20In jener Zeit begann Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten: 21Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack und Asche Buße getan.
22Ja, das sage ich euch: Tyrus und Sidon wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie euch. 23Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen. Wenn in Sodom die Wunder geschehen wären, die bei dir geschehen sind, dann stünde es noch heute.
24Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir.

„In jener Zeit begann Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, Vorwürfe zu machen, weil sie sich nicht bekehrt hatten“ (Mt 11,20)

Als ich mich in meinem gewohnten Zustand befand, und nachdem ich bitterste Beraubungen meines süßen Jesus durchlitten hatte, zeigte Er sich schließlich. Ohne mir auch nur ein Wort zu sagen, versetzte Er mich in eine schmerzvolle Stellung, in vollkommene Unbeweglichkeit…
Ich fühlte das Leben und konnte mich nicht bewegen, ich nahm den Atem wahr und konnte nicht atmen. Meine ganze arme Person konnte sich nicht im mindesten bewegen, und während ich den Schmerz litt, war ich nicht in der Lage, mich wegen des Schmerzes, den ich empfand, zu krümmen, sondern war durch die Gegenwart Jesu und seines Heiligsten Willens gezwungen, unbeweglich zu bleiben.
Als es nun meinem gebenedeiten Jesus gefiel, streckte Er seine Arme aus, wie um mich zu nehmen und an seine Brust zu drücken und sprach zu mir: „Meine Tochter, hast du bemerkt, wie schmerzlich der Zustand der Unbeweglichkeit ist?
Es ist der härteste Zustand, denn sogar, wenn man die bittersten Schmerzen erleidet, bereitet die Bewegung Erleichterung und ist Zeichen des Lebens; die Verkrümmungen sind stumme Stimmen, die um Hilfe bitten und von den Umstehenden Mitleid erheischen.
Du hast erfahren, wie schmerzvoll das ist: doch weißt du, warum Ich dich in diesen Zustand der Unbeweglichkeit versetzte?
Um dir den Zustand vor Augen zu führen, in dem sich meine Gnade befindet und von dir eine Wiedergutmachung zu haben. O, in welchem Zustand der Unbeweglichkeit befindet sich meine Gnade!
Sie ist Leben und dauernde Bewegung und ständig dabei, sich den Menschen zu schenken.
Die Geschöpfe weisen sie zurück und machen sie reglos; sie fühlt das Leben, will das Leben geben, und ist von der menschlichen Undankbarkeit genötigt, bewegungslos und ohne Regung zu bleiben.
Welche Pein! Meine Gnade ist Licht und breitet sich so natürlich wie das Licht aus, und die Geschöpfe tun nichts anderes, als Finsternis auszuströmen.
Während mein Licht in sie eintreten will, lähmt die Finsternis, die sie verbreiten, mein Licht und macht es wie unbeweglich und leblos für die Geschöpfe.
Meine Gnade ist Liebe und enthält die Kraft, alle zu entfachen, doch die Menschen lieben etwas anders und machen diese Liebe für sie gleichsam zunichte – und meine Gnade empfindet den qualvollsten Schmerz wegen der Unbeweglichkeit, in welche die Geschöpfe sie versetzen. O, in welch schmerzlichsten Bedrängnissen befindet sich meine Gnade!
Und dies nicht nur von denen, die offen als schlecht bezeichnet werden, sondern die man religiöse, fromme Seelen nennt; und oftmals wegen einer unbedeutenden Kleinigkeit, wegen einer Sache, die ihnen nicht liegt, einer Laune, einer ganz unedlen Anhänglichkeit oder weil sie selbst in den heiligen Dingen nicht die Befriedigung ihres eigenen Willens finden; während meine Gnade ganz beweglich und lebendig für sie ist, schränken sie sie ein bis zur Bewegungslosigkeit und klammern sich an das, was ihnen passt, an Launen und menschliche Anhänglichkeiten und alles, worin sie die Befriedigung ihres eigenen Ich finden.
So setzen sie an Stelle meiner Gnade das eigene Ich als Leben und eigenen Götzen ein. Doch kennst du die Trösterin, die unzertrennliche Begleiterin, jene, welche die Bewegung und das Leben meiner Gnade hinreißt, ja deren Bewegung noch mehr beschleunigt und sie keinen Augenblick bewegungslos sein lässt?
Es ist die Seele, die in meinem Willen lebt. Wo mein Wille herrscht, ist meine Gnade immer in Bewegung, stets in Feststimmung, immer am Werk und bleibt niemals verdrossen und untätig.
Die Seele, in der mein Wille herrscht, ist der Liebling, der Benjamin der Gnade, ihre kleine Sekretärin, in der sie die Geheimnisse ihrer Schmerzen und ihrer Freuden niederlegt und der sie alles anvertraut, da mein Wille genug Platz hat, um das Depot aufzunehmen, das meine Gnade fasst, denn sie ist nichts anderes als ein ständiger Spross aus meinem höchsten Willen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 20. Juli 1925)

„Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack und Asche Buße getan“ (Mt 11, 21)

… Wieder vernehme ich deine sanfte Stimme, die, während du ihnen entgegengehst, an deine Feinde die Frage stellt: „Wen suchet ihr?“ Und sie antworten: „Jesus von Nazareth.“ Und du entgegnest: „Ich bin es!“
Mit diesen wenigen Worten sagst du alles und gibst dich als den zu erkennen, der du wirklich bist, so dass deine Feinde vor Schrecken erzittern und wie tot zu Boden stürzen.
Du, meine Liebe, der seinesgleichen nicht hat, rufst sie mit einem zweiten „Ich bin es!“ zum Bewusstsein zurück und überlieferst dich ihren Händen.
Aber anstatt sich zu demütigen und erschüttert zu deinen Füßen niederzuwerfen, misstrauen die Treulosen und Undankbaren deiner Güte, missachten deine Gnaden und Wunder, legen dir die Hände auf den Rücken, binden und fesseln dich mit Stricken und Ketten, werfen dich auf den Boden, treten dich mit Füßen und raufen dir die Haare aus.
Du aber schweigst mit unerhörter Geduld, erträgst und sühnst alle diese Unbilden, die man dir ungeachtet deiner Wunder mit immer größerer Hartnäckigkeit zufügt.
Mit den Stricken und Ketten, die dich binden, sprengst du die Ketten unserer Sündenschuld und fesselst uns mit den süßen Banden der Liebe an dich.
Liebevoll tadelst du Petrus, der dich mit dem Schwert verteidigen will und Malchus ein Ohr abschlägt, das jedoch von dir wieder geheilt wird.
Damit willst du Ersatz leisten für jene guten Werke, die nicht mit heiliger Klugheit verrichtet werden, und für jene sühnen, die aus allzu großem Eifer in Schuld fallen… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“ nach den Schriften der Dienerin Gottes Luisa Piccarreta; Stunde von Mitternacht bis 1 Uhr: Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane)

