiefer in den Grund des Meeres hinab.
Wenn Ich dich so in Verlegenheit sehe, wie du herauskommen willst und nicht kannst, da du von deinem eigenen ‚Ja‘ gebunden bist, lache und unterhalte Ich Mich, da du noch tiefer in den Grund meines Willens hinabtauchst.
Außerdem glaubst du etwa, es sei eine leichte Kleinigkeit, sich vom Inneren meines Willens zu trennen? Du würdest von einem ewigen Punkt abrücken, und wenn du wüsstest, was es bedeutet, einen ewigen Punkt zu bewegen, würdest du vor Schreck erzittern.“
Danach fügte Er hinzu: „Das erste Ja in meinem Fiat habe Ich von meiner teuren Mutter verlangt. Und oh, welche Macht ihres Fiat in meinem Willen: Sobald sich das göttliche Fiat und das Fiat meiner Mutter begegnet sind, wurden sie zu einem einzigen; mein Fiat erhob sie, vergöttlichte sie, überschattete sie, und ohne menschliches Zutun empfing sie Mich, den Sohn Gottes.
Nur in meinem Fiat konnte sie Mich empfangen. Mein Fiat verlieh ihr die Unermesslichkeit, die Unendlichkeit und Fruchtbarkeit auf göttliche Weise, und daher konnte Ich, der Unermessliche, Ewige, Unendliche in ihr empfangen werden.
Sobald sie „Fiat Mihi“ sagte, nahm sie nicht nur Besitz von Mir, sondern verbarg [mit Mir] zusammen alle Geschöpfe [in sich], alle geschaffenen Dinge; sie fühlte alles Leben der Geschöpfe in sich, und seit damals begann sie sich als Mutter und Königin aller zu betätigen.
Welche Wunder enthält dieses Ja meiner Mutter! Wenn Ich alle aufzählen wollten, würdest du niemals mit dem Zuhören fertig werden. Jetzt habe Ich ein zweites Ja in meinem Willen von dir verlangt, und du hast es – obschon zitternd – ausgesprochen.
Nun wird dieses Ja in meinem Wollen seine Wunder bewirken und eine göttliche Vollendung haben. Folge Mir und vereinige dich mit dem unermesslichen Meer meines Willens, und Ich werde an alles denken.
Meine Mutter grübelte nicht darüber nach, auf welche Weise Ich in ihr empfangen werden sollte, sondern sagte nur FIAT MIHI, und Ich dachte an die Art und Weise meiner Empfängnis. So wirst auch du es tun.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 12; 10. Januar 1921)


