1. Adventssonntag – A – (Mt 24,37-44)
37In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. 38Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, 39und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.
40Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. 41Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. 42Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
43Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. 44Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
„Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein“ (Mt 24,38+39)
Als ich in meinem gewohnten Zustand fortfuhr fühlte, ich mich sehr verbittert und sagte zu mir: „Einzig dein Wille bleibt mir, ich habe nichts mehr, alles ist verschwunden.“ Und mein Jesus regte sich in meinem Inneren und sprach zu mir:
„Meine Tochter, mein Wille ist es, der dir bleiben muss; sein Symbol ist das Wasser, das man reichlich in den Meeren, in den Flüssen und Brunnen sieht, während die restliche Erde aussieht, als ob es dort nicht einmal Wasser gäbe; und doch gibt es aber keinen Punkt auf der Erde, der nicht vom Wasser durchtränkt wäre; es gibt keine Gebäude, bei dessen Errichtung das Wasser nicht der primäre Baustoff gewesen wäre, es gibt keine Speise, wo das Wasser nicht den ersten Platz inne hätte, sonst wäre es eine trockene Speise, die der Mensch nicht einmal hinunterschlucken könnte.
So gewaltig und groß ist die Kraft, die das Wasser enthält, dass, wenn es die Freiheit hätte, aus den Ufern des Meeres herauszutreten, es die ganze Erde umstürzen und in Schrecken versetzen würde.
Mehr als das Wasser ist mein Wille: es ist wahr, dass Er an bestimmten Orten und gewissen Epochen und Umständen, wie eingegrenzt ist in überaus ausgedehnten Meeren, Flüssen und Brunnen, aber es gibt keine große oder kleine Sache, in denen mein Wille nicht fließt und den ersten Platz innehätte, jedoch wie verborgen, wie das Wasser in der Erde verborgen ist, das, während es sich nicht zeigt, dennoch die Pflanzen wachsen lässt und der Wurzel das Leben verleiht.
Aber wenn meine Liebe die Ära meines Willens anbrechen lassen wird, die neue Ära der größten Wohltat gegen die Geschöpfe, dann werden die Meere und Flüsse meines Willens aus den Ufern treten und mit ihren gigantischen Wellen alles in meinem Willen umstürzen, aber nicht mehr in verborgener Weise, sondern seine tosenden Wellen werden allen sichtbar sein und alle treffen; und wer dem Strom Widerstand leisten will, wird Gefahr laufen, sein Leben zu verlieren.
Nun, da dir einzig mein Wille geblieben ist, bist du wie das Wasser, das den ersten Platz über allen Gütern und in allen Dingen, sowohl im Himmel wie auf Erden innehat. Und wenn mein Wille aus seinen Ufern heraustreten wird, wird dein Wille – verschwunden in dem Meinen – seine Vorrangstellung über sie einnehmen.
Was willst du mehr?“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 13; 20. Juli 1921)
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Ich war weiter in meinem gewohnten Zustand, da ließ sich mein stets liebenswürdiger Jesus aus meinem Inneren heraus sehen, wo sich etwas wie ein Türchen öffnete, und Er lehnte seine Arme darauf und streckte seinen Kopf heraus, um zu sehen, was die anderen Geschöpfe taten.
Ich schaute zusammen mit Jesus, doch wer kann sagen, welch Böses zu sehen war, die Beleidigungen, die begangen wurden, und die Züchtigungen, die herabregnen werden? Diese so schmerzvolle Sicht war entsetzlich. Ich sah auch unser armes Land von der Geißel Gottes geschlagen.
Als ich nun sah, dass Jesus die Menschen mit liebender und schmerzhafter Zärtlichkeit ansah, während es mir in den vergangenen Tagen nicht gelungen war, dass Er die Geschöpfe anschaue und ihnen sein Antlitz zuwende, sagte ich zu Ihm: „Meine Liebe und mein Leben, siehst du, wie deine und meine lieben Brüder leiden, willst Du kein Mitleid haben?
