27In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger wieder nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 28und fragten ihn: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir die Vollmacht gegeben, das zu tun?
29Jesus sagte zu ihnen: Zuerst will ich euch eine Frage vorlegen. Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue. 30Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Antwortet mir!
31Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 32Sollen wir also antworten: Von den Menschen? Sie fürchteten sich aber vor den Leuten; denn alle glaubten, dass Johannes wirklich ein Prophet war.
33Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.

„Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue“ (Mk 11, 29)

… Ich meditierte weiter über den Höchsten Willen und dachte mir: „Wie kann es doch sein, dass ich von mir allein aus, diesem so kleinen, bedeutungslosen Wesen, die ich zu nichts nütze bin und weder Würde noch Autorität noch eine höhere Stellung besitze, sodass ich mich vielleicht durchsetzen könnte – mich ausbreiten und sprechen kann, um diese Sonne des Göttlichen Willens bekannt zu machen und so die Kinder seiner Generation bilden könne?“
Da unterbrach mein süßer Jesus meine Gedanken, trat aus meinem Inneren heraus und sagte zu mir: „Meine Tochter, es ist meine Angewohnheit, meine größten Werke zuerst auf du und du, in der Vertrautheit mit einer einzigen Seele, zu wirken.
Tatsächlich war meine Mutter [nur] eine, und mit Ihr allein führte Ich das ganze Werk und das große Wunder meiner Inkarnation aus. Niemand drang in unsere Geheimnisse ein, noch drangen sie in das Heiligtum unserer Wohnungen ein, um zu sehen, was zwischen Mir und der Himmlischen Herrin vorging.
Auch hatte Sie in der Welt weder eine hohe Stellung noch Autorität inne, denn Ich nehme bei meiner Auswahl nie auf Würde und höheren Rang Rücksicht, sondern Ich sehe auf das kleine Individuum, in dem Ich meinem Willen ins Angesicht sehen kann, der die größte Würde und Autorität ist.
Obwohl Sie keine Stellung noch Würde noch Überlegenheit in der Welt hier unten hatte, hingen von der Erhabenheit des kleinen jungen Mädchens von Nazareth, das meinen Willen besaß, Himmel und Erde ab. In ihren Händen lag das Schicksal des Menschengeschlechts, lag das Los meiner ganzen Herrlichkeit, die Ich von der gesamten Schöpfung empfangen sollte.
So genügte es, dass das Geheimnis der Inkarnation in der Einen, meiner Auserwählten, gebildet werde, damit die anderen das Gut der Erlösung empfangen konnten. Eine war meine Menschheit, und aus ihr ging die Generation der Erlösten hervor.
Daher genügt es, in einem Geschöpf das gesamte Gut zu bilden, das benötigt wird, um die Generation aus diesem Gut hervortreten zu lassen, wie ein Same genügt, um die Generation dieses Samens abertausendmal vervielfältigen zu können.
Darum liegt die ganze Macht, die Kraft, die Fähigkeit, die für eine schöpferische Kraft erforderlich ist, in der Bildung des ersten Samens. Ist der erste gebildet, ist er wie die Hefe, um weitere Generationen zu bilden.
So genügt Mir eine einzige Seele, damit Ich in ihr, wenn sie Mir die absolute Freiheit gibt, das Gut einschließe, das Ich will, und in ihr die Sonne des Höchsten FIAT bilde.
Diese Sonne wird mit ihren Strahlen auf die Oberfläche der Erde treffen und die Generation der Söhne und Töchter meines Willens heranbilden.
Nun musst du wissen, dass alle unsere größten Werke in sich das Abbild der göttlichen Einheit tragen, und je mehr Gutes zu tun sie bestimmt sind, umso mehr Gutes schließen sie von dieser höchsten Einheit ein.
Siehst du, auch in der Schöpfung gibt es Gleichnisse dieser göttlichen Einheit, die, während es einzigartige Werke sind, so viel Gutes tun, wie es die ganze Vielfalt unserer anderen Werke zusammen nicht vollbringt.
