1Es war zwei Tage vor dem Pascha und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die Hohepriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten. 2Sie sagten aber: Ja nicht am Fest, damit es im Volk keinen Aufruhr gibt!
3Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. 4Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung?
5Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. 6Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer.
8Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.
10Judas Iskariot, einer der Zwölf, ging zu den Hohepriestern. Er wollte Jesus an sie ausliefern. 11Als sie das hörten, freuten sie sich und versprachen, ihm Geld dafür zu geben. Von da an suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, ihn auszuliefern.
12Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm zu schlachten pflegte, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? 13Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm, 14bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
15Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor! 16Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
17Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. 18Während sie nun zu Tisch waren und aßen, sagte Jesus: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern, einer, der mit mir isst. 19Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich?
20Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir in dieselbe Schüssel eintunkt. 21Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
22Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. 23Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
24Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. 25Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von Neuem davon trinke im Reich Gottes.
26Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. 27Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet alle Anstoß nehmen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe zerstreuen.
28Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. 29Da sagte Petrus zu ihm: Auch wenn alle Anstoß nehmen – ich nicht! 30Jesus sagte ihm: Amen, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
31Petrus aber beteuerte: Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle anderen. 32Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, während ich bete!
33Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst 34und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!
35Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. 36Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst.
37Und er ging zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Simon, du schläfst? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? 38Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
39Und er ging wieder weg und betete mit den gleichen Worten. 40Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.
41Und er kam zum dritten Mal und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; siehe, jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert. 42Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da. Die Gefangennahme 43Noch während er redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohepriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden.
44Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es. Nehmt ihn fest, führt ihn sicher ab! 45Und als er kam, ging er sogleich auf Jesus zu und sagte: Rabbi! Und er küsste ihn. 46Da legten sie Hand an ihn und nahmen ihn fest.
47Einer von denen, die dabeistanden, zog das Schwert, schlug auf den Diener des Hohepriesters ein und hieb ihm das Ohr ab. 48Da sagte Jesus zu ihnen: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich festzunehmen.
49Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und lehrte und ihr habt mich nicht verhaftet; aber so mussten die Schriften erfüllt werden. 50Da verließen ihn alle und flohen.
51Ein junger Mann aber, der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war, wollte ihm nachfolgen. Da packten sie ihn; 52er aber ließ das Tuch fallen und lief nackt davon. 53Darauf führten sie Jesus zum Hohepriester und es versammelten sich alle Hohepriester und Ältesten und Schriftgelehrten.
54Petrus aber war Jesus von Weitem bis in den Hof des Hohepriesters gefolgt; nun saß er dort bei den Dienern und wärmte sich am Feuer. 55Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können; sie fanden aber nichts.
56Viele machten zwar falsche Aussagen gegen ihn, aber die Aussagen stimmten nicht überein. 57Einige der falschen Zeugen, die gegen ihn auftraten, behaupteten: 58Wir haben ihn sagen hören: Ich werde diesen von Menschenhand gemachten Tempel niederreißen und in drei Tagen einen anderen aufbauen, der nicht von Menschenhand gemacht ist.
59Aber auch in diesem Fall stimmten die Aussagen nicht überein. 60Da stand der Hohepriester auf, trat in die Mitte und fragte Jesus: Willst du denn nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen?
61Er aber schwieg und gab keine Antwort. Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 62Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.
63Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Wozu brauchen wir noch Zeugen? 64Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist eure Meinung? Und sie fällten einstimmig das Urteil: Er ist des Todes schuldig.
65Und einige spuckten ihn an, verhüllten sein Gesicht, schlugen ihn und riefen: Zeig, dass du ein Prophet bist! Auch die Diener schlugen ihn ins Gesicht. 66Als Petrus unten im Hof war, kam eine von den Mägden des Hohepriesters.
67Sie sah, wie Petrus sich wärmte, blickte ihn an und sagte: Auch du warst mit diesem Jesus aus Nazaret zusammen. 68Doch er leugnete und sagte: Ich weiß nicht und verstehe nicht, wovon du redest. Dann ging er in den Vorhof hinaus.
69Als die Magd ihn dort bemerkte, sagte sie zu denen, die dabeistanden, noch einmal: Der gehört zu ihnen. 70Er aber leugnete wieder. Wenig später sagten die Leute, die dort standen, von Neuem zu Petrus: Du gehörst wirklich zu ihnen; du bist doch auch ein Galiläer.