Wie gerne würde ich alles leiden, damit sie verschont würden. Sieh, das ist eine Verpflichtung, die mir der Zustand des Opfers auferlegt, deine Nachahmung. Hast Du nicht alles für uns gelitten? Und wie kannst Du wollen, dass ich nicht leide, um sie zu verschonen, und dass ich Dich nicht nachahme, während Du so viel gelitten hast?“ Und Jesus unterbrach meine Rede und sagte zu mir:
„Ach, meine Tochter! Der Mensch hat einen Punkt erreicht, dass Ich ihn nicht ohne Schrecken ansehen kann. Und wenn Ich ihn ansehe, so nur aus deinem Inneren, denn da Ich in dir die ganze Zärtlichkeit meiner Menschheit und meine Gebete finde, fühle Ich Mich geneigt, ihn mit Mitleid anzusehen, und aus Liebe zu dir werde Ich ihr Leben verschonen.
Der Mensch braucht gründliche Läuterung, ansonsten wird er seinen Sinn nicht ändern; und daher werde Ich alles fortreißen, um alles zu erneuern. Ich werde unvorhergesehene Dinge tun, neue Züchtigungen, deren Grund der Mensch nicht wird finden können, und zwar, um ihn zu verwirren. Du aber fürchte dich nicht, aus Liebe zu dir werde Ich einige Dinge aussparen.
Ich fühle in dir den Strom der Verbindung mit allen Geschöpfen, wie Ich ihn in meiner Menschheit empfand, und deshalb ist es schwer für Mich, dir nicht alles zu geben und dich nicht in allem zufriedenzustellen.“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 14; 19. Mai 1922)
„Seid also wachsam!“ (Mt 24,42)
… So setzte ich meine Runden in den Akten des Göttlichen Willens fort. Ich fühlte mich leidend und voller Unrast, die ich nicht beruhigen konnte. Die Minuten schienen mir Jahrhunderte zu sein. Was für eine ewig lange Nacht! Ich wartete auf das Kommen meines guten Jesus, dass Er mich beruhige.
Nach langem Warten schließlich zeigte sich mein guter Jesus ganz bekümmert und sprach voller Güte zu mir: „Arme Tochter, wie hart ist doch das Wachen, nicht wahr? Wie oft erduldet dein Jesus diese harten und qualvollen Leiden! Wie lange lassen Mich die Geschöpfe wachen! Ich kann sagen, dass Ich stets wache und die Rastlosigkeit meiner Liebe erleide.
Wenn die Seele sündigt, fühle Ich, wie sie meinen Armen entgleitet, und Ich wache. Ich schaue sie an und sehe, wie Dämonen sie umgeben, die feiern und sogar das Gute, das sie getan hat, verspotten. Das arme Gute, wie sehr wird es mit dem Schlamm der Schuld bedeckt! Da Ich sie noch immer liebe, sende Ich ihr kleine Lichtschimmer und wache. Ich gebe ihr Reue, damit sie sich wieder erhebe und Ich wache.
Die Minuten scheinen Mir wie Jahrhunderte, und Ich kann mich nicht beruhigen, wenn Ich sie nicht in meine Arme zurückkehren sehe … und so wache Ich. Ich wache stets und spähe ihre Herzschläge und die Gedanken ihres Geistes aus, um in ihr die Erinnerung an meine große Liebe zu wecken, doch leider vergeblich…. und Ich muss weiter warten. Welch hartes Wachen!
Wenn sie zu Mir zurückkehrt, dann ruhe Ich ein wenig, sonst dauert meine Wache an. Wenn eine andere Seele etwas Gutes tun möchte, aber sich damit Zeit lässt und sich nie entschließt, auch dann wache Ich. Ich trachte sie mit meiner Liebe, mit Inspirationen und sogar mit Verheißungen anzulocken, aber sie kann sich nicht entscheiden und findet so viele Vorwände und Schwierigkeiten, wodurch sie Mich stets wachhält.
Wie viele und verschiedenartige Wachen bereiten Mir die Geschöpfe! Siehe, dies ist der Grund für dein Wachsein, damit du Mir in meinem ständigen Wachen ein wenig Gesellschaft leistest. Leiden Wir darum gemeinsam. Liebe Mich, und Ich werde ein wenig Ruhe in meinem langen Wachen finden.“
Dann fügte Er mit einem noch zärtlicheren Ton hinzu: „Tochter meiner Leiden, willst du wissen, wer Mich vor dieser so harten Pein des ständigen Wachens verschont? Eine Seele, die in meinem Willen lebt; ja mehr noch, sobald sie sich zum Leben in Ihm entschließt, erkläre Ich sie zu meiner Tochter und rufe den ganzen Himmel, die Heiligste Dreifaltigkeit, um die neue Tochter zu feiern, die Ich erworben habe.