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Ich bin wieder vom Alptraum meiner gewohnten Leiden heimgesucht. Nach einem Monat der Unterbrechung beginnen sie wieder, und ich stehe wieder am Anfang. Zuerst fühlte ich mich frei von allen Leiden, da mein süßer Jesus mich nicht mehr in den Zustand der Steifheit und Unbeweglichkeit versetzte.
[Früher, als Er so gehandelt hatte] hatte ich das Gefühl gehabt, als würde mein Leben enden, als ich bewegungslos und steif war. Und doch war ich am Leben, aber gleichsam erdrosselt und ohne die geringste Herrschaft über mich selbst, und wartete mit einer Geduld, die nur Jesus mir geben konnte, auf den [Priester], der mir im Namen des Gehorsams wieder Bewegung verleihen und mich aus dem Abgrund ziehen sollte, in dem ich mich befand.
Als ich mich aber [jetzt] [leidens]frei sah, so fühlte ich – wie gerne ich die Leiden mit Jesus auch teilen wollte – dennoch meine Natur triumphieren, zumal ich [jetzt] niemanden mehr brauchte [,der mich aus meinem Zustand befreien musste].
Als ich mich daher wieder gefesselt und in dem früheren Abgrund festgehalten fand, empfand meine arme Natur einen so großen Widerwillen: wenn mein geliebter Jesus mir nicht hilft, mich nicht stärkt und mit besonderen Gnaden anlockt, weiß ich nicht, was ich alles täte, damit ich nicht in diesen Leidenszustand falle.
Ach, mein Jesus, hilf mir, Du, der Du mich so viele Jahre lang in diesem leidvollen Zustand unterstützt hast! Wenn ich darin weitermachen soll, so unterstütze mich weiter und sei barmherzig mit dieser armen Sünderin, damit ich mich deinem heiligsten Willen nicht widersetze!
Als ich zwischen Widerwillen und Ängsten schwebte, von meinen gewohnten Leiden überrascht zu werden, zeigte sich mein anbetungswürdiger Jesus in großen Leiden und sprach zu mir:
„Meine Tochter, was ist los, willst du nicht mehr gemeinsam mit Mir leiden? Willst du Mich denn alleine lassen? Willst du Mir die Rechte verweigern, die du Mir so oft gegeben hast, dass Ich mit dir tun kann, was Ich will? Gute Tochter, füge Mir nicht dieses Leid zu, sondern gib dich meinen Armen hin und lasse Mich tun, was Ich will.”
Und ich: „Meine Liebe, vergib mir. Du weißt, in welchen Kämpfen ich mich befinde und wie tief ich gedemütigt bin. Wenn die Dinge so stünden wie zuvor – wann habe ich Dir jemals etwas verweigert?
Beachte dies und denk daran, o Jesus, was Du mir antust und in welches Labyrinth Du mich wirfst, wenn Du mich in die gewohnten Leiden fallen lässt. Und wenn ich Dir mein Fiat sage, so muss ich mir dabei so viel Gewalt antun, dass ich zu sterben meine. Jesus, Jesus, hilf mir!’
Und Jesus: „Meine gute Tochter, fürchte dich nicht. Die Demütigung bringt die Herrlichkeit mit sich, der Verachtung durch die Geschöpfe folgt die Wertschätzung Gottes; und von den Menschen verlassen zu sein, ruft die treue Gesellschaft deines Jesus herbei.
Lasse Mich deshalb tun. Wenn du wüsstest, wie die göttliche Gerechtigkeit bewaffnet bereitsteht, würdest du dich nicht widersetzen, sondern Mich um Leiden bitten, um deine Brüder teilweise zu verschonen.
Es werden noch mehr Gebiete verwüstet werden, und das Elend steht schon an den Pforten der Städte und Nationen. Mein Herz ist voller Zärtlichkeit bewegt über den Zustand der Trostlosigkeit und Erschütterung auf Erden; doch diese meine so feinfühlige Zärtlichkeit für die Menschen wird von ihrer Hartherzigkeit so sehr beleidigt.
O wie unerträglich ist Mir diese Herzenshärte – umso mehr gegen mein Herz, das ganz liebende Zärtlichkeit und Güte für sie ist!
Ein hartes Herz ist zu allem Bösen fähig und kann sogar so weit gehen, sich über die Leiden der anderen lustig zu machen. Es verwandelt die Zärtlichkeiten meines Herzens zu ihm in Schmerz und tiefe Wunden.
Das schönste an meinem Herzen ist die Zärtlichkeit: alle Fasern, Affekte, Wünsche, die Liebe und mein Herzschlag besitzen das Prinzip der Zärtlichkeit, so dass meine Fasern zärtlich sind, meine Affekte und Wünsche überaus zärtlich sind.
Und meine Liebe und mein Herzschlag sind so zärtlich, dass sie mein Herz aus Zärtlichkeit sogar zerschmelzen lassen, und diese zärtliche Liebe lässt Mich die Geschöpfe so sehr lieben, dass lieber Ich leide, als sie leiden zu sehen.
Eine Liebe, die nicht zärtlich ist, ist wie eine Speise ohne Würze, wie eine alt gewordene Schönheit, die niemanden anziehen kann, um geliebt zu werden; ist wie eine Blume ohne Duft, wie eine trockene Frucht ohne Saft und Süßigkeit.
Eine harte Liebe ohne Zärtlichkeit ist inakzeptabel und hätte nicht die Kraft, sich von jemandem lieben zu lassen.
Daher leidet mein Herz so sehr, wenn es die Härte der Geschöpfe sieht, die meine Gnaden schließlich in Geißeln verwandeln.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 29; 30. März 1931)

