35In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! 36Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!
37Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. 38Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie.

„Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen!“ (Lk 12,35)

Ich war in meinem gewohnten Zustand, da kam der gebenedeite Jesus nur kurz und sprach zu mir:
Meine Tochter, das Zeichen, um zu erkennen, ob die Seele in meiner Gnade ist, ist jenes: wenn sich meine Gnade ihr mitteilt, ist die Seele bereit, das auszuführen, was die Gnade möchte, sodass die Gnade, die zuerst im Inneren der Seele war und jene, die sich danach mitteilt, sich die Hand reichen und sich zusammen mit dem Willen der Seele an die Arbeit machen.
Wenn die Seele aber nicht bereit ist zum Handeln, so lässt dies viele Zweifel aufkommen.
Die Gnade wird durch den elektrischen Strom symbolisiert, der nur jene Geräte einschalten kann, wo entsprechende Vorrichtungen für den Strom geschaffen wurden; sind jene Vorrichtungen nicht vorhanden, oder ist ein Draht gerissen oder durchgebrannt, kann trotz des Stromes kein Licht übertragen werden.“
Dann verschwand Er. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 8; 6. Februar 1908)

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… Jesus trennt sich mit aller Bereitwilligkeit von seiner Mutter, mag auch sein zartfühlendes Herz bluten. Sind wir ebenso bereit, auch den rechtmäßigsten und heiligsten Übungen zu entsagen, wenn es gilt, die göttlichen Ratschlüsse zu vollziehen?
Erforschen wir besonders unser Gewissen hinsichtlich der Fälle, in denen Gott uns seine fühlbare Gegenwart oder die fühlbare Andacht entzieht… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“; Stunde von 17 bis 18 Uhr: Jesus verabschiedet sich von seiner Mutter)

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… Jesus übergibt sich bereitwillig den Händen seiner Feinde, weil er darin den Willen seines Vaters erblickt. Wenn wir von den Geschöpfen enttäuscht und verraten werden, sind auch wir dann sofort bereit zu verzeihen, wie Jesus verziehen hat?
Nehmen auch wir alles Böse, das uns von den Menschen zukommt, als etwas an, das von der Hand Gottes kommt? Sind wir bereit, unverzüglich das zu tun, was Jesus von uns verlangt?
Können wir sagen, dass in Kreuzen und Trübsalen unsere Geduld der Geduld Jesu nahe kommt?… (aus „Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi“; Stunde von Mitternacht bis 1 Uhr: Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane)

„Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!“ (Lk 12,37)

Weiterhin in meinem gewohnten Zustand und beinahe die ganze Nacht durchwachend, flog mein Gedanke ganz oft zu meinem gefangenen Jesus, und Er ließ sich in dichter Finsternis erblicken, sodass ich seinen mühseligen Atem vernahm und die Berührung seiner Person, doch ich sah Ihn nicht.
Deshalb versuchte ich, mich in seinem Heiligsten Willen zu versenken, verrichtete meine gewohnten Akte des Mitleids und der Wiedergutmachung, und ein Lichtstrahl, leuchtender als die Sonne, ging aus meinem Inneren hervor und spiegelte sich auf dem Antlitz Jesu.
Bei diesem Strahl erhellte sich sein heiligstes Antlitz, und als das Tageslicht kam, verschwand die Finsternis und ich konnte Ihn an seinen Knien umarmen, und Er sagte zu mir:
„Meine Tochter, die in meinem Willen verrichteten Akte sind wie Tage für Mich, und wenn der Mensch mit seinen Sünden Mich mit Finsternis umgibt, verteidigen Mich diese Akte mehr als die Sonnenstrahlen vor der Finsternis, umgeben Mich mit Licht und reichen Mir die Hand, um den Geschöpfen bekannt zu machen, wer Ich bin.
Deshalb liebe ich so sehr jene, die in meinem Willen leben, weil sie Mir in meinem Willen alles geben und Mich vor allen verteidigen können, und Ich spüre, dass Ich ihnen alles geben und in sie alle Güter einschließen kann, die Ich allen anderen geben sollte.
Angenommen, die Sonne hätte Vernunft, und die Pflanzen wären verständig und würden willentlich das Licht und die Wärme der Sonne verweigern, und liebten es nicht, fruchtbar zu werden und Früchte hervorzubringen; und nur eine einzige Pflanze nimmt mit Liebe das Sonnenlicht auf und möchte der Sonne alle Früchte geben, welche die anderen Pflanzen nicht hervorbringen wollen.
Wäre es nicht gerecht, wenn die Sonne allen anderen Pflanzen ihr Licht entziehen und über diese Pflanze ihr ganzes Licht und ihre Wärme ausgießen würde? Ich glaube, ja. Nun, was bei der Sonne nicht geschieht, weil es ihr an Vernunft fehlt, kann zwischen der Seele und Mir geschehen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 13; 22. November 1921)