Schau auf das Firmament, die Sonne ist eine, doch wie viele Güter enthält sie nicht? Wie viel Gutes bringt sie nicht der Erde? Man kann sagen, dass das Leben der Erde von der Sonne abhängt: während sie eine ist, umschließt sie mit ihrem Licht alle und alles, trägt alles in ihrem Schoß aus Licht und gibt jedem einen bestimmten Akt.
Je nach den verschiedenen Dingen, die sie erfüllt, teilt sie die Fruchtbarkeit mit, die Entfaltung, die Farbe, die Süßigkeit, die Schönheit. Dennoch ist die Sonne eine, während die Sterne viele sind, doch bewirken sie nicht so viel Gutes, wie es die Sonne der Erde erweist, obwohl sie [nur] eine ist.
Die Macht eines einzigen, von der schöpferischen Macht belebten Aktes, ist unbegreiflich. Es gibt kein Gut, das nicht aus diesem hervorgehen könnte.
Er kann das Angesicht der Erde verwandeln – von trockener, wüster Erde in einen blühenden Frühling. Der Himmel ist einer, und deshalb dehnt er sich überall aus.
Das Wasser ist eines, und obwohl es an verschiedenen Orten der Erde verteilt zu sein scheint, indem es Meere, Seen, Flüsse bildet, kommt es doch beim Herabsteigen vom Himmel in einer einzigen Form herunter, und es gibt keinen Ort auf der Erde, wo kein Wasser ist.
So sind die von Uns erschaffenen Dinge, die in sich das Abbild der göttlichen Einheit tragen, jene, die am meisten Gutes tun, es sind die notwendigsten, und ohne sie könnte die Erde kein Leben haben.
Glaube daher nicht, meine Tochter, dass du allein bist, es ist die Einheit eines großen Werkes, das Ich in dir entfalten muss, oder dass du keine äußere Würde und Autorität hast – das besagt nichts.
Mein Wille ist mehr als alles. Sein Licht scheint stumm zu sein, doch in seinem Schweigen erfüllt Er den Verstand der Menschen und lässt sie so beredt sprechen, dass Er die Gelehrtesten verwirrt und zum Schweigen bringt.
Das Licht spricht nicht, aber ermöglicht einen zu sehen, es macht die verborgensten Dinge bekannt. Das Licht spricht nicht, doch mit seiner milden und süßen Wärme erwärmt es, erweicht die härtesten Dinge, die verstocktesten Herzen.
Das Licht enthält keinen Samen, keinerlei Materie, alles ist rein in ihm, man sieht nichts anderes als eine Welle von strahlendem, silbrigem Licht, doch es versteht, derart einzudringen, dass es bewirkt, dass die unfruchtbarsten Dinge generieren, sich entwickeln und fruchtbar werden.
Wer kann der Kraft des Lichtes widerstehen? Niemand. Auch die Blinden – wenn sie es nicht sehen, so fühlen sie doch seine Wärme. Die Stummen und die Tauben fühlen und empfangen das Gut des Lichtes.
Nun, wer kann dem Licht meines ewigen FIAT widerstehen? Alle seine Kenntnisse werden mehr sein als die Strahlen des Lichtes meines Willens, welche die Erdoberfläche treffen, und in die Herzen eindringend werden sie das Gut bringen, welches das Licht meines Willens enthält und zu geben versteht.
Doch diese Strahlen müssen ihre eigene Sphäre haben, von der sie ausgehen, sie müssen in einem einzigen Punkt konzentriert sein, von dem sie zutage treten, um das Morgenrot, den Tag, den Mittag und den Sonnenuntergang in den Herzen zu bilden, um von neuem aufzugehen.
So bist du die Sphäre, dieser eine Punkt. Die in ihm konzentrierten Strahlen sind meine Kenntnisse, welche der Generation der Kinder des Reiches meines Willens die Fruchtbarkeit verleihen werden.
