Mittwoch der 5. Osterwoche (Joh 15,1-8)
1In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. 2Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
3Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. 4Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 6Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 8Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt“ (Joh 15,4)
Ich dachte über die große Liebe Jesus zu uns nach, und mein Geist verlor sich in der ewigen Liebe. Da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und ließ mich vor meinem Geist einen Strahlenkranz aus Licht sehen. In diesem Strahlenkranz war eine Sonne, und diese Sonne enthielt so viele Strahlen wie es Menschen gibt; jeder von ihnen hatte einen Strahl ganz für sich, der ihm Leben, Licht, Wärme, Kraft und Wachstum spendete – alles, was zum Leben nötig war.
Es war köstlich anzusehen, wie jedes Geschöpf an jedem Strahl dieser Sonne hing, von dem es ausgegangen war, wie ein Trieb am Weinstock. Als sich mein Geist in diesem Anblick verlor, sprach mein liebenswürdiger Jesus zu mir: „Meine Tochter, siehst du, mit welcher Liebe Ich den Menschen liebe?
Ehe er auf diese Welt kam, war er schon in meinem Schoß, und als Ich ihn hervorbrachte, verließ Ich ihn nicht – ein Lichtstrahl, der mein Leben in sich birgt, folgt ihm nach und stellt ihm alles Nötige für sein Leben hier zur Verfügung – mit welcher Sorgfalt ziehe Ich ihn groß, mit welcher Liebe spende Ich ihm die nötige Feuchtigkeit! Ich selbst mache Mich zum Licht, zur Wärme, zur Nahrung, zum Schutz…, und wenn er seine zeitlichen Tage beschließt, ziehe Ich ihn mittels desselben Strahles wieder in meinen Schoß zurück, damit er in der himmlischen Heimat lustwandle.
Meine Liebe ist für das Geschöpf mehr als die Sonne, die Ich in den blauen Himmel setzte, ja die Sonne, die Ich zum Wohl der menschlichen Natur schuf, ist vielmehr nur der Schatten meiner wahren Sonne.
Die Sonne am Firmament macht nämlich nicht die Pflanzen, noch gibt sie ihnen Wasser, damit sie nicht vertrocknen, noch verleiht sie ihnen alles Nötige für ein schönes und kräftiges Wachstum; und die Menschen, sogar die Blinden, können ihr Licht genießen.
Die Sonne erfüllt nur ihre Aufgabe als Licht- und Wärmequelle und geht dann weiter… – wenn die Pflanzen nicht bewässert werden, kann ihnen die Sonne nicht ihre Wirkungen mitteilen, sondern dörrt sie vielmehr noch mehr aus.
Ich jedoch – die wahre Sonne der Seelen – verlasse sie weder bei Tag noch bei Nacht; Ich selbst forme die Seelen, tränke sie mit dem Wasser meiner Gnade, damit sie nicht vertrocknen, Ich nähre sie mit dem Licht meiner Wahrheiten, stärke sie mit meinen Beispielen, läutere sie mit der sanften Brise meiner Zärtlichkeit, schmücke sie mit dem Tau meiner Charismen und entzünde sie mit den Pfeilen meiner Liebe.
Mit einem Wort, es gibt nichts, was Ich nicht für sie täte. Ich bin alles für sie und stelle mein ganzes Leben zum Wohl jeder Seele zur Verfügung.
Doch wie undankbar sind die Menschen! Sie scheinen wie Triebe an meinem Weinstock zu hängen – doch nicht aus Liebe, sondern gezwungenermaßen, da sie ohne Mich nicht sein können.
Daher sind sie wie Zweige, die nicht alle guten Säfte vom Weinstock empfangen und daher so kümmerlich heranwachsen, dass sie nie reife Trauben hervorbringen, sondern nur unreife, die für meinen göttlichen Geschmack bitter sind.
Ach, wenn alle darüber meditierten, wie sehr Ich ihre Seelen liebe, so wären alle von der Kraft meiner Liebe ergriffen und von ihr angezogen und würden Mich noch mehr lieben! Liebe Mich daher, und deine Liebe möge so weit werden, dass sie Mich für alle liebt.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 17; 17. Oktober 1924)
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5)
Diesen Morgen erwog ich in meinem Inneren, da mein anbetungswürdiger Jesus nicht kam: „Wer weiß, ob es wirklich Unser Herr war, der gekommen ist, oder vielmehr der Feind, um mich zu täuschen.
Wie konnte Jesus mich auf eine so hässliche Art verlassen, ohne Mitleid?“ Während ich darüber nachdachte, ließ Jesus sich für einige wenige Augenblicke in meinem Inneren sehen. Er erhob seine rechte Hand, drückte den Daumen auf meinen Mund und sprach zu mir:
„Schweige, schweige. Und außerdem, wäre es schön, wenn jemand, der die Sonne gesehen hat, nur weil er sie [jetzt] nicht sieht, behauptet, dass das, was er gesehen hat, nicht die Sonne war? Wäre es nicht wahrer und vernünftiger, wenn er zugibt, dass die Sonne sich verborgen hat?“ Und er verschwand.