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… „Meine gesegnete Tochter, weißt du, was dein ‘Ich liebe Dich’ ist? Es ist wie die Zeichensetzung im Text. In einem Text ohne Interpunktion erblickt man nur Konfusion ohne ein richtiges Konzept und ohne Ausdruck, sodass der Leser nicht den wahren Sinn entdeckt und sowohl Schönes wie auch Ungutes aus dem Text herauslesen kann, wie es ihm gefällt.
Da die Zeichensetzung fehlt, ist es eigentlich eine Schrift ohne wahren Wert und zeugt klar von der Unkenntnis und geringen Bedeutung des Verfassers. Und doch, was sind ein Punkt, ein Komma, ein Fragezeichen und alle anderen Interpunktionszeichen schon besonderes?
Man kann sagen, es ist nichts im Vergleich zur ausgedehnten Arbeit eines (handschriftlichen) Textes. So ist dein ‘Ich liebe Dich’ wie die Interpunktion für den BuchstabenText deines Lebens, deiner Worte, Werke, Schritte und sogar deines Herzens.
Die Interpunktion deines ‘Ich liebe dich’ ordnet all deine Akte, bringt exakte Ideen hervor, setzt die schönsten Ausdrücke und macht dir Den bekannt, um dessen Liebe willen die Seite und der Text deines Lebens gemacht wurden.
Doch das ist noch gar nichts. Dieser Punkt, dieser kleine Beistrich deines ‘Ich liebe Dich’ erhebt sich in die Höhe und interpunktiert unsere Göttlichen Seiten, unseren Himmlischen Text der ganzen Schöpfung. Die ganze Schöpfung ist ja nichts anderes als unsere Göttliche Seite, die Wir aus Uns hervorbrachten.
Und unsere Himmlischen Buchstaben sind auf der ganzen Seite der Schöpfung aufgeprägt; und zwar mit solch geordneter und harmonischer Interpunktion, mit höchst angemessenen Vorstellungen, mit den schönsten und rührendsten Ausdrücken, und solch hohem künstlerischen Wert gefertigt, dass kein anderer Künstler sie nachahmen könnte.
Nun vereint sich dein ‘Ich liebe Dich’ mit der Göttlichen Zeichensetzung, und die Seele lernt, indem sie die Interpunktion setzt, die Bedeutung unserer Buchstaben kennen. Sie lernt unsere Seite zu lesen, versteht in genauen Begriffen, was Wir aus Liebe zu ihr getan haben.
Sie nimmt den schönsten und bewegendsten Ausdruck ihres Schöpfers auf und gibt Uns ihren kleinen Beitrag und zahlt Uns die kleine Abgabe, die Wir aus gerechter Liebe von den Menschen erwarten.
Nicht nur das: sondern da das ‘Ich liebe Dich’ von Natur aus die Eigenschaft besitzt, sich in Gutes zu verwandeln, nehme Ich diese Punkte und Beistriche deines ‘Ich liebe Dich’ mit ganzer Liebe auf und lege dein kleines Licht auf unsere Göttliche Interpunktion.
Wenn Ich dann die ganze Schöpfung betrachte, fühle Ich Mich so von Liebe bedrängt, weil Ich die Zeichensetzung der kleinen Tochter meines Willens in unserer Himmlischen Interpunktion erblicke. Doch sag Mir, meine Tochter, warum sagst du Mir ‘Ich liebe Dich’ und willst alle geschaffenen Dinge und selbst meine eigenen Akte mit deinem ‘Ich liebe Dich’ erfüllen?“