71Da fing er an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet. 72Gleich darauf krähte der Hahn zum zweiten Mal und Petrus erinnerte sich an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er begann zu weinen.
1Gleich in der Frühe fassten die Hohepriester, die Ältesten und die Schriftgelehrten, also der ganze Hohe Rat, über Jesus einen Beschluss. Sie ließen ihn fesseln und abführen und lieferten ihn Pilatus aus.
2Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Antwortete ihm: Du sagst es. 3Die Hohepriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor. 4Da wandte sich Pilatus wieder an ihn und fragte: Willst du denn nichts dazu sagen? Sieh doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen.
5Jesus aber gab keine Antwort mehr, sodass Pilatus sich wunderte. 6Jeweils zum Fest ließ Pilatus einen Gefangenen frei, den sie sich ausbitten durften.
7Damals saß gerade ein Mann namens Barabbas im Gefängnis, zusammen mit anderen Aufrührern, die bei einem Aufstand einen Mord begangen hatten. 8Die Volksmenge zog zu Pilatus hinauf und verlangte, ihnen die gleiche Gunst zu gewähren wie sonst.
9Pilatus fragte sie: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse? 10Er merkte nämlich, dass die Hohepriester Jesus nur aus Neid an ihn ausgeliefert hatten. 11Die Hohepriester aber wiegelten die Menge auf, lieber die Freilassung des Barabbas zu fordern.
12Pilatus wandte sich von Neuem an sie und fragte: Was soll ich dann mit dem tun, den ihr den König der Juden nennt? 13Da schrien sie: Kreuzige ihn! 14Pilatus entgegnete: Was hat er denn für ein Verbrechen begangen? Sie aber schrien noch lauter: Kreuzige ihn!
15Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen, Barabbas frei. Jesus lieferte er, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, zur Kreuzigung aus. 16Die Soldaten führten ihn ab, in den Hof hinein, der Prätorium heißt, und riefen die ganze Kohorte zusammen. 17Dann legten sie ihm einen Purpurmantel um und flochten einen Dornenkranz; den setzten sie ihm auf 18und grüßten ihn: Sei gegrüßt, König der Juden!
19Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf und spuckten ihn an, beugten die Knie und huldigten ihm. 20Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Purpurmantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.
21Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Kyrene, den Vater des Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen. 22Und sie brachten Jesus an einen Ort namens Golgota, das heißt übersetzt: Schädelhöhe. 23Dort reichten sie ihm Wein, der mit Myrrhe gewürzt war; er aber nahm ihn nicht.
24Dann kreuzigten sie ihn. Sie verteilten seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen, wer was bekommen sollte. 25Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. 26Und eine Aufschrift gab seine Schuld an: Der König der Juden.
27Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den andern links. 28 29Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Ach, du willst den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen?
30Rette dich selbst und steig herab vom Kreuz! 31Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester und die Schriftgelehrten und sagten untereinander: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten.
32Der Christus, der König von Israel! Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, damit wir sehen und glauben. Auch die beiden Männer, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden, beschimpften ihn. 33Als die sechste Stunde kam, brach eine Finsternis über das ganze Land herein – bis zur neunten Stunde.
34Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija!
36Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt. 37Jesus aber schrie mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.
38Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile von oben bis unten. 39Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.
40Auch einige Frauen sahen von Weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome; 41sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Noch viele andere Frauen waren dabei, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.
42Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat, und es schon Abend wurde, 43ging Josef von Arimathäa, ein vornehmes Mitglied des Hohen Rats, der auch auf das Reich Gottes wartete, zu Pilatus und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten.
44Pilatus war überrascht, als er hörte, dass Jesus schon tot sei. Er ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei. 45Als er es vom Hauptmann erfahren hatte, überließ er Josef den Leichnam.
46Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. 47Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, beobachteten, wohin er gelegt wurde.

„Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf” (Mk 14,17)
Jesus, schon kommst du im Abendmahlsaal mit deinen geliebten Jüngern an und setzt dich mit ihnen zu Tisch. Welche Anmut, welche Liebenswürdigkeit bekundet deine ganze Person, da du dich anschickst, zum letzten Mal irdische Speise zu genießen! Alles an dir ist Liebe.