Ich konnte Ihn zwar nicht sehen, aber ich fühlte, wie Er mich mit seinen Händen ganz auffrischte (überarbeitete, ausbesserte) und meinen Mund, meinen Geist, usw. rieb und mich ganz strahlend machte.
Da ich Ihn aber nicht sah, stiegen in meinem Geist weiterhin Zweifel auf; Er zeigte sich abermals und fügte hinzu: „Willst du noch immer nicht damit aufhören? Du willst mein Werk in dir verschwinden lassen, denn wenn du zweifelst, bist du nicht im Frieden.
Und da Ich die Quelle des Friedens bin, wird jener, der dich führt, zu zweifeln beginnen, ob wirklich der König des Friedens in dir wohnt, wenn er dich nicht im Frieden vorfindet.
Ach, du willst nicht aufmerksam sein! Es stimmt zwar, dass Ich selbst alles in der Seele tue, auf eine Weise, dass sie ohne Mich nichts tun würde, doch es ist auch wahr, dass Ich der Seele stets einen Faden des Willens überlasse, damit auch sie sagen kann: ‚Ich tue alles aus meinem eigenen Willen.’
So zerreißt du mit deiner Ruhelosigkeit diesen Faden der Einheit mit Mir und bindest Mir die Arme, dass Ich in dir nicht wirken kann. Ich warte darauf, dass du wieder in den Frieden kommst, um den Faden deines Willens wiederaufzunehmen und mein Werk fortzusetzen.“ aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 5; 30. Oktober 1903)
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Meine arme Seele fühlt das unwiderstehliche Bedürfnis, das grenzenlose Meer des Höchsten Fiat zu durchqueren. Ich fühle mich stärker als von einem machtvollen Magneten angezogen, meinen süßen Aufenthalt in meinem teuren Erbe zu wahren, das mir mein geliebter Jesus vermacht hat – nämlich in seinem anbetungswürdigen Willen.
Jesus scheint mich zu erwarten, um mir seine wunderbaren Lehren zu erteilen – bald über diesen, bald über jenen Akt, den sein Göttliches Fiat getan hat. So verlor sich mein Geist bei der Runde in den unzähligen Akten des Göttlichen Fiat. Im geliebten Eden angekommen, wo alles festlich gestimmt war, hielt mich mein teurer Jesus an und sagte zu mir:
„Meine Tochter, wenn du wüsstest, mit welcher Liebe Wir den Menschen erschaffen haben! Die bloße Erinnerung daran lässt unsere Liebe anschwellen und überfließen.
Der Gedanke an unser schönstes und vollkommenstes Werk ist für Uns Grund zum Jubel, weil Wir in den Menschen mit so großer Meisterhaftigkeit eine solche Schönheit gelegt haben, dass niemand anderer etwas Ähnliches gestalten kann.
Der Mensch war so schön, dass er in unserer Liebe sogar die Eifersucht erweckte, dass dieses Werk ganz Uns gehöre. Überdies hatten ja Wir den Menschen gebildet; er gehörte Uns. Eifersüchtig auf ihn zu sein, war ein Recht unserer Liebe.
So stark wurde daher unsere Liebe, dass alle ersten Akte, die in Adam vollbracht wurden, von seinem Schöpfer getan wurden. So wurde der erste Liebesakt in Adam von Uns geschaffen und getan, der erste Herzschlag, der erste Gedanke, das erste Wort.
Kurzum, alles, was er später tun sollte, enthielt unsere ersten Akte, die Wir in ihm getan hatten, und auf unsere ersten Akte folgten die Akte Adams. Wenn er also liebte, kam seine Liebe aus dem Inneren unseres ersten Liebesaktes hervor.
Wenn er dachte, kam sein Gedanke aus dem Inneren unseres Gedankens hervor, usw. Hätten Wir nicht die ersten Akte in ihm getan, so hätte er nichts tun können noch gewusst, wie man etwas tut. Da jedoch unser Höchstes Wesen seine ersten Akte tat, setzten Wir so viele kleine Quellen in Adam, wie viele erste Akt Wir in ihm vollbrachten.
Dadurch hatte er, wann immer er unsere ersten Akte wiederholen wollte, diese kleinen Quellen als verschiedene Quellen von Liebe, von Gedanken, von Worten, Werken und Schritten zur Verfügung. So gehörte alles Uns, das Innere und das Äußere des Menschen.
Daher war es nicht nur gerecht, dass Wir eifersüchtig waren, sondern es war auch recht, dass alles auf Uns hin geordnet war und vollständig Uns gehören sollte; zumal Wir ihm ja in der Tat unseren Göttlichen Willen zur Erhaltung seiner ursprünglichen Schönheit und Unschuld verliehen, und damit Er für Uns die göttliche Schönheit, mit der Wir ihn ausstatteten, vermehren sollte.
Ganz gleich, wie viel Wir ihm [schon] gegeben hatten, so war unsere Liebe doch nie zufrieden oder befriedigt, sondern wollte beständig von dem ihrem weiterschenken. Sie weigerte sich, ‘Genug’ zu sagen und wollte ihr Liebeswerk fortsetzen.