Deshalb rate Ich dir stets, aufmerksam zu sein, damit keine von meinen Kenntnissen verloren geht, sonst würdest du einen Strahl aus dem Inneren deiner Sphäre verloren gehen lassen, und du kannst nicht einmal alle Schätze begreifen, die er enthält.
Jeder Strahl enthält nämlich eine spezielle Wohltat, die er den Kindern meines Willens erweisen soll. Du würdest Mich der Glorie dieses Gutes für meine Kinder und auch dich selbst der Herrlichkeit berauben, einen weiteren Lichtstrahl aus deiner Sphäre zu verbreiten.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 22. Dezember 1926)

„Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue“ (Mk 11,33)

… Befand ich mich in mir selbst, zwar getröstet und gestärkt, doch in höchster Bitterkeit; ich dachte mir: „Wer weiß, wann Er zurückkommt, und ich habe Ihm kein einziges Wort über meine schwere Lage gesagt“.
So begann ich, mich in sein Heiligstes Wollen zu versenken, und mein liebenswürdiger Jesus trat aus meinem Inneren heraus und bildete um mich eine Wolke aus Licht; Er stützte seine Arme auf diese Wolke und betrachtete die ganze Welt; alle Geschöpfe wurden vor seinem reinsten Blick gegenwärtig!
O, wie viele Beleidigungen von Personen aller Gesellschaftsschichten verwundeten meinen süßen Jesus! Wie viele Intrigen, wie viel Betrug und Heuchelei, wie viele revolutionäre Machenschaften, die bereit sind für unvorhergesehene Ereignisse!
All dies zog die Züchtigungen Gottes auf sich, sodass ganze Städte zerstört wurden! Mein süßer Jesus, auf diese Lichtwolke gestützt, schüttelte den Kopf und war bis ins tiefste Herz hinein erbittert; Er wandte sich mir zu und sprach:
„Meine Tochter, schau den Zustand der Welt an! Er ist so ernst, dass Ich sie nur durch diese Wolke aus Licht hindurch betrachten kann. Wenn Ich sie außerhalb dieser Wolke ansähe, würde Ich sie zum Großteil vernichten….
Doch weißt du, was diese Wolke aus Licht ist? Es ist mein Wille, der in dir wirkt, und es sind deine in Ihm getanen Akte. Je mehr Akte du in Ihm tust, umso größer wird diese Lichtwolke, damit Ich Mich auf ihr aufstützen und den Menschen mit jener Liebe ansehen kann, mit der mein Wille ihn erschuf.
Er entzückt meine liebenden Augen und indem Er Mir alles vor Augen führt, was Ich aus Liebe zum Menschen tat, erweckt Er in meinem Herzen einen mitleidsvollen Willen und lässt Mich schließlich Erbarmen haben mit dem, den Ich so sehr liebe. Außerdem nützt dir diese Lichtwolke auf wunderbare Weise.
Sie dient dir als Licht für dein ganzes Wesen, sie legt sich um dich, um dich der Erde zu entfremden und erlaubt nicht, dass du irgendeinen – wenn auch unschuldigen – Geschmack an Personen oder an anderem bekommst, und da sie auch deine Augen mit einem süßen Zauber entzückt, lässt sie dich die Dinge gemäß der Wahrheit sehen – und so, wie dein Jesus sie ansieht.
Wenn sie dich schwach sieht, schließt sich diese Wolke um dich und verleiht dir ihre Stärke; wenn sie dich untätig sieht, tritt sie in dich ein und wird aktiv, ja sie ist vielmehr aufs höchste eifersüchtig mit ihrem Licht, wenn sie darüber wacht, dass du nichts ohne sie, und sie nichts ohne dich tut.
Warum also, meine Tochter, betrübst du dich so sehr? Lasse zu, dass mein Wille in dir handelt und deinem Willen keinen Akt des Lebens zugesteht, wenn du willst, dass sich in dir meine großen Pläne erfüllen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 9. April 1925)