Damit sühnst du nicht allein die Sünden der Gaumenlust, sondern bittest auch um die Segnung der Speise. Jesus, mein Leben! Dein sanfter Blick scheint die Herzen deiner Jünger zu erforschen.
Auch in diesem Augenblick, wo du Speise nimmst, wird dein Herz betrübt bei dem Gedanken, dass deine dir so teuren Apostel noch schwach und haltlos sind.
Du denkst besonders an den treulosen Judas, der schon mit einem Fuße in der Hölle steht, und sprichst in der Tiefe deines Herzens mit Wehmut: „Was nützt mein Blut, das ich vergieße? Siehe da eine Seele, die, von mir mit so vielen Wohltaten bereichert, dennoch verlorengeht!“
Mit deinen Augen, die Licht und Liebe ausstrahlen, schaust du ihn an, als wollest du ihm das große Übel zu verstehen geben, das er sich zufügen will. Aber deine maßlose Liebe lässt dich diesen Schmerz ertragen. Du gibst ihn nicht einmal deinen Jüngern kund.
Während du betrübt bist über Judas, erfüllt sich dein Herz mit Freude, da du zur Linken deinen Liebesjünger Johannes erblickst. Da du deine Liebe nicht länger zurückhalten kannst, ziehst du ihn sanft an dich und lässt sein Haupt an deinem Herzen ruhen, um ihm einen Vorgeschmack der Paradiesesfreuden kosten zu lassen.
In den beiden Jüngern sind die Verworfenen und die Auserwählten dargestellt: die Verworfenen in Judas, der schon die Hölle in seinem Herzen fühlt, die Auserwählten in Johannes, der an deiner Brust glückselig ruht.
Mein süßes Gut! Auch ich nähere mich dir, und mit deinem Liebesjünger möchte ich mein müdes Haupt an dein anbetungswürdiges Herz schmiegen und dich bitten: Lass auch mich auf dieser Erde die Freuden des Himmels verkosten, dass die Erde für mich nicht mehr Erde, sondern Himmel sei und ich hingerissen werde von den süßen Harmonien, die in deinem Herzen erklingen.
Aber im Wohllaut dieser göttlichen Harmonien nehme ich wahr, dass mancher Herzschlag von Schmerz begleitet ist. Er gilt den verlorenen Seelen. O Jesus, gestatte doch nicht, dass noch Seelen zugrunde gehen.
Mach, dass dein Herzschlag in den ihrigen übergehe und sie die Schläge eines himmlischen Lebens fühlen, wie es auch bei deinem geliebten Jünger Johannes der Fall war. Angezogen von der Süßigkeit und dem Wohlgeschmack deiner Liebe, mögen sie alle sich dir ergeben.
Mein Jesus! Während ich an deinem Herzen ruhe, gib auch mir die Speise, die du den Aposteln gegeben: die Speise der Liebe, die Speise deines göttlichen Wortes, die Speise deines göttlichen Willens.
O verweigere sie mir nicht, die du selbst so sehnlichst geben möchtest, damit in mir sich dein Leben bilde. Mein höchstes Gut! So nahe bei dir, sehe ich, dass die Speise, die du im Verein mit deinen lieben Jüngern genießt, ein Lamm ist.
Dieses Lamm ist ein Sinnbild. Wie in ihm durch die Gewalt des Feuers kein Lebenssaft mehr vorhanden ist, so musst auch du, das mystische Lamm Gottes, durch die Gewalt der Liebe verzehrt werden.
Nicht ein Tropfen deines Blutes wird für dich übrigbleiben, da du es ja aus Liebe zu uns vergießt. So tust du nichts, mein Jesus, was nicht lebendig dein schmerzvolles Leiden vor Augen stellt, das du beständig in deinem Geiste, in deinem Herzen und in allem gegenwärtig hast.
Daraus ziehe ich die Lehre, dass du mir niemals die Speise deiner Liebe versagen wirst, wenn ich das Gedächtnis deines Leidens meinem Geiste und meinem Herzen gegenwärtig halte.
Wie danke ich dir, o Jesus! Kein Akt geht aus dir hervor, der mich dir nicht gegenwärtig hätte und nicht bestrebt wäre, mir eine besondere Gunst zu erweisen.