„Ja, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dir“ (Mt 11, 24)

Ich sprach mit meinem Beichtvater, und dieser bemerkte: „Wie furchtbar wird es sein, den Zorn Gottes zu sehen, sodass die Bösen am Tag des Gerichts sprechen werden: „Ihr Berge, begrabet uns, fallt über uns her, damit wir nicht das Angesicht des erzürnten Gottes sehen müssen“!
Und ich sprach: „In Gott kann es keinen Zorn geben, sondern es ist vielmehr je nach dem Zustand der Seele: wenn sie gut ist, werden die Gegenwart Gottes, seine Eigenschaften und Attribute sie ganz zu Gott hinziehen, und sie vergeht vor Verlangen, sich ganz in Gott zu versenken; wenn sie böse ist, dann zerschmettert sie die Gottes Gegenwart, und vertreibt sie weit von sich, und wenn sich die Seele abgewiesen fühlt und in sich keinen Keim der Liebe zu einem so heiligen, schönen Gott wahrnimmt, und sich selbst so hässlich und schlecht sieht, dann würde sie gerne aus seiner Gegenwart verschwinden, wenn möglich auch, indem sie sich selbst vernichtet.
In Gott gibt es also keine Veränderung, aber je nachdem, wie wir sind, erfahren wir verschiedene Auswirkungen.“
Danach dachte ich mir: „Wie viel Unsinn habe ich gesagt!“ Als ich dann untertags meine Meditation machte, kam Jesus kurz und sprach zu mir:
„Meine Tochter, du hast es gut gesagt, Ich ändere Mich nicht, aber je nachdem, wie sich der Mensch verändert, fühlt er die verschiedenen Auswirkungen meiner Gegenwart.
In der Tat, wie könnte Mich der fürchten, der Mich liebt, wenn er mein ganzes Wesen in dem seinem fühlt, und dieses sein ganzes Leben ausmacht? Wie sollte er meine Heiligkeit fürchten, wenn er an der Heiligkeit selbst teilhat?
Kann er sich vor meiner Schönheit schämen, wenn er danach strebt, immer schöner zu werden, um Mir zu gefallen und Mir ähnlich zu werden?
Wenn er in seinem Blut, in seinen Händen, seinen Füßen, in seinem Herzen, im Verstand, überall das ganze Göttliche Wesen fließen fühlt, sodass es sein Eigen, und ganz sein Eigen ist, kann sich dieser vor sich selbst schämen? Das ist unmöglich.
Ach, meine Tochter, die Sünde ist es, die den Menschen in solche Unordnung versetzt, dass er sich sogar selbst vernichten möchte, um meine Gegenwart nicht ertragen zu müssen!
Der Tag des Gerichtes wird schrecklich sein für die Bösen: da meine Gerechtigkeit in ihnen nicht den Keim der Liebe, sondern Hass gegen Mich erblickt, gebietet sie Mir, diese nicht zu lieben.
Und Personen, die sich nicht lieben, werden einander nicht nahe sein wollen und Mittel anwenden, um sie [von sich] zu entfernen; Ich werde sie nicht bei Mir haben wollen, und jene wollen nicht bei Mir bleiben – so gehen Wir Uns gegenseitig aus dem Weg.
Die Liebe allein ist es, die alles vereint und beseligt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 5. September 1908)