Alle erkennen sie, denn Ich schreibe ihren Namen mit unauslöschlichen Buchstaben in mein Herz und schreibe in meiner stets brennenden Liebe: ‚Meine Tochter.’ In meinem Willen nun ist sie immer bei Mir, und alles, was Ich tue, tut auch sie. Daher wird sie in meinen ständigen Neugeburten [Wieder-Auferstehungen] zugleich mit Mir wiedergeboren, und Ich schreibe [in mein Herz] ‚Die Tochter meiner Geburt.’
Wenn der Undank der Menschen Mich zum Weinen bringt, weint sie gemeinsam mit Mir, und Ich schreibe sie sogar in meine Tränen ein: ‚Die Tochter meiner Tränen.’ Mit einem Wort, wenn Ich leide, arbeite, gehe, so schreibe Ich: ‚Die Tochter meiner Leiden, meiner Arbeiten oder Schritte’, und Ich bringe sie überall hin, eingraviert in mein Herz.
Nun, du sollst wissen, dass es zwischen Vater und Kindern unauflösliche, dauerhafte Bande gibt. Niemand kann die Rechte der Vaterschaft und der Nachkommenschaft ignorieren, weder in der übernatürlichen noch in der natürlichen Ordnung.
So fühle Ich Mich als Vater verpflichtet, diese Seele als Erbin meiner Güter, Liebe und Heiligkeit einzusetzen, die Ich so feierlich zu meiner Tochter erklärt habe, dass sie sogar in mein Herz eingeschrieben ist. Sie nicht zu lieben vermag Ich nicht, denn dies würde Ich als Betrug an meiner Vaterliebe empfinden.
So hat sie die Pflicht, Mich zu lieben und die Güter ihres Vaters zu besitzen, Ihn zu verteidigen und bekannt zu machen und ihr Leben einzusetzen, damit niemand Mich beleidigt.
O, wie schön ist es, diese meine Kinder zu sehen, die in meinem Willen leben und Mir sogar sagen: ‚Mein Vater, Du hast schon allzu lange gewacht und bist nun müde. Ruhe Dich aus; und damit deine Ruhe sanft und süß sei, ruhe in meiner Liebe, und ich werde an deiner statt bei den Seelen wachen. Wer weiß, vielleicht gelingt es mir [, eine Seele zurückzubringen], damit Du sie findest, wenn Du aufwachst!’ Und Ich vertraue ihnen und ruhe etwas aus.
Was kann eine Seele nicht alles tun, die in meinem Willen lebt? Sie kann alles für Mich tun, denn das Licht des Göttlichen Willens macht ihr all meine Leiden bewusst, und Ich tue alles für sie. Wir wechseln uns beim Wachen und Ruhen ab. Wie schön ist das Leben in meinem Willen! Die Seele versetzt sich in unsere eigene Lage: was Wir wollen, das will auch sie.
Es ist das Heiligste, Größte und Edelste, voller Majestät und Reinheit, das zu wollen, was Gott will. Kein anderer Akt kann eine solch erhabene Höhe oder solch unendlichen Wert erreichen, nämlich zu wollen, was Gott will. Gott ist heilig und rein, Er ist Ordnung und Güte. Wenn die Seele das will, was Gott will, will sie das, was heilig, rein, gut und in vollkommener Ordnung ist.
Sie fühlt sich in Gott neu geboren und tut das, was Er tut. Gott bewirkt alles, umfasst alles, bewegt sich in allen, und sie wirkt bei dem, was Gott tut, mit. Sie könnte nichts Größeres tun. Darum gibt es nichts Höheres als das Leben in meinem Willen, noch kann ihm etwas gleichkommen. Lebe daher immer in meinem FIAT, und Wir werden beide glücklich sein.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 10. Mai 1938)