Deswegen bitte ich dich, dass dein Leiden stets in meinem Geiste, in meinem Herzen, in meinen Blicken, in meinen Schritten, in meinen Schmerzen sei, damit ich dich immer mir gegenwärtig finde, wo ich mich auch rege und bewege, innerlich oder äußerlich. Erweise mir aber auch die Gnade, dass ich nie vergesse, was du für mich getan und gelitten hast.
Diese Gnade sei mir die Magnetnadel, welche mein ganzes Wesen anzieht, in dich hineinzieht und mich niemals mehr von dir entfernen lässt. (Die Stundenuhr der Passion Jesu Christi; Stunde von 19 bis 20 Uhr: Das gesetzliche Abendmahl)

„Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus“ (Mk 14,22-23)

An diesem Morgen nach der Heiligen Kommunion fühlte ich, wie mein liebenswürdiger Jesus mich in besonderer Weise in seinen Willen absorbierte, und ich schwamm gleichsam in diesem Willen. Aber wer kann wiedergeben, was ich erlebte? Ich finde keine Worte, um mich auszudrücken, und Jesus sprach zu mir:
„Meine Tochter, wie lange die Seele in meinem Willen weilt, soviel an göttlichem Leben, kann sie sagen, dass sie auf Erden lebt! Wie gefällt es Mir, wenn Ich sehe, wie die Seele in meinen Willen eingeht, um dort das göttliche Leben zu leben!
Ich habe großes Wohlgefallen daran, Seelen zu sehen, die in meinem Willen das wiederholen, was meine Menschheit in Ihm tat! Ich empfing die Kommunion, und empfing Mich selbst im Willen des Vaters, und dadurch leistete Ich nicht nur für alles Sühne, sondern, da Ich im Göttlichen Willen die Unermesslichkeit und die AllSicht von allem und von allen vorfand, umschloss Ich daher alle und reichte allen die Kommunion.
Und da Ich sah, dass viele nicht am Sakrament teilnehmen würden, und der Vater dadurch beleidigt würde, weil sie nicht das Leben empfangen wollten, leistete Ich Ihm die Genugtuung und die Ehre, wie wenn alle kommuniziert hätten, das heißt für jeden einzelnen gab Ich Ihm die Genugtuung und die Glorie eines göttlichen Lebens.
Auch du kommuniziere in meinem Willen, wiederhole das, was Ich tat; und so wirst du nicht nur für alles Wiedergutmachung leisten, sondern du wirst Mich Selbst allen geben, wie Ich wünschte, Mich allen zu schenken, und du wirst Mir die Ehre geben, als hätten alle kommuniziert.
Mein Herz ist gerührt, wenn es sieht, dass das Geschöpf, das Mir nichts aus sich heraus geben kann, was Meiner würdig wäre, von dem Meinen nimmt, es sich zu eigen macht und nachahmt, was Ich getan habe, und dies Mir gibt, um Mir zu gefallen; worauf Ich voll Wohlgefallen wiederhole: „Bravo, meine Tochter, du hast genau das gemacht, was Ich getan habe.“
Dann fügte Er hinzu: „Die Akte in meinem Willen sind die einfachsten Akte, aber weil sie einfach sind, teilen sie sich allen mit. Das Sonnenlicht ist, weil es einfach ist, Licht für jedes Auge, die Sonne aber ist nur eine; so verbreitet sich ein einziger Akt in meinem Willen wie einfachstes Licht in jedem Herzen, in jedem Werk, in allen, aber der Akt ist einer.
Mein eigenes Wesen ist – weil es höchst einfach ist – ein einziger Akt, aber ein Akt, der alles einschließt; er hat keine Füße und ist der Schritt für alle, keine Augen und bildet das Auge und das Licht aller, er spendet allen Leben, aber ohne Anstrengung, ohne Ermüdung, und doch verleiht Er allen den Akt des Wirkens; daher wird die Seele in meinem Willen einfach, und gemeinsam mit Mir vervielfältigt sie sich in allen und tut allen Gutes.