Ich erwiderte: ‘Weil ich Dich liebe und von Dir geliebt werden will.’ Und Er: „Weil du Mich also liebst, sagst du Mir ‘Ich liebe Dich’. Ist es nicht mein größtes Glück, mein sehnsuchtsvoller Wunsch und mein Delirium, vom Geschöpf geliebt zu werden?
Wisse nun, dass Ich bei jedem deiner ‘Ich liebe Dich’ deinem Herzen ‘Ich liebe dich’ zuflüstere und meine Himmlische Interpunktion auf die Seite und die Buchstaben deines Lebens setze. Freust du dich nicht darüber?”
Und ich: ‘Meine Liebe, nein, deine Interpunktation allein genügt mir nicht, das befriedigt mich noch nicht. Es kann sein, dass Dir meine bloße Interpunktation ausreicht, denn da ich klein und zu nichts nütze bin, vermag ich nichts anderes zu tun.
Doch da Du alles tun kannst, möchte ich, dass Du selbst für mich die Seite und den Text meines Lebens gestaltest, damit du mich glücklich machst.’ Und Jesus erwiderte: „Ja, ja, Ich werde dich zufriedenstellen und könnte behaupten, dass Ich es schon tue.
Um eine Seite zu schreiben, sind nun Papier, Tinte und Feder nötig – diese Rohstoffe braucht es dafür. Fehlt einer von ihnen, kann die Schrift nicht ausgeführt werden. Nun, das Papier ist mein Göttlicher Wille, der als Fundament von allem die Seite des Lebens bilden muss.
Siehst du, Ich kann behaupten, dass sich mein Wille mehr als Papier als Grundlage der ganzen Schöpfung ausbreitete; und zwar um die verschiedenen Buchstaben unserer unaufhörlichen Liebe aufzunehmen, in welche (in die Schöpfung) Wir mehr als mit unauslöschlichen Buchstaben unsere Eigenschaften und Göttlichen Werke eingossen. Dabei sind unsere Buchstaben aus unaufhörlichen Werken und Liebe gebildet.
So muss die Seele als Grundlage von allem meinen Göttlichen Willen besitzen, doch das genügt noch nicht. Es bedarf der unaufhörlichen Liebe als Tinte, die auf diesem Papier aus Licht schreiben kann.
Doch auch Papier und Tinte allein können noch keine Buchstaben hervorbringen, daher braucht es die Feder der heiligen Werke, der verschiedenen Opfer und diversen Lebensumstände.
So können mit dieser Feder die geordneten Buchstaben, die schönsten und bewegendsten Ausdrücke niedergeschrieben werden, die bald zum Weinen bringen und bald das Herz mit Freude erfüllen. So wird sich der Leser umgewandelt fühlen und spüren, wie ihm das Leben des Guten, das diese Seite besitzt, zurückgegeben wird.
Wenn Ich, der Göttliche Künstler und Schriftsteller, Papier, Tinte und Feder vorfinde, so befasse Ich Mich, ebenso wie Ich die Seite der Schöpfung gestaltete und niederschrieb, zu meiner höchsten Freude damit, die Seite dieser Seele zu formen und niederzuschreiben; vielleicht noch schöner als die Seite der Schöpfung selbst.
Halte darum stets Papier, Tinte und Schreibzeug bereit, und Ich verspreche dir, die Seite deines Lebens zu schreiben, aus der man erkennen wird, dass Ich allein sie geformt und geschrieben habe.
So werden Wir beide glücklich sein.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 31; 14. Januar 1933)