Um Uns der ständigen Gesellschaft des Menschen zu versichern, verlieh unsere Liebe ihm unseren eigenen Willen, damit der Mensch in der Lage sei, Uns stets aufzunehmen, und Wir Uns seiner ständigen Gesellschaft erfreuen konnten, die durch einen einzigen Willen verbunden war.
Mit meinem Willen war alles garantiert und in Sicherheit – für ihn und für Uns. So sollte er unser Spielzeug, unsere Freude und Glückseligkeit und der Gegenstand unserer Unterhaltung sein. Daher beginnt unsere Liebe bei der Erinnerung an die Erschaffung des Menschen zu feiern.
Wenn Wir den Menschen dann aber ohne die Absicherung unseres Fiat erblicken, ohne Sicherheit und deshalb schwankend, entstellt und gleichsam weit weg von Uns – dann wird unsere Liebe traurig und fühlt die ganze Last unserer unendlichen, quasi in sich selbst eingeschlossenen Liebe, die sich ihm nicht schenken kann, da sie ihn nicht in unserem Göttlichen Willen vorfindet.
Doch all dies ist noch nicht alles. Nicht nur für Adam ergoss sich unsere Liebe, die so weit ging, alle seine ersten Akte zu vollbringen, aus denen alle menschlichen Akte ihr Leben erhalten sollten. Vielmehr war Uns jedes Geschöpf, das je existieren sollte, beim Akt der Erschaffung des Menschen gegenwärtig.
Und unser, mit unserer Liebe vereintes Fiat lief und lief. Es umarmte alle, und indem Es alle mit einer einzigen Liebe liebte, legte Es den Primat unserer Akte in jedes Geschöpf, das je ins Dasein treten sollte. In der Tat, für Uns gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern alles ist gegenwärtig und im Akt.
Andernfalls wäre unser Fiat eingeschränkt und gehemmt und könnte seine Flammen nicht ausdehnen, um alle in seinem Licht einzuschließen, um in allen das zu vollbringen, was Es in einem einzigen Geschöpf vollbringt.
Adam war also nicht die einzige glückliche Seele unter anderen, sondern alle anderen Geschöpfe sollten mit all seinen Gütern bereichert werden und in ihm seine eigenen Segnungen besitzen.
Mehr noch, indem Gott alles in einer einzigen Seele vollbringt, würden alle anderen Seelen das Recht auf unsere Akte erwerben, außer denen, die davon keinen Gebrauch machen wollen.
Geschah nicht dasselbe bei der Erlösung? Weil die Erhabene Himmelskönigin die Gnade hatte, Mich zu empfangen und auf die Welt zu bringen, erwarben alle anderen Geschöpfe das Recht auf die Güter der Erlösung.
Nicht nur das, sondern alle erwarben das Recht, Mich in ihren Herzen zu empfangen. Nur wer undankbar ist und Mich nicht will, bleibt Meiner beraubt.
Nun, meine Tochter, Adam verwirkte mit seinem Ungehorsam gegen unseren Willen unser Reich, und alle Güter unseres Fiat blieben für ihn ohne das nährende und lebensspendende Leben unseres Göttlichen Willens.
Er war sozusagen quasi der Zerstörer der Güter des Reiches meines Göttlichen Willens in seiner Seele, die ihr Leben alle nach und nach von selbst einbüßen, wenn ihnen die lebensspendende Kraft und die dauernde Nahrung fehlt.
Um nun diese Güter in der Seele wieder zum Leben zu rufen, musst du wissen, dass es einer Person bedurfte, die mein Fiat wieder in ihre Seele zurückrufen, Ihm nichts verweigern und Es frei in ihrer Seele herrschen lassen sollte.
Dann könnte mein Wille dieser Seele wieder seine eigene lebensspendende und ernährende Tugend bereitstellen, um die zerstörten Güter wieder aufleben zu lassen.
Darum also hat mein Göttlicher Wille, indem Er dich beherrscht und du dich beherrschen ließest, seine belebende Kraft in deiner Seele erneuert. Indem Er dich in seine Wohnstätte beruft, nährt Er dich, um alle seine Güter in dich zurückzurufen.
Alle Akte, die du in meinem Göttlichen Willen tust, deine wiederholten Rundgänge in seinen Akten und dein ständiges Flehen um sein Reich auf Erden sind nichts anderes als die Speise, mit der Er dich nährt.
Dies begründet für die anderen Seelen das Anrecht darauf, das Reich meines Göttlichen Willens mit dem Leben aller seiner Güter wieder besitzen zu dürfen.
Wenn Ich allen Geschöpfen eine Wohltat spenden möchte, lege ich in eine [einzige] Seele die Quelle [dieser Wohltat], aus der die Güter hervorgehen. Von dieser Quelle aus öffne Ich viele Kanäle und berechtige alle, die Güter zu entnehmen, welche diese Quelle besitzt.
Sei darum aufmerksam und sieh zu, dass dein Flug in meinem Göttlichen Willen beständig sei.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 28; 18. April 1930)