O! Wenn doch alle den unermesslichen Wert der in meinem Willen getanen Akte, auch der kleinsten, verstünden, sie würden sich keinen einzigen Akt entgehen lassen!“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 11; 8. September 1916)

“Meine Seele ist zu Tode betrübt” (Mk 14, 34)

Ich war weiterhin in meinem gewöhnlichen Zustand der Beraubungen und Bitterkeit und dachte über die Todesangst Unseres Herrn nach; da sprach der Herr zu mir:
„Meine Tochter, Ich wollte in besonderer Weise meine Todesangst im Ölgarten erleiden, um allen Sterbenden zu einem guten Tod zu verhelfen. Du siehst gut, wie sich meine Agonie mit der Agonie der Christen verbindet: Überdruss, Traurigkeit, Ängste, Blutschweiß; Ich empfand den Tod von allen und von jedem einzelnen, als würde Ich wirklich für jeden einzelnen im Besonderen sterben.
So fühlte Ich in Mir den Überdruss, die Traurigkeit, die Ängste jedes einzelnen, und allen reichte Ich zusammen mit den Meinen, Hilfe, Trost und Hoffnung, damit sie – so wie Ich ihren Tod in Mir empfand – sie alle die Gnade hätten, in Mir zu sterben wie in einem einzigen Atemzug – mit meinem Atemzug, und sofort mit meiner Gottheit beseligt zu werden.
Wenn die Todesangst im Garten von Getsemani in besonderer Weise den Sterbenden galt, dann sollte die Agonie am Kreuz eine Hilfe sein für die letzten Augenblicke des Lebens, gerade für den letzten Atemzug.
Alle beide sind Agonien, aber doch verschieden voneinander: die Todesangst im Garten war voller Traurigkeit, Ängste, Besorgnisse, Schrecken, die Agonie am Kreuz voller Frieden und unerschütterlicher Ruhe; und wenn Ich ausrief ‚Mich dürstet‘, war dies der unersättliche Durst, dass alle ihr Leben in meinem letzten Atemzug aushauchen mögen; und da Ich sah, dass viele aus diesem meinem letzten Atemzug hinaustraten, rief Ich vor Schmerz: ‚Sitio!’ [‚Mich dürstet!’], und dieses ‚Sitio!’ rufe Ich noch immer allen und jedem einzelnen wie eine Glocke an der Tür jedes Herzens zu: „Ich dürste nach dir, o Seele! Ach, gehe nicht aus Mir heraus, sondern tritt in Mich ein und hauche mit Mir dein Leben aus!“
So habe Ich sechs Stunden meiner Passion den Menschen geschenkt, damit sie gut sterben können: die drei Stunden im Garten als Hilfe für ihre Todesangst, die drei am Kreuz als Hilfe für den letzten Seufzer im Tod. Wer sollte also danach den Tod nicht mit einem Lächeln ansehen?
Umso mehr für einen, der Mich liebt, der sich auf meinem Kreuz selbst zu opfern sucht. Siehst du, wie schön der Tod ist, und wie sich die Verhältnisse ändern? Im Leben wurde Ich verachtet, selbst die Wunder zeigten nicht jene Wirkungen wie mein Tod; bis ans Kreuz hinauf wurde Ich beleidigt,… aber kaum war Ich gestorben, hatte der Tod die Macht, alles zu verändern, alle schlugen sich an die Brust und bekannten Mich als wahren Sohn Gottes, meine Jünger selbst fassten Mut, und auch jene Verborgenen [Jünger] verlangten voll Kühnheit die Herausgabe meines Leichnams für ein ehrenvolles Begräbnis; Himmel und Erde verkündeten Mich mit lauter Stimme als Sohn Gottes.
Der Tod ist etwas Großes, Erhabenes, und dies gilt auch für meine Kinder selbst: im Leben sind sie verachtet und unterdrückt, selbst die Tugenden, die wie Licht jene einhüllen sollen, die rings um meine Kinder sind, bleiben zum Teil verschleiert; ihr Heroismus im Leiden, ihre Abtötungen, ihr Eifer für die Seelen, säen in jene, die um sie herum sind, Klarheit und [zugleich] Zweifel, und Ich selbst lasse diese Schleier zu, um die Tugend meiner teuren Kinder sicherer zu bewahren. Aber sobald sie sterben, ziehe Ich jene Hüllen zurück, da sie nicht mehr nötig sind, und die Zweifel werden zu Sicherheiten, das Licht wird klar, und in diesem Licht kann man ihren Heroismus schätzen, man ehrt alles [an ihnen], auch die geringsten Dinge.
So ergänzt der Tod das, was im Leben nicht möglich war. Und dies gilt für das, was hier unten geschieht; was dann dort oben geschieht, ist wahrhaft überraschend und beneidenswert für alle Sterblichen.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 9; 4. Juli 1910)

„Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst, soll geschehen“ (Mc 14, 36)

Ich dachte über die Worte Jesu am Ölberg nach: „Vater, wenn es möglich ist, lasse diesen Kelch an Mir vorüber gehen, doch non mea voluntas, sed Tua Fiat (nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine).”
Da bewegte sich mein süßer Jesus in meinem Inneren und sagte zu mir: „Meine Tochter, glaubst du, dass Ich wegen des Kelches meiner Passion zum Vater sagte: ‚Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an Mir vorüber?‘ Überhaupt nicht!
Es war der Kelch des menschlichen Willens, der so viel Bitterkeit und die Fülle der Laster enthielt, dass mein menschlicher, mit dem Göttlichen vereinter Wille, solchen Widerwillen, Schrecken und Entsetzen empfand, dass Ich ausrief: ‚Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an Mir vorüber…!‘ Wie hässlich ist der menschliche Wille ohne den Göttlichen, der sich fast wie in einem Kelch in jedem Geschöpf eingeschlossen hat!
Es gibt kein Übel in den Generationen, dessen Ursprung, Saat und Quelle er nicht wäre, und als Ich Mich von all jenen Übeln bedeckt sah, welche der menschliche Wille hervorgebracht hat, glaubte Ich angesichts der Heiligkeit des Meinen zu sterben und wäre auch tatsächlich gestorben, wenn die Gottheit Mich nicht unterstützt hätte.
Doch weißt du, warum Ich gleich drei Mal hinzufügte: ‚Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine‘? Ich fühlte zugleich alle menschlichen Willen, alle ihre Übel auf Mir [lasten] und rief im Namen aller zum Vater: „Nicht mehr der menschliche Wille geschehe auf Erden, sondern der Göttliche! Der menschliche Wille werde verbannt, und der Deine möge herrschen.“
So betete Ich schon von da an – und Ich wollte dies am Anfang meiner Passion tun, denn es lag Mir am meisten am Herzen und war Mir am wichtigsten, das „FIAT VOLUNTAS TUA wie im Himmel so auf Erden“ auf die Erde herabzurufen – im Namen aller: „Non mea voluntas, sed Tua fiat, nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe.”
Von diesem Zeitpunkt an begründete Ich die Epoche des FIAT VOLUNTAS TUA auf Erden, und indem Ich es dreimal wiederholte, erflehte Ich beim ersten Mal den Göttlichen Willen, beim zweiten Mal hieß Ich Ihn herabzusteigen, und beim dritten Mal setzte Ich Ihn zum Regenten und Herrscher ein.
Und mit den Worten, Non mea voluntas, sed Tua fiat’, Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe, beabsichtigte Ich, die Geschöpfe ihres Willens zu entleeren, und sie mit dem Göttlichen auszufüllen.
Da Mir vor meinem Sterben nur noch wenige Stunden blieben, wollte Ich mit meinem Vater im Himmel über den primären Zweck meines Kommens auf Erden verhandeln, dass nämlich der Göttliche Wille seinen ersten Ehrenplatz im Geschöpf einnehme.
Dieser Rückzug aus dem Höchsten Willen war der erste Akt des Menschen gewesen und daher die erste Uns zugefügte Beleidigung, all seine anderen Übel sind zweitrangig.
Ich musste zuerst den Zweck des ‚FIAT VOLUNTAS TUA wie im Himmel so auf Erden‘ verwirklichen und dann mit meinen Leiden die Erlösung bewirken. Tatsächlich tritt selbst die Erlösung in die sekundäre Ordnung ein, und es ist stets mein Wille, der die Oberherrschaft in allem besitzt.
Und obwohl man aus den Früchten der Erlösung die Wirkungen ersehen konnte (obwohl die Früchte der Erlösung früher sichtbar waren als die Wirkungen), war es dennoch kraft dieses Vertrages, den Ich mit meinem Himmlischen Vater schloss – dass nämlich sein FIAT kommen sollte, um auf Erden zu herrschen, und hierdurch der wahre Zweck der Erschaffung des Menschen verwirklicht werde und der primäre Zweck, wozu Ich auf die Erde kam – dass der Mensch die Früchte der Erlösung empfangen konnte, sonst hätte es an der Ordnung meiner Weisheit gefehlt.
Da der Ursprung des Bösen der menschliche Wille war, musste Ich diesen ordnen und wiederherstellen, und ihn wieder mit dem Göttlichen vereinen. Und obwohl die Früchte der Erlösung zuerst sichtbar waren, bedeutet dies nichts.
Mein Wille ist wie ein König, der als Letzter kommt, obwohl er der Erste von allen ist. Ihm voran gehen zu seiner Ehre und Zierde, seine Völker, die Heere, Minister, Führenden und der ganze königliche Hof.
So waren die Erlösungsfrüchte zuerst notwendig, damit die Erhabenheit der Majestät meines Willens das königliche Gefolge, die Völker, Heere, Minister und Fürsten haben (finden) möge. (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 16; 4. Januar 1924)

„Dann kreuzigten sie ihn. Sie warfen das Los und verteilten seine Kleider unter sich und gaben jedem, was ihm zufiel“ (Mk 15, 24)

Ich verrichtete meine gewohnten Akte im Höchsten FIAT, und mein angebeteter Jesus trat aus meinem Inneren heraus und sagte zu mir: „Meine Tochter, in meiner Passion äußerte Ich eine Klage, die meinem gequälten Herzen mit unermesslichem Schmerz entquoll, und zwar diese: ‚Sie teilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand’.
Wie schmerzvoll war es für Mich zu sehen, dass sie meine Kleider unter meinen eigenen Henkern aufteilten und um meine Tunika im Spiel losten! Sie war der einzige Gegenstand, den Ich besaß, den Mir meine schmerzhafte Mutter mit so viel Liebe gegeben hatte, und jetzt entkleideten sie Mich nicht nur davon, sondern trieben damit ihr Spiel.
Doch weißt du, wer Mich noch mehr durchbohrte? In jenen Kleidern wurde Mir Adam gegenwärtig, bekleidet mit dem Gewand der Unschuld, und bedeckt mit der unteilbaren Tunika meines Höchsten Willens.
Die unerschaffene Weisheit handelte bei seiner Erschaffung mehr als eine überaus liebende Mutter. Sie kleidete ihn weit erhabener als eine Tunika mit dem grenzenlosen Licht meines Willens, einem Gewand, das weder der Zersetzung, noch der Teilung, noch dem Verfall unterworfen war.
Es war ein Kleid, das dem Menschen als Bewahrung des Bildes seines Schöpfers und der Gaben dienen sollte, mit denen Er ihn ausgestattet hatte und das ihn in allen seinen Dingen wunderbar und heilig machen sollte, ja nicht nur das, sondern es bedeckte ihn mit dem Übergewand der Unschuld.
Adam jedoch zerteilte im Garten Eden mit seinen Leidenschaften die Kleider der Unschuld und verspielte die Tunika meines Willens, das unvergleichliche Gewand von blendendem Licht. Was Adam im Garten Eden tat, wiederholte sich unter meinen Augen auf dem Berg Kalvaria.
Als Ich sah, dass meine Kleider aufgeteilt wurden und man um meine Tunika loste, das Symbol des königlichen Gewandes, das dem Menschen verliehen worden war, war mein Schmerz so intensiv, dass Ich darüber klagte.
Mir wurden die Geschöpfe gegenwärtig, wie sie, indem sie ihren eigenen Willen tun, mit dem meinen spielen, sooft sie mit ihren Leidenschaften das Kleid der Unschuld zerteilen. Alle Güter wurden im Menschen kraft dieses königlichen Gewandes des Göttlichen Willens eingeschlossen.
Als dieser verspielt wurde, war der Mensch entblößt und büßte alle Güter ein, weil ihm das Gewand fehlte, das diese Güter in ihm eingeschlossen hielt.
So fügen die Geschöpfe zu den vielen Übeln, die sie bewirken, wenn sie ihren Willen tun, das irreparable Übel hinzu, das Königsgewand meines Willens zu verspielen, das Kleid, das durch kein anderes Kleid ersetzt werden kann.“ (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 20; 12. Dezember 1926)

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Ich fühle das Leben des Göttlichen FIAT in meiner Seele, das für mich Bewegung, Atmung und Herzschlag sein möchte. Der Göttliche Wille ersehnt eine so große Einheit mit dem menschlichen Willen, dass dieser sich in nichts dem widersetzen darf, was Er tun will, sonst beklagt Er sich enttäuscht und fühlt sich durch den menschlichen Willen gekreuzigt. Da wiederholte mein geliebter Jesus seinen kurzen Besuch und sprach zu mir:
„Meine gesegnete Tochter, wie sehr leidet doch mein Wille im Geschöpf! Es genügt, wenn Ich dir sage, dass der Mensch jedes Mal, wenn er seinen eigenen Willen tut, den Meinen kreuzigt.
So ist das Kreuz meines Willens das menschliche Wollen, doch nicht mit drei Nägeln, wie Ich am Kreuz angenagelt wurde, sondern mit so vielen Nägeln, als sich die Seele meinem Willen widersetzt und Ihn nicht anerkennt. Während Er Gutes tun möchte, wird Er mit den Nägeln der Undankbarkeit zurückgewiesen.
Wie qualvoll ist diese Kreuzigung meines Willens im Geschöpf! Wie oft fühlt Er seinen Atem, Herzschlag und seine Bewegung mit Nägeln angenagelt, denn da Er nicht als das Leben des Atems, des Herzschlags und der Bewegung erkannt wird, werden für Ihn Atmung, Bewegung und Herzschlag des Menschen zu Nägeln, die Ihn daran hindern, in den Seelen das Gute zu wirken, das Er tun möchte.
O, wie fühlt Er sich im menschlichen Willen gekreuzigt! Er will mit seiner göttlichen Bewegung den Tag in der Bewegung des Menschen aufgehen lassen, aber die Seele kreuzigt die göttliche Bewegung und lässt mit ihrer [eigenen] Bewegung die Nacht hereinbrechen und kreuzigt das Licht. Wie leidet mein Licht darunter, sich durch den menschlichen Willen unterdrückt, gekreuzigt und in den Zustand der Unfähigkeit versetzt zu sehen!
Mit seinem Atem möchte Er seinen Willen in der Seele atmen lassen, um ihr das Leben seiner Heiligkeit und Stärke zu verleihen. Wenn Ihn aber die Seele nicht aufnimmt, treibt sie Ihm die Nägel der Sünde, Leidenschaften und Schwächen hinein. Mein armer Wille! In welchem Zustand des Leidens und der ständigen Kreuzigung befindet Er sich im menschlichen Willen, der unsere Liebe ununterbrochen kreuzigt und alle Wohltaten, die Wir ihm geben wollen, mit seinen Nägeln anfüllt.
Allein die Seele, die in meinem Willen lebt, kreuzigt meinen Willen nicht, vielmehr kann Ich behaupten, dass Ich ihr Kreuz bilde, das jedoch ganz anders ist als mein Kreuz [von Golgota]. Mein Wille versteht es, Nägel des Lichts, der Heiligkeit und der Liebe zu setzen, welche die Seele mit unserer eigenen göttlichen Kraft stark machen.
Diese Nägel fügen keinen Schmerz zu, sondern machen die Seele glücklich, schmücken sie mit einer bezaubernden Schönheit und sind Träger großer Eroberungen. Wer sie erfahren hat, ist so glücklich, dass er Uns bittet und anfleht, ihn stets mit unseren göttlichen Nägeln am Kreuz zu behalten.
Dieser Situation kann man nicht entgehen: wenn die zwei Willen, der menschliche und der Göttliche, nicht geeint sind, wird der eine Wille unweigerlich das Kreuz des anderen bilden.
Zudem sind unsere Liebe und Eifersucht so groß, dass Wir der Seele nicht einmal einen freien Atemzug ohne unseren Nagel des Lichtes und der Liebe gewähren, damit Wir sie stets bei Uns behalten und sagen können: ‚Was Wir tun, das tut sie, und sie will das, was Wir wollen.‘“… (aus „Das Buch des Himmels“; Vorläufiger deutscher Text, aus dem Italienischen übersetzt von Studiengruppe Hl. Hannibal di Francia – DI Irmengard Haslinger – Für den privaten Gebrauch – Band 36; 5. September 